Bad Kissingen

Dachstuhl ist fertig

Bauherr Waldemar Michaelis konnte an der Villa Ross Richtfest feiern. In einem Jahr sollen die neuen Wohnungen bezugsfertig sein.
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Der neue Dachstuhl auf der Villa Ross.  Foto: Waldemar Michaelis
Der neue Dachstuhl auf der Villa Ross. Foto: Waldemar Michaelis
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In gewisser Weise hat Waldemar Michaelis Glück und Pech gleichermaßen gehabt. Als er das "Kurheim Ross" (früher "Villa Gayde") in der Von-der-Tann-Straße erwarb, war es kurz zuvor durch einen Beschluss des Stadtrats aus den Satzungsregelungen und Veränderungssperren der Kurgebietszone 1 herausgenommen worden. Damit stand seiner Absicht im Grundsatz nichts mehr im Wege, das lange leerstehende Hotel in ein Wohnhaus mit acht Wohnungen verschiedener Größe umzubauen. Was er nicht gewusst hatte, war die Tatsache, dass das Gebäude mit seinem bossierten Sandsteinsockel und seiner spätklassizistischen Fassade in das Visier des Landesamtes für Denkmalpflege in Bamberg-Seeshof geraten war.

Schützenswertes Denkmal

Und das schuf neue Fakten: Im April 2018 erklärte es das 1887 fertiggestellte Gebäude zum schützenswerten Denkmal: "Aufgrund seiner geschichtlichen und künstlerischen Bedeutung erfüllt das Objekt die Kriterien nach Art. 1 BayDSchG. Seine Erhaltung ist aus den das öffentliche bzw. allgemeine Interesse gesetzlich definierenden Bedeutungsarten erforderlich und damit im Interesse der Allgemeinheit", hieß es in dem einschlägigen Schreiben. Drei Monate hatte die Stadt Bad Kissingen jetzt Zeit sich dazu zu äußern. Was die Seeshofer damit meinten? Die verhältnismäßig schlichte, aber zeittypisch spätklassizistische Fassadengestaltung, die Wirkung des Gebäudes innerhalb des Ensembles der Von-der-Tann-Straße und die Ausgestaltung im inneren. Denn die Maler und Tünchermeister Karl Gayde senior und junior und der Maler Max Rossmann hatten vor allem die Gänge im Erdgeschoss mit farbenfrohen Fresken dekoriert. Ein Abriss und Neubau war damit ausgeschlossen.

Was für manches Projekt der gefürchtete Todesstoß durch die Denkmalschützer gewesen wäre, hat Waldemar Michaelis nicht allzu heftig irritiert, denn die Vorgaben der Behörde hielten sich im Rahmen. Und in den Fresken sieht er durchaus einen wirkungsvollen Mehrwert "Die wollen wir unbedingt erhalten." Im letzten Herbst reichte er bei der Stadt den Bauantrag ein. Die Genehmigung kam zwei Monate später. Anfang Dezember rückten die ersten Bauarbeiter an, um das Gebäude leer zu räumen und umbaufertig zu machen. Die auffälligste Maßnahme: der vollständige Abbau des Dachstuhls.

Ob Michaelis schon unliebsame, meist verzögernde Überraschungen erlebt hat? Das passiert ja gerne bei Denkmalbauten. Und auch die ehemalige "Villa Gayde" sieht nicht mehr so aus wie bei ihrer Einweihung. Dreimal wurde das Gebäude durch Erweiterungen und Aufstockungen verändert. Das bedeutet drei verschiedene Bauarten und Materialien. Aber auch hier bleibt der Bauherr gelassen: "Ich habe keine bösen Überraschungen erlebt, weil ich ohne Erwartungen an die Sache herangegangen bin."

Jetzt ist der Stand erreicht, an dem vor allem öffentliche Bauherren gerne Richtfest feiern. Der neue Dachstuhl ist fertig, wobei sich das zurzeit trüber, aber recht trockene Wetter wieder als Glücksfall erwies, denn es entstanden keine größeren Wasserschäden. Jetzt können die Dachdecker anrücken, um die Anlage nach oben wasserdicht zu machen. Und dann beginnt innen die Erneuerung. Fenster und Türen werden ausgetauscht, Fußböden und Wände ertüchtigt, sämtliche Ver- und Entsorgungsleitungen erneuert, "damit da erst einmal ein paar Jahre Ruhe ist." Und dann muss ein neuer Aufzug eingebaut werden. Der alte funktioniert zwar noch, aber er ist zu kurz: Er reicht nicht bis in den Keller und auch nicht hinauf bis in das künftig ausgebaute Dachgeschoss. Gleichzeitig, wenn die neuen Fenster drin sind, soll auch die Renovierung der Außenfassade in Angriff genommen werden. "Wenn alles nach Plan läuft und immer im richtigen Moment die richtigen Handwerker zur Verfügung stehen" - Waldemar Michaelis ist da optimistisch - "können die neuen Wohnungen in einem Jahr bezogen werden."

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