Bad Kissingen
Theater

Das etwas andere Theater

Ein sprechendes Pferd, der Tod und wie man Angst überwindet: Das Amateurtheater ZapDou bringt diesmal ein eigenes, skurriles Stück auf die kleine Bühne.
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Spielszene aus "Die Geschichtenerzählerin"
Spielszene aus "Die Geschichtenerzählerin"
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Anspruch, leidenschaftliches Spiel und die einzigartige Atmosphäre des Zimmertheaters machen die Aufführung des Amateurtheaters ZapDou zu einem speziellen Erlebnis.

Werner Rieck hat neben der Musik auch Theaterblut in den Adern. Bewundernswert sein Engagement, ein kleines Theaterensemble mit Amateuren zu leiten und immer wieder mit außergewöhnlichen Aufführungen ein Publikum zu erfreuen, und das gerne außerhalb ausgetretener Pfade.

Keine Alltagsgeschichten

Nach "Dekadenz" 2017 mit Szenen aus der Weltliteratur, in diesem Jahr ein Stück aus der Feder eines Ensemblemitglieds. Die Besucher erleben also eine Welturaufführung. Elemente aus Commedia dell'Arte, Fiktion, Märchen und Alltagswelt von heute bringt "Die Geschichtenerzählerin" von Burkhard Singer in skurrilen Szenen auf die Bühne.

Ja, Alltagsgeschichten sind das nicht, die ZapDou anbietet. Da hat man doch eher am Maskenspiel und Pantomime seine Freude, reibt sich an Provokantem. Das, was sonst keiner macht, das ist ihr Ding. Alle, die Spaß am Gestalten haben rund um die Bretter, die die Welt bedeuten, sind hier richtig. Es werden gemeinsam Theaterprojekte gesucht, bearbeitet und geübt. Werner Rieck machte schon Protesttheater der 68er Generation, gründete in Gemünden das Amateurtheater ZapDou, das 1996 nach Bad Kissingen umzog und jetzt in der Steinstraße in der Musikwerkstatt mit winziger Bühne sein Zuhause hat.

In diesem Jahr haben sie sich eine komplette Eigenproduktion erarbeitet, fast erwartbar, mit Themen, die zunächst einmal schockieren. Sie spielen mit Alpträumen, irrealen Welten, in verschiedenen Ebenen, in der Vergangenheit und im Jetzt. Teils grotesk überzeichnet, wie es Theater darf, den Zuschauer fordernd, aber so eindringlich inszeniert und gespielt, dass es eine starke Aufführung wird.

Schaurige Gestalten

Waldfriedhof - und - Psychiatrische Klinik! Aus dem Off ruft der Fahrer die Bushaltestellen in der ersten Szene auf, das lässt schon einiges ahnen. Ein Tauschring spielt eine Rolle, dessen Währung handwerkliche und andere Talente sind. Das ist allerdings nicht erfunden, das gab's mal in Würzburg. Jetzt aber kommen Märchen ins Spiel. Eine Frau dieses Netzwerkes bringt die phantastische Fähigkeit ein, mit Geschichten dem Tod noch ein paar Jahre abzuschwatzen. Das wiederum ist Märchen, entlehnt aus 1001 Nacht. Da dürfen die Gebrüder Grimm dann auch nicht fehlen.

Nicht irgendeine nette Fabel, nein, die schaurige Geschichte von der Gänsemagd, die sich als Prinzessin ausgibt und deren Pferd Fallada den Kopf abhaut, und ihn ans Stadttor nagelt, der Pferdekopf am Stadttor aber nur die echte als "Jungfer Königin" anspricht. Die reale Geschichte hingegen spielt in der Psychoklinik, wo ein obskurer Chefarzt mit vertrottelten "Kollega" ein irres Spiel mit der traumatisierten Patientin Melanie treiben, bis die Geschichtenerzählerin das Mädchen nach vielen Anläufen aus ihrer Todessehnsucht rettet. Dass ein schwarzer Rabe den Tod gibt, ist da fast schon unentbehrlich. "Wenn Du echte Freunde hast, kannst Du vieles überwinden", lässt der Autor als optimistische Botschaft verkünden. Weitere Aufführung: Samstag, 28. Juli, 20 Uhr, Musikwerkstatt, Steinstraße.

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