Bad Kissingen
Ausnahme

Das Apolant in Bad Kissingen kann abgerissen werden

Für den Bad Kissinger Bauausschuss war es eine doppelte Premiere. Zum ersten Mal stimmte er dem Abriss eines Gebäudes zu, das unter Denkmalschutz steht (die Stadt Bad Kissingen ist unter anderem Untere Denkmalschutzbehörde). Zum anderen traf die Abrissgenehmigung erstmals ein Sanatorium.
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Die Fassade des Apolant zeigt auch auf den ersten Blick deutliche Verwundungen: Der Putz fällt großflächig ab. Fotos: Thomas Ahnert
Die Fassade des Apolant zeigt auch auf den ersten Blick deutliche Verwundungen: Der Putz fällt großflächig ab. Fotos: Thomas Ahnert
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Und kein kleines: das "Apolant" in der Menzelstraße. Bis 1978 nutzte die LVA Unterfranken das Haus für die Kur; seitdem steht es leer und ist - mittlerweile auch sichtbar - dem Verfall preisgegeben. "Es dauert noch zehn Jahre, bis das Haus in die Knie geht", meinte schon im letzten Jahr ein Architekt, der das Apolant unter die Lupe genommen hatte. Einzelne Balkone könnten aber auch vorher schon abstürzen.

Nicht der erste Abrissantrag

Wie Stadtplaner Wolfgang Russ dem Bauausschuss erläuterte, hatte schon 2010 die damalige Eigentümerin, die Firma Maier & Maier Immobilien, den Antrag auf Abriss des Apolant gestellt, dann aber das Anwesen an die Projekt-BuG verkauft, weil die Umwandlung in ein Fünf-Sterne-Hotel wirtschadftlich nicht darstellbar war. Die neuen Besitzer haben dann 2011 ebenfalls einen Abrissantrag gestellt mit dem Hinweis, an dieser Stelle ein Hotel errichten zu wollen. Russ: "Der Abbruchantrag wird ddamit begründet, dass für das Vorhaben eine wirtschaftlich tragfähige Sanierungslösung trotz verschiedener Projekte nicht gefunden werden kann."
Dieser Satz ist der Türöffner in das Landesamt für Denkmalpflege, das das grundsätzliche Ziel hat, Baudenkmäler zu erhalten. Der Begriff "grundsätzlich" bedeutet aber, dass es Ausnahmen geben kann. Und zwar dann, wenn für ein geschütztes Baudenkmal keinerlei sinnvolle Nutzungs- oder Veräußerungsmöglichkeit mehr besteht. Dann muss allerdings eine Zumutbarkeitsprüfung durchgeführt werden.

Wirtschaftlich nicht vertretbar

Und die fiel schon bei den Vorbesitzern negativ aus,die das Apolant in ein Hotel und Ferienwohnungen umbauen wollten. Damals wäre, hätten die Investoren alle Vorgaben des Denkmalschutzen berücksichtigt, eine Finanzierungslücke von 2,4 Millionen Euro entstanden - ein Betrag, der aus dem Entschädigungsfond des Landesamtes nicht zur Verfügung gestellt werden kann. Allerdings sind auch andere Kompromisse nicht möglich, etwa der abriss nur eines Baukörpers oder eine Erweiterung des Baurechts auf dem Grundstück oder andere. Sie würden alle an der fehlenden Wirtschaftlichkeit scheitern.

Das Landesamt will still halten

"Das Landesamt für Denkmalpflege kann dem Abriss natürlich nicht zustimnmen", meinte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD). Das würde seinen Aufgabenstellungen und seinem Selbstverständnis zuwiderlaufen. "Aber es wird uns auch keine Steine in den Weg legen, wenn wir den Abrissbeschluss fassen."

Zustimmung mit Vorbehalt

So stimmte der Bauausschuss dem Abrissantrag einstimmig zu, verknüpfte die Genehmigung aber mit einer Bedingung: Die Abrissbirne darf erst dann ihr Werk verrichten, wenn für einen Nachfolgebau eine bestandskräftige Baugenehmigung vorliegt. Offenbar möchte man nach dem Anblick eines sterbenden Gebäudes den Anblick einer großen Brachfläche an der Menzelstraße vermeiden.


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