Bad Kissingen

Das Kneipensterben in der Rhön

Bierkneipen verschwinden überall in Bayern, in kaum einer Region jedoch in dem Umfang wie in der Rhön.Im Kreis Bad Kissingen geht die Zahl der Gastro-Betriebe insgesamt zurück, wenngleich es Unterschiede in den einzelnen Bereichen gibt.
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Die Zahl der Bierkneipen hat sich im Landkreis Bad Kissingen von 2013 bis 2017 halbiert. Symbolfoto:  Marc Tirl
Die Zahl der Bierkneipen hat sich im Landkreis Bad Kissingen von 2013 bis 2017 halbiert. Symbolfoto: Marc Tirl
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In kaum einer anderen Region in Bayern sind in den vergangenen Jahren mehr Kneipen verschwunden als in der Rhön. Das zeigen Zahlen, die das bayerische Wirtschaftsministerium auf eine Anfrage der SPD-Landtagsabgeordneten Martina Fehlner vorgelegt hat. Die Politikerin aus Aschaffenburg wollte Auskunft darüber, wie sich das Gastgewerbe in Bayern in den vergangenen fünf Jahren entwickelt hat. Gerade für den Landkreis Bad Kissingen und auch den Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld zeigt sich dabei kein besonders rosiges Bild.

Das Ministerium bezieht sich auf die aktuellsten Zahlen des Statistischen Landesamtes, und zwar für die Jahre von 2013 bis 2017. Erfasst in den Daten sind die Gastro-Betriebe, die im Unternehmensregister auftauchen, angefangen beim großen Hotel bis zur kleinen Bierkneipe und zur Imbissstube. Nicht berücksichtigt sind Caterer, Hotel garnis, also Hotels ohne Restaurant, sowie Kleinstbetriebe wie Heckenwirtschaften. Auch gastronomische Angebote von Vereinen tauchen nur dann in der Auswertung auf, wenn der Verein eine extra verzeichnete Gaststätte besitzt. Das normale Vereinsheim, in dem sich die Menschen eins, zwei Mal in der Woche abends auf ein Bier treffen, ist also nicht berücksichtigt.

Restaurants stabil, Cafés mit Plus

Im Landkreis Bad Kissingen ist die Zahl der Gastronomiebetriebe von 2013 bis 2017 um etwas mehr als zehn Prozent gesunken, und zwar von 515 auf 459 Betriebe. Der Rückgang trifft die Branche allerdings nicht gleichmäßig. Es zeigen sich mitunter große Unterschiede. Die Statistik liefert hier auf landkreisebene detaillierte Einblicke: Da ist zum einen die an Speisen orientierte Gastronomie, also Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés und Eisdielen. Diese Gruppe ist landkreisweit um 24 Betriebe beziehungsweise zwölf Prozent auf 169 Betriebe geschrumpft. Diese Daten lassen sich noch einmal aufgliedern: Dabei ist festzustellen, dass sich die Zahl von Restaurants mit herkömmlicher Bedienung stabil hält (von 121 auf 119). Bei den Cafés (von 19 auf 20) und den Eisdielen (von drei auf sechs) war sogar ein Anstieg zu verzeichnen. Die großen Verlierer sind dagegen die Imbissstuben. Hier hat sich die Zahl der erfassten Betriebe mehr als halbiert (von 48 auf 23).

Mehr Hotels, weniger Gasthöfe

Gemischt ist das Fazit für das Gastgewerbe mit Übernachtungsmöglichkeit, das für die Gesundheits- und Tourismusregion von besonderer Bedeutung ist. Gute Nachrichten haben die Statistiker da für die Kissinger Hotellerie: Der Hotelbestand ist leicht gewachsen, und zwar von 224 auf 228 Betriebe. Das Plus von zwei Prozent reicht jedoch nicht aus, um den Rückgang bei den Gasthöfen (-22 Prozent) auszugleichen. Während 2013 noch 45 Gasthöfe gezählt wurden, waren es fünf Jahre später nur noch 35.

Kneipen verschwinden

Am stärksten trifft der Rückgang die Getränkegastronomie, vor allem also Kneipen. Die sind inzwischen in vielen Dörfern nicht mehr zu finden. In allen Regierungsbezirken sind die Zahlen rückläufig, sogar in Oberbayern inklusive Metropolregion München. Bad Kissingen hat bayernweit einen der schlechtesten Werte vorzuweisen, mit einem Rückgang von 50 Prozent. Größer ist das Kneipensterben in dem Zeitraum nur im Landkreis Bayreuth (-54,3 Prozent) und im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld: Dort sind in den fünf ausgewerteten Jahren beinahe zwei Drittel der Betriebe verschwunden.

Geringeres Minus in den Städten

Ein Blick auf die Landkreiskarte zeigt, dass der Negativtrend die Kommunen im Landkreis ebenfalls ganz unterschiedlich betrifft. In den Städten verläuft die Entwicklung in abgeschwächter Form. In Bad Kissingen als Großer Kreisstadt und zentralem Tourismus- und Klinikstandort ist es sogar gelungen, den Bestand an Gastrobetrieben nahezu stabil zu halten.

Stand 2017 verfügt noch jede Landkreiskommune über ein gastronomisches Angebot. Im Rhön-Grabfeld dagegen listen die Statistiker bereits fünf Gemeinden, die gastronomisch verwaist sind. Dass das mittel- und langfristig auch im Kreis Bad Kissingen droht, deuten die Zahlen schon an: Etwa in Schondra, wo nur noch einer von vorher fünf Betrieben übrig geblieben ist.

Wenig Anlass zu Optimismus

So eine Entwicklung befürchtet Egon Klöffel, Bürgermeister von Thundorf, auch für seine Gemeinde. In der Statistik ist die Kommune im östlichen Landkreis zwar als eines von zwei Positivbeispielen mit Zuwächsen vermerkt, Anlass zu viel Optimismus gibt das aber nicht.

Klöffel berichtet, dass es im Ort und den Ortsteilen kontinuierlich zwei Kneipen und eine Speisewirtschaft gibt, auch wenn zwei davon für 2013 nicht in der amtlichen Statistik gelistet sind. Er befürchtet jedoch, dass gerade die beiden Kneipen in absehbarer Zeit schließen. Die Gastronomen seien schon älter und niemand in Sicht, der sie einmal fortführt. "Große Hoffnung habe ich nicht, dass es da weitergeht", meint er.

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