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Bad Kissingen
Gesellschaft

Coronavirus: Zwei neue Fälle und Verunsicherung

Was fällt aus, was findet statt? Im Landkreis gibt es die ersten Veranstaltungsabsagen. Unternehmer im Unterhaltungsbereich fürchten einen Domino-Effekt
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Der Frühjahrsmarkt in Hammelburg wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Archifoto: Winfried Ehling
Der Frühjahrsmarkt in Hammelburg wurde wegen des Coronavirus abgesagt. Archifoto: Winfried Ehling

Fall zwei und drei im Landkreis Bad Kissingen: Wie das Gesundheitsamt am Mittwoch mitteilte, haben sich zwei Männer mit dem Corona-Virus infiziert. Sie haben sich das Virus offensichtlich während eines Italienurlaubs zugezogen. Derweil geht im Landkreis die Verunsicherung um: Welche Veranstaltungen finden statt, welche werden gestrichen? Derzeit wird in vielen Behörden und Veranstaltungsagenturen von Tag zu Tag entschieden, abhängig davon, wie sich das Gesundheits- und das Landratsamt verhält.

Betroffene isoliert

Die Männer wurden nach dem Auftreten der Symptome von ihren Hausärzten positiv auf das Virus getestet. Sie haben sich seit der Ankunft im Landkreis isoliert, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Weil sie den Kontakt zu weiteren Menschen vermieden haben, sei der Kreis der Kontaktpersonen überschaubar.

Max-Herre-Auftritt fraglich

Am Donnerstag, 12. März, soll Max Herre im Max-Littmann-Saal im Regentenbau auftreten. Die Staatsbad GmbH hat entschieden, dass der Soul-Sänger seinen Fans sein neues Album "Athen" vorstellen darf. Sicher war diese Angabe vom Mittwochnachmittag am Mittwochabend nach der Sitzung des Stadtrats allerdings nicht mehr.

Ines Hartmann von der Staatsbad GmbH hatte am Mittwochnachmittag noch gesagt: "Der Max-Littmann-Saal kann so bestuhlt werden, dass weniger als 1000 Besucher hineinpassen." 1000, das ist derzeit die durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausgegebene Grenze bei Veranstaltungen. Liegt die Zahl der Gäste darüber, sollte die Veranstaltung abgesagt werden. Aktuell sollen alle Veranstaltungen der Staatsbad GmbH wie geplant stattfinden, da alle Spielorte weniger als 1000 Menschen beherbergen können.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler hat derweil staatliche Theater, Konzertsäle und Opernhäuser bis 19. April geschlossen. In Hammelburg wird der Frühjahrsmarkt,am 28. und 29. März abgesagt, "zum Schutz der Bevölkerung" wie es in einer Mitteilung der Stadt heißt. Aus dem gleichen Grund kippte der Rhön-Grabfelder Landrat Thomas Habermann den Frühlingsmarkt im Kloster Wechterswinkel am 14. und 15. März. Es trifft auch kleinere Veranstaltungen wie eine Frühlingsmärchenlesung im Buch-Café in Wildflecken, das wegen Corona bis 16. April geschlossen bleibt. Und auch der Rhönklub Burkardroth streicht seine Jahreshauptversammlung am Freitag, 13. März .

Kürzere Besuchszeit in Kliniken

Die Helios-Krankenhäuser in Bad Kissingen und Hammelburg stehen nach eigenen Angaben seit Wochen mit dem Gesundheitsamt im Austausch. Das Personal sei hinsichtlich eines Hygieneplans nach Richtlinien des Robert-Koch-Instituts eingewiesen. Darüber hinaus wurde der Pandemieplan angepasst und eine Isolierstation vorbereitet. "Wir sind für den Ernstfall gewappnet", sagt Dr. Peter Hermeling, Geschäftsführer der beiden Häuser. Gleichzeitig bittet die Klinik Angehörige und Freunde der Patienten, die Besuch so weit wie möglich zu reduzieren. Und wer sich krank fühlt, sollte auf Besuche ganz verzichten. Zusätzlich wird die Besuchszeit auf 14 bis 16 Uhr beschränkt.

Domino-Effekt befürchtet

Mike Klein gehört das Konzertbüro GIXX Music in Schweinfurt. Er veranstaltet oft Konzerte im Raum Bad Kissingen, jüngst auch das von Andreas Kümmert im Tattersaal. Für ihn ist die Entwicklung des Corona-Virus ein Katastrophe. "Die Planungen für große Konzerte beginnen schon ein Jahr vorher, Hallen müssen gemietet werden, die Werbung gemacht werden - da geht jeder in Vorkasse. Nur: Bei einer Pandemie springt keine Versicherung ein, es gibt keine Entschädigung." Er hofft darauf, dass die Hallenvermieter sich kulant zeigen. Klein hat zumindest jetzt noch Glück: Für ihn stehen erst im Herbst wieder große Konzerte mit US-amerikanischen Künstlern an. Doch er erinnert an den "Rattenschwanz", den Konzertabsagen nach sich ziehen: "Da hängen Technikfirmen dran, oder auch Cateringfirmen. Ich sage: Wegen dieses Dominoeffekts sind Pleiten programmiert."

Eine Pleite sieht Robert Brodesser, Chef von "1st dream events" mit Sitz in Münnerstadt und Bamberg zwar nicht, da die Firma mit Schwerpunkt auf der Vermietung für Eventbedarf dank einem Mix aus Businesskunden und Endkunden breit aufgestellt sei. "Aber wir merken Corona natürlich schon." Kunden würden sich mit Buchungen bis Mitte Juni zurückhalten. Bis dahin stehen für viele Kunden Sommerfeste oder Firmenjubiläen infrage, bei denen die Ballondekorationen oder Spaßgeräte der Firma gefragt gewesen wären. Auch er sieht den Domino-Effekt, erste Catering-Firmen haben offensichtlich schon Entscheidungen getroffen: "Mir wurde jetzt das Inventar von zwei Cateringfirmen angeboten." Die Branche sei der Überzeugung, dass die Veranstaltungen bis Ende des Jahres kleiner gehalten werden. Geht das ohne Arbeitsplatzabbau? "Bei uns? Ja."