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Bad Kissingen
Ausstellung

Das Leben von Pater Reinisch

Eine Ausstellung in der Stadtpfarrkirche zeichnet das Leben von Pater Franz Reinisch nach, der in Bad Kissingen den Fahneneid auf Hitler verweigerte und in Brandenburg enthauptet wurde.
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Musik für einen Märtyrer (von links) Pfarrer Armin Haas, Wolfgang Kriener, Franz Josef Tremer, Dekan Martin Emge.  Fotos: Werner Vogel
Musik für einen Märtyrer (von links) Pfarrer Armin Haas, Wolfgang Kriener, Franz Josef Tremer, Dekan Martin Emge. Fotos: Werner Vogel
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Am 15. April 1942 traf Franz Reinisch, bewusst einen Tag später als befohlen, in der Manteuffel-Kaserne in Bad Kissingen ein und erklärte sofort seine Weigerung, den Fahneneid auf Hitler zu leisten. Mit dem Pater-Reinisch-Weg und einer kleinen Gedenkstätte im ehemaligen Kasernengelände hat die Stadt an ihn erinnert, in der Stadtpfarrkirche schmückt sein Medaillon an prominenter Stelle die Seitenwand. Nun gibt eine Ausstellung auf vierzehn großformatigen Tafeln mit Originalzitaten, Text- und Bilddokumenten vertiefte Eindrücke in das Leben des Glaubensmärtyrers. Sie zeigen den Menschen Franz Reinisch, beschreiben das Todesurteil durch das Fallbeil, erinnern an die letzten Stunden, künden von seiner Botschaft und listen auf Tafel 14 die Verehrung - auch in Bad Kissingen - auf, die im Seligsprechungsprozess, der 2013 in Trier eröffnet und seit 2019 im Vatikan geprüft wird, gipfelt.

Geistliche Lieder für das Vorbild

Pfarrer Armin Haas, der mit dem geistlichen Liedermacher Franz Josef Tremer die Ausstellung organisiert hat, sieht in Pater Reinisch einen mutigen Zeugen für die innere Stimme und ein Vorbild für das Gewissen als letzter Instanz. Die beiden Gottesmänner umrahmen die Feierstunde mit Gitarre und dem Lied von F. J. Tremer: "Franz Reinisch, Du Verehrter". Wolfgang Kriener, überregional bekannter Musiker mit Bezug zur Schönstattbewegung in Bad Kissingen und somit zu Franz Reinisch, spielt auf seinem Kontrabass eine beeindruckende Meditation über das von Reinisch kurz vor seinem Tod getextete "Heimkehrlied" nach der Melodie von R. Bernet. Der Forchheimer Dekan Martin Emde, Reinisch-Kenner und Buchautor, bekennt als Laudator, dass er im Haus Englert, dem Bad Kissinger Jugendhaus, von der Schönstatt-Bewegung, die auch Pater Reinisch geprägt hat, beeindruckt war.

Seitdem hat ihn das Leben des Pallottinerpriesters nicht mehr losgelassen. Er schildert ihn als Menschen mit Ecken und Kanten und als glaubwürdige Priesterpersönlichkeit mit Zivilcourage. "Reinisch ist der einzige katholische Priester, der diesen Schritt wagte", schildert er. "Deshalb ist er ein Vorbild, der bezeichnenderweise vor allem in Südamerika größte Bewunderung erfährt." Aber zunehmend auch bei uns. Gerade heute, wo braune Tendenzen unübersehbar seien, wo die rechten Attentate der letzten Monate eine beklemmende Aktualität zur damaligen Wirklichkeit aufzeigten, brauche es Protest, Mut, Farbe zu bekennen, brauche es Aufrichtigkeit.

"Ich kann als Christ und Österreicher einem Mann wie Hitler niemals den Eid der Treue leisten. Es muss Menschen geben, die gegen den Missbrauch der Autorität protestieren; und ich fühle mich berufen zu diesem Protest", zitiert er Franz Reinisch. Pfarrer Gerd Greier, Hausherr der Stadtpfarrkirche, forderte die Schar der Reinisch-Verehrer nach der Veranstaltung bei dem Gespräch an den Stehtischen auf, den Geist der Vernissage, die Mahnung, gegen Glaubenserosion und Gedankenlosigkeit weiterzutragen.

Bis 8. April

Die Wanderausstellung war bisher in Bruchsal, Fulda und Untermerzbach zu sehen und bleibt bis 8. April öffentlich zugänglich in der Stadtpfarrkirche Bad Kissingen.