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Bad Kissingen
Winterzauber

Das Dschungelbuch verzaubert alle

Das Bochumer Theater für Kinder Liberi mit seiner Produktion "Dschungelbuch - Das Musical" stieß auf großes Interesse: das Kurtheater war ausverkauft.
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Arthur Polle als  Mogli  (links) im Gespräch mit Okan Sen als  Sorglosbär Balu,Gerhild Ahnert
Arthur Polle als Mogli (links) im Gespräch mit Okan Sen als Sorglosbär Balu,Gerhild Ahnert
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"Dschungelbuch" - wer den Titel hört, bekommt leuchtende Augen. Und das ist keine Frage des Alters. Wer ihn hört, beginnt sofort, den Song "Versuch's mal mit Gemütlichkeit" zumindest innerlich zu singen oder zu pfeifen. Rudyard Kiplings Geschichte des kleinen Waisenkindes Mogli, dessen Eltern im Wald von dem Tiger Shir Khan getötet wurden und der von einem Wolfsrudel aufgezogen wird und sich selbst zunächst einmal nur als Wolf wahrnimmt und alles tut, um in das Rudel aufgenommen zu werden, wurde sofort nach dem Erscheinen 1894 zu einem der erfolgreichsten Kinderbücher der Welt. Und die Geschichte wurde zum Kinoklassiker: in seiner ersten Realverfilmung 1942 von Zoltan Korda, vor allem aber in der Zeichentrickversion einzelner Episoden, die Walt Disney 1967 auf den Markt und in die letzten Winkel der Welt brachte.
Es war so gesehen kein Wunder, dass das Kurtheater ausverkauft war, als das Bochumer Theater für Kinder Liberi mit seiner Produktion "Dschungelbuch - Das Musical" zum Winterzauber kam. Und es war auch nicht verwunderlich, dass für eine Kindervorstellung auffallend viele Erwachsene im Parkett und auf dem Balkon saßen. Das war eine Vorstellung, zu der Eltern und Großeltern auch freiwillig und gerne mitgehen: Theater für Kinder und solche, die es bleiben wollen.

Die Bedienung des Drei-Generationen Mix funktionierte deshalb so gut, weil die Bochumer Truppe ihren Job wirklich ernst genommen hat - obwohl natürlich viel gelacht werden konnte. Sie hat sich nicht zum Kasper gemacht ("Seid ihr alle daaaa?") und eine Kinderbelustigung zusammengebaut, über deren Wirkung sie sich immer wieder bei den Kindern rückversichern muss. Und sie hat auch keine Disney-Kopie gemacht, sondern etwas ganz Eigenständiges entwickelt mit eigenen Texten und eigener Musik, mit denen sie die Kinder fesseln und fordern konnte - den einen oder anderen vielleicht auch überfordern, aber das hat noch niemandem geschadet. Die Kinder konnten am Ende neben vielen lustigen Erinnerungen auch eigene Gedanken mitnehmen, etwa über Freundschaft oder den Wert einer Gruppe oder die Wichtigkeit selbstbestimmten Handelns.
Es passte halt alles zusammen: die inhaltlich sinnvollen, nicht verkitschten Song- und Zwischentexte von Helge Fedder, der auch eine zügige, plausible Regie mit einem ausgezeichneten Timing geführt hat, die in den Songs immer gut präsente, fantasievolle Musik von Christoph Kloppenburg und Hans Christian Becker, eine schwungvolle, perfekt ineinander greifende Choreographie von Carolin Pommert und Kama Frankl, bunte, köstlich auf die Tiere zugeschnittene Hinguckerkostüme von Annette Pfläging und ein sparsames, aber stimmungsvolles und leicht umzubauendes Bühnenbild von Beata Kornatowska.

Und dann halt eine hochprofessionelle, sanglich und spielerisch bestens geschulte sechsköpfige Schauspielertruppe, der die 14 Rollen mit ihrem tiertypischen Gebaren und ihren zum Teil extremen Stimmen selbst allergrößten Spaß machten. Arthur Polle kann sich auf den Mogli konzentrieren, weil er fast immer auf der Bühne war, und er zeigte sehr gut, dass seine Rolle eigentlich ein Entwicklungsroman ist über einen Jungen auf der Suche nach sich selbst, dem es schwer fällt zu akzeptieren, dass er kein Wolf, sondern ein Mensch ist. Auch Mareike Heyen als Panther Baghira ist ständig gefordert, weil er sich für den von vielen Seiten bedrohten Mogli verantwortlich fühlt. Okan Sen ist ein köstlicher Sorglosbär Balu, obwohl er Mogli alles beibringt, was er für den Dschungel braucht. Raumgreifend tapst er über die Bühne. Und ist er nicht nur Bär, sondern gelegentlich auch Wolf. Die anderen müssen sich noch öfter umziehen: Nathanael Anderfuhren als Shir Khan und Affe, Anne Berndt als Schlange Kaa, Affe, Geier und Wolf, Loraine Ziemke als Mädchen aus dem Dorf, Affe, Geier und Wolf. Die Mischung zeigt schon, dass es da viel zu lachen gibt.
Nach zwei Stunden (mit Pause) wird's natürlich traurig, als Mogli, jetzt als Mensch, der die Attacken von Shir Khan überstanden hat, mit dem Mädchen ins Dorf geht. Aber er darf jederzeit wiederkommen. Das darf die Liberi-Truppe auch. Denn sie hat das beste Kindertheater in 19 Jahren Winterzauber und 32 Jahren Kissinger Sommer gezeigt.

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