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Bad Kissingen
Winterzauber

Charmant, lebensklug und leicht

Reinhardt Repke gastierte mit seinem "Club der toten Dichter" im Kurtheater.
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Reinhardt Repke,Cathrin Pfeifer, Markus Runzheimer und Kathatrina Franck im Kurtheater. Foto: Gerhild Ahnert
Reinhardt Repke,Cathrin Pfeifer, Markus Runzheimer und Kathatrina Franck im Kurtheater. Foto: Gerhild Ahnert
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Theodor Fontane hat es seinen Anhängern schwer gemacht, ihn zu feiern. Das "Fontane-Jahr" zu seinem 200. Geburtstag hatte das Problem, dass es eigentlich nie richtig begangen werden konnte. Denn der gelernte Apotheker und Dichter nutzte erst die vorletzte Gelegenheit des Jahres, um das Licht der Welt zu erblicken: Am 30. Dezember 1819 wurde er in Neuruppin geboren. Dass sein 200. Geburtstag punktgenau ausgerechnet im Kurtheater gefeiert wurde, darauf können die Kissinger ruhig ein bisschen stolz sein.

Die Erkenntnis, dass Fontane nicht nur der weitgehend bekannte "Wandervogel" und Dramatiker war, sondern auch ein fabelhafter Lyriker, verdanken wir einmal mehr dem Gitarristen, Komponisten und Arrangeur Reinhardt Repke, der mit seinem "Club der toten Dichter", seit einigen Jahren immer wieder erstaunliche Wiederbelebungen schafft. Jetzt hatte er sich, vermutlich nicht erst zu Beginn des Jubiläumsjahres, hingesetzt, hatte die Gedichte Fontanes gesichtet, eine höchst repräsentative Auswahl getroffen und diese Texte neu vertont. Und er hat sich Kollegen für die Umsetzung gesucht: die Sängerin Katharina Franck, die Akkordeonistin Cathrin Pfeifer und den Bassisten Markus Runzheimer, mit dem er schon oft zusammengearbeitet hat. Dass alle vier singen können, versteht sich von selbst.

Ein bisschen fehlgeleitet wurde man schon, als man den Zuschauerraum betrat - und zwar durch das Bühnenbild - oder, vielleicht passender: die Dekoration. In der Mitte der Bühne war ein Ständer mit einigen Wanderstöcken platziert, vom Schnürboden hingen vier kronleuchterartige Arrangements ebenfalls von Wanderstöcken herab. So dachte man natürlich an die Mark Brandenburg. Aber darum ging es an dem Abend überhaupt nicht, sondern um den Lyriker Fontane, dessen Gedichte allgemeingültig und nicht zu verorten sind (außer "Herr von Ribbeck" und "John Maynard") - und absolut begeisternd. Fontane war Realist, auch in seiner sehr persönlichen Dichtung. Das zeigte schon der Titel des Programms: "So und nicht anders" (auch der Titel eines Gedichts) oder der Aufruf zur Erkenntnis: "Man hat es oder hat es nicht". Die ausgewählten Texte sind, auch wenn das Wörtchen "ich" nicht auftaucht, immer auf den Autor bezogen, sind humorvoll, selbstironisch, charmant, lebensklug, manchmal auch ein bisschen altklug. Sie sind eine entwaffnende Kombination von Intelligenz und Humor.

Texte neu erlebt

Reinhardt Repkes Musik begegnet diesen Texten auf Augenhöhe, denn sie intensiviert sie, steigert in der Konfrontation die Aufmerksamkeit für das Wort, grundiert Stimmungen. Selbst Texte, die man kennt, hört man vielleicht nicht unbedingt neu, aber intensiver, klarer. Auch wenn die Musik gelegentlich heftig zur Sache geht, ist sie Kammermusik reinsten Wassers, fokussiert auf Details, die die Worte vorgeben oder die die Texte erst durch die Musik bekommen. Sie bietet nichts, womit sich die vier Musiker in den Vordergrund spielen und produzieren können, sondern versteht sich immer als Gesamtergebnis - auch wenn Reinhardt Repke natürlich schon aufgrund seiner Funktion herausragt.

Ein bisschen aus der Reihe fallen da die beiden Balladen "John Maynard" und "Herr von Ribbeck" schon wegen ihrer offen theatralischen Anlage. Repke hat diese geschickt aufgebrochen, indem er erstere in drei, letztere in zwei Songs unterteilt hat und so den dramatisch-emotionalen Gehalt steigern konnte, ohne ihn ausufern zu lassen.

Cathrin Pfeifer und Markus Runzheimer passten sich der zurückhaltenden kammermusikalischen Spielweise so gut an, dass man sie leicht hätte vergessen können. Man hätte sie aber sofort vermisst, hätten sie gefehlt. Sie spielten mit einer absolut kreativen, aber auch bestimmten Dezenz, die der Musik ihre Leichtigkeit erhielt. Und Katharina Franck erwies sich als Idealbesetzung für den Gesang. Sie kann flüsternd singen, sie kann Fontane rappen, sie kann auf "Rockröhre" Tina Turner machen, sie kann mit ihrer Stimme die Inhalte spielen und das Publikum gefangen nehmen. Das Lied "Auch ein Herzenstrost", das mit dem Satz beginnt: "Mein Freund, du frägst, warum ich singe?" Und die Antwort immer mehr präzisiert, wirkte, als hätte Fontane es für sie geschrieben.

Mehrere Zugaben

Dass es zu vier Zugaben kam, war nicht überraschend. Aber sie waren nicht nur für das Publikum, sondern auch für die vier Musiker selbst. Sie scheinen zu den Leuten zu gehören, denen das Programm wirklich großen Spaß macht.