Bad Kissingen
Nachgefragt

Das sagt die CSU in Bad Kissingen zu den Rücktrittsforderungen an Seehofer

CSU-Politiker aus dem Landkreis sind sich einig, dass Lehren aus den Verlusten bei der Bundestagswahl zu ziehen sind.
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Strategier war falsch

Siegfried Erhard
Wahlkampf und Wahlabend hat der langjährige Oerlenbacher Bürgermeister und Ehrenbürger aus gesundheitlichen Gründen privat und nicht im Kreise der Partei verfolgt. Er sei erschrocken über die starken Verluste der CSU gewesen. "Wir müssen jetzt überdenken, ob die Strategie, die Horst Seehofer und die CSU-Führung im Wahlkampf gefahren sind, richtig war." Aussagen Seehofers, weiter nach rechts zurücken, hält er für falsch. "Das sich das nicht verfangen hat, zeigt das Wahlergebnis." Erhard ist der Ansicht, dass die Strategie in Richtung der Landtagswahl in Bayern im kommenden Jahr geändert werden muss. "Man muss seinen Weg als Partei ohnehin immer wieder neu überprüfen. Ob sich personell etwas zu ändern hat, ist aber ein ganz anderes Thema" Die Frage nach einem Rücktritt Seehofers stelle sich nicht.


Rücktritt ist Blödsinn

Steffen Hörtler
Mit dem Wahlergebnis seiner Partei ist der Bad Kissinger CSU-Ortsvorsitzende und Fraktionssprecher im Stadtrat, Steffen Hörtler, zwar durchaus zufrieden, sieht aber dennoch Handlungsbedarf: "Dorothee Bär hat das drittbeste Ergebnis in Bayern erzielt, das ist eine gute Leistung. Bei den Zweitstimmen wären fünf oder sechs Prozent mehr gut gewesen, denn wir sind natürlich davon ausgegangen, dass das Ergebnis besser ausfällt. Wir müssen jetzt die Ärmel hochkrempeln." Die Rücktrittsforderungen an den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer sieht er kritisch: "Ich persönlich halte das für Blödsinn. Wir haben gemeinsam für ein besseres Ergebnis gekämpft. Wir konnten gerade beim Thema Flüchtlinge den Menschen die Angst nicht nehmen, das müssen wir in Zukunft besser machen. Dafür ist Seehofer der richtige Mann."


Besonnen reagieren

Detlef Heim
Der Vorsitzende des Hammelburger Ortsverbandes hat den Ausgang der Bundestagswahl noch nicht mit den Parteimitgliedern vor Ort diskutiert. "Unsere Wahlnachlese findet erst nächste Woche statt", sagt er. Die bundesweiten Verluste der Union müsse er erst noch verdauen, über das Abschneiden sowohl von CSU als auch von der Direktkandidatin Dorothee Bär hier im Landkreis könne man dagegen stolz sein. "Wir haben hier einen hervorragenden Wahlkampf geleistet." Von den gestern von manchen Ortsverbänden vorgebrachten Rücktrittsrufen in Richtung des Parteichefs hält er nichts, dazu bestehe keine Notwendigkeit. "Wichtig ist jetzt vielmehr, besonnen zu reagieren. Wir müssen vor Ort gute Politik machen und die Rechtspopulisten von der AfD mit guten Argumenten entlarven. Das ist das Rezept für die Zukunft."


Frischer Wind

Michael Kastl
Als Wahlleiter war der Vorsitzende des CSU-Ortsverbandes Münnerstadt und Fraktionssprecher Michael Kastl in Stadtlauringen voll eingebunden. Dort hat er auch die ersten Hochrechnungen erlebt. "Vom das Ergebnis der CDU/CSU bin ich sehr enttäuscht, auch über das gute Abschneiden der AfD." Zur Rolle Horst Seehofers in der Vorwahlzeit hat er eine klare Meinung: "Das Problematischste war sein Umgang mit Bundeskanzlerin Angela Merkel während der Flüchtlingskrise." Das habe er an Infoständen auch immer wieder von den Bürgern gehört. Zu den Rücktrittsforderungen will sich Michael Kastl nicht direkt äußern, er outet sich aber klar als Fan von Markus Söder. Und auch im Hinblick auf die im nächsten Jahr anstehenden Landtagswahlen meint er: "Ein bisschen frischer Wind könnte nicht schaden."


Noch zu frisch

Dieter Seban
Erst einmal sacken lassen muss Dieter Seban die Wahlschlappe der CSU vom Sonntag. Der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Bad Brückenau hat die Forderungen nach einem Rücktritt Seehofers auf Facebook ver folgt. "Ich habe von meinem Mitgliedern noch nichts gehört. Es gibt keine Diskussion darüber", berichtet er. Dass die CSU nach der Niederlage mit einem Rechtsruck reagiert, das hat er nicht so empfunden. "Ordnung und Sicherheit sind Themen, die man nicht genug betonen kann", sagt Seban. Für ihn seien das aber neutrale Werte, die weder rechts oder links eingeordnet werden könnten. Was die Gründe für die sinkende Zustimmung der CSU bei den Bürgern sein könnten und ob Seehofer noch der richtige Mann an der Spitze ist, darüber habe er sich noch keine Meinung gebildet. "Das ist für mich noch etwas zu frisch."
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