Burkardroth
Bürgerversammlung

Burkardroth weist 50 neue Bauplätze aus

Vor über zehn Jahren entschied sich der Gemeinderat Burkardroth bereits für das Baugebiet "Brennofen" in Wollbach. Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht.
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Die Erschließung des Baugebiets "Brennofen" in Wollbach, Richtung Frauenroth, war Thema der Bürgerversammlung in Burkardroth. Hier sollen 50 neue Bauplätze entstehen..Kathrin Kupka-Hahn
Die Erschließung des Baugebiets "Brennofen" in Wollbach, Richtung Frauenroth, war Thema der Bürgerversammlung in Burkardroth. Hier sollen 50 neue Bauplätze entstehen..Kathrin Kupka-Hahn
Das Interesse am Thema überraschte die Verantwortlichen. So viele Bürger und vor allem Bürgerinnen waren schon lange nicht mehr in Burkardroth zur Bürgerversammlung ins Pfarrheim gekommen. Dabei hatte eigentlich niemand etwas gegen die Erschließung des Baugebiets "Brennofen" in Wollbach, Richtung Frauenroth. Dennoch wurde leidenschaftlich diskutiert, zum Teil sogar ohne Berücksichtigung der Gürtellinie.

Im Grunde genommen hätte das Thema längst Geschichte sein können. Denn schon 2006 hatte der Marktgemeinderat den Bebauungsplan rechtskräftig verabschiedet. Die Baumaschinen hätten anrücken können. Aber offenbar war das Interesse dann doch nicht so groß, und vor allem bestand das Problem, dass viele der Flächen in Privatbesitz waren. Das bedeutet, dass die Gemeinde keine Bauverpflichtung in die Kaufverträge schreiben kann, weil sie keinen rechtlichen Einfluss darauf nehmen kann. "Wir haben im Augenblick im Markt Burkardroth rund 200 derartige ungebaute Flächen", sagte Bürgermeister Waldemar Bug. Er könnte das eigentlich begrüßen, weil sie ihm bei der Vermeidung von Flächenversiegelungen in die Hände arbeiten. Aber andererseits ist die Amortisation der Erschließungskosten problematisch.

Seitdem ist viel Wasser, vor allem Regenwasser, nicht nur den Wollbach hinab, sondern auch durch die Keller der Wollbacher hindurchgeflossen. "Starkregenereignis" nennt das der Deutsche Wetterdienst leidenschaftslos, und davon gab es in den letzten Jahren einige. Aber es ist auch viel passiert seit 2006. Die Gemeinde konnte den Grunderwerb im "Brennofen" fast zum Abschluss bringen. Bug: "Wir haben im Augenblick 98 Prozent." Deshalb beschloss der Gemeinderat kürzlich, den Bebauungsplan wieder aus dem Aktenarchiv hervorzuholen und die Erschließung einzuleiten. Und da war als erstes das Abwasserproblem zu lösen.


Kellerflutungen vermeiden

Um künftig Kellerüberschwemmungen zu vermeiden, wird mit dem Trennkanalsystem gearbeitet. Die Haushaltsabwässer, auch Schmutz- oder Grauwasser genannt, werden durch den Abwasserkanal in Richtung Kläranlage geleitet. Sie werden von der Menge her das bestehende Leitungsnetz nicht an die Grenze seiner Kapazität bringen. Denn das Regenwasser, das nicht geklärt werden muss geht künftig eigene Wege: Die Dach- und Straßenentwässerung erfolgt über ein eigenes Kanalsystem. Das Wasser, das da, auch von den offenen Flächen zusammenkommt, wird über eigene Rohre hinunter zum Wollbach geleitet.

Nun sind aber diese Wassermengen - im Gegensatz zum Brauchwasser - nicht vorhersehbar. Aber es wäre andererseits unsinnig, ein so groß dimensioniertes Rohrsystem zu verlegen, das auch das größte Jahrhunderthochwasser aufnimmt. Deshalb sollen an den Rändern des Baugebiets Gräben angelegt werden, in denen sich das überschüssige Wasser - auch von den umliegenden Feldern - sammeln kann, um dann mit reduzierter Geschwindigkeit und kontrolliert in den Kanal weitergeleitet zu werden. Darüber hinaus will Bürgermeister Waldemar Bug eine weitere Regelung einführen: Jeder neue Bauherr muss auf seinem Grundstück - je nach Größe - eine Rückhaltekapazität von mindestens fünf Kubikmetern schaffen. Das ist nicht allzu viel, aber wirkungsvoll. Und man kann ja auch eine Gartenpumpe an dieser Kleinzisterne anschließen. Schließlich ist das Wasser, wie Bug nebenbei erläuterte, ja auch wieder teurer geworden: "Aber wir bewegen uns immer noch im mittleren Durchschnitt des Landkreises."

Im Moment sind die Ingenieure dabei, die Ermittlungen, wie stark die Kapazitäten der Kanäle überhaupt genutzt werden, und die Planung der Regenwasser-Rückhaltegräben zum Abschluss zu bringen. Laut Bug zeichnen sich da keine Probleme ab. Dann könnten eigentlich die Baumaschine zur Erschließung des Gebietes mit 50 Bauplätzen anrücken. Denn die Kanalanschlüsse für das Gebiet liegen unter dem Rasenweg bereits in Wartestellung.

Die Diskussion brachte zwar ein paar Zweifel, ob der Kanal unter dem Rasenweg mit dem zusätzlichen Schmutzwasser überhaupt fertig wird. Aber vor allem drehte sie sich um die Frage, warum trotz mehrerer Vorstöße der Anwohner seit 2006 nichts unternommen wurde, um auch ohne neues Baugebiet die Überschwemmungsproblematik in den Griff zu bekommen. Bug wollte sich da keine Untätigkeit vorwerfen lassen: "Bis vor einem Vierteljahr war unklar, ob der 'Brennofen' kommt. Es wäre, auch unter Kostengesichtspunkten, nicht sinnvoll gewesen, Maßnahmen zu ergreifen, die dann mit den Erfordernissen des Baugebietes kollidieren. Aber die Abhilfe wird allmählich konkret."
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