Bad Kissingen
Kabarettherbst

Caveman begeistert das Publikum in Bad Kissingen

Das erfolgreichste Solo-Stück am Broadway brachte Martin Luding auf die Bühne des Kurtheaters.
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"Du sammeln, ich jagen", lautet das  Motto von Caveman. Klaus Werner
"Du sammeln, ich jagen", lautet das Motto von Caveman. Klaus Werner
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"Caveman - du sammeln, ich jagen" - unter diesem Titel brachte Martin Luding Tausende von Jahren "Mann-Frau-Beziehung" auf der Bühne des Kurtheaters. Hie und da ein wenig Selbsterkenntnis blieb da beim Publikum nicht aus.

Die typischen, mit Vorurteilen behafteten Geschlechterrollen, betrachtet im prähistorischen Kontext, stehen im Mittelpunkt dieses Ein-Personen-Stücks, das vom Amerikaner Rob Becker geschrieben und zum erfolgreichsten Solo-Stück am Broadway wurde. Dank der Regie von Ester Schweins und der Schauspielkunst verschiedener Darsteller avancierte die Geschichte des "Caveman" zur Kult-Comedy in Deutschland. Martin Luding, der bereits seit 2002 dieses Solo-Stück präsentiert, sprüht dabei vor Spielfreude, die ab der ersten Minute auf die 400 Gäste überspringt.

Die Aufarbeitung der Geschlechterrollen - an muss schon eher sagen des Geschlechterkampfs - erfolgt in den Personen von Heike und Tom, wobei Martin Luding nicht nur den Macho Tom spielt, sondern auch dem weiblichen Geschlecht in Form von Heike und ihren Freundinnen die 52 Prozent Bühnenpräsenz einräumt, die sie in der weltweiten Geschlechterverteilung auch haben.

Schweißtreibend ist dieses ständige Pendeln zwischen den Geschlechtern, dieser ständige Wechsel aus der Höhle des Caveman in die Neuzeit und zurück. Martin Luding spielt diese mehrdimensionale Rolle mit intensivem Körpereinsatz, ausgeprägter Mimik und sprachlich-rhetorischer Brillanz - kombiniert mit einer wandlungsfähigen, kraftvoll-warmen Tonlage. So war er auch in der Lage, dem grunzenden Neandertaler die passende Stimme zu verleihen.

Schon der Einstieg in diesen amüsanten, von ironischer Selbsterkenntnis geprägten Comedy-Abend überwindet die kleine Barriere zwischen Künstler und Besucher: Im Gewühl von Koffern und Werkzeugkasten steht er ausgesperrt auf der Straße und die Gäste werden zu Passanten, die jedoch seiner Aufforderung "Weitergehen! Es gibt nichts zu sehen." nicht folgen und am normalen Partnerschaftswahnsinn von Tom und Heike teilhaben (dürfen). Die Reise der Unterschiede beginnt er im Kindesalter und lässt längst Vergessenes wiederaufleben: Gummi-Twist für die Mädchen, Bonanza-Fahrrad für die Jungs. Über die Pubertät und die 80er-Jahre stolpert Martin Luding in die "Ehe als neue Lebensform".

Zum Teil gab es vorauseilende Lachanfälle. So wird das archaische Jagen und das behütende Sammeln auf das Einkaufsverhalten der Neuzeit übertragen: Männer sind zielorientiert und damit in der Lage, ein neues Hemd in zwei Minuten zu kaufen, Frauen haben als Sammlerinnen gelernt, Dinge zu erkennen, zu befühlen und letztendlich zu sammeln. Das ist auch der Grund, wieso sie eine Stunde brauchen, um irgendein beliebiges Objekt auch auszuwählen - seien es Schuhe oder Möbel Der Zuschauer erfährt im Sekundentakt, warum für Männer das Zappen im Sekundentakt schlichtweg Arbeit ist und Frauen sich ein "sauberes Badezimmer nach Hygieneverordnung" wünschen.

Mit Hilfe des sympathischen "Losers" Tom werden die vielschichtigen Ebenen einer Beziehung erkundet: wenn Männer nicht fragen, wenn sie sich verfahren haben, oder wenn "Komplimente als böse Falle" erkannt werden. Die Unterschiede gehen im Bett munter weiter, wo eigene Wünsche auf den Partner übertragen werden.

Was Mann und Frau schon immer vermutet haben, wissen sie dank Caveman nun aus erster Hand und fragen sich: "Warum betrachten wir Frauen und Männer nicht einfach als völlig unterschiedliche Kulturen? Mit verschiedenen Sprachen, verschiedenen Verhaltensweisen und verschiedener Herkunft?" Der Dank für diese Erkenntnis war der begeisterter Applaus eines bestens unterhaltenen Publikums.

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