Nüdlingen

Bürgerentscheid zur Ortsumgehung: Bange Tage in Nüdlingen

In zwei Wochen steht der Bürgerentscheid zur Ortsumgehung an. Die Briefwahl läuft. Am Freitag veranstalten die Befürworter einen Infoabend.
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Bürgermeister Harald Hofmann zeigt ein Muster für den Stimmzettel zum Bürgerentscheid. B. Borst
Bürgermeister Harald Hofmann zeigt ein Muster für den Stimmzettel zum Bürgerentscheid. B. Borst

Die Ortsumgehung hat Ewald Kiesel schon beschäftigt, als er 1972 neu in den Gemeinderat gewählt wurde. "Ende der 1960er Jahre sprach man von 5000 Fahrzeugen, die auf der B287 durch den Ort fuhren", erzählt er. Heute sind es doppelt so viele und auch in Zukunft wird die Verkehrsbelastung nach Einschätzung des Staatlichen Bauamtes zunehmen. Kiesel setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass Nüdlingen vom Durchgangsverkehr entlastet und eine Umgehungsstraße gebaut wird. Früher als Gemeinderat, jetzt als stellvertretender Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Nüdlingen.

Langer Kampf für Umgehung

Für ihn, die übrigen Befürworter und die Anwohner sind es bange Tage bis zum 9. Februar. Dann stimmen die Nüdlinger in einem Bürgerentscheid darüber ab, ob der Gemeinderat der Planung des staatlichen Bauamts zustimmt. Sollte die Abstimmung gegen die Ortsumgehung ausfallen, käme das den Befürwortern einer Katastrophe gleich. "Nüdlingen ist der Ort an der B287 zwischen Hammelburg und Bad Neustadt, der am stärksten vom Verkehr belastet ist", sagt er.

Er denkt an die Anwohner, die dem Dreck und dem Lärm ausgesetzt sind. Feinstaub, Motorengeräusche und Abgase können nicht nur die Menschen krank machen, sondern setzen auch den Gebäuden zu. "Stellen Sie sich vor, Sie würden dort wohnen und könnten nicht einmal die Fenster aufmachen", sagt er. Er sieht die Häuser, die an der Hauptstraße leer stehen. Dass eine junge Familie freiwillig dort einzieht? Sicher nicht, meint Kiesel.

Der Ort sei dringend auf die Umgehungsstraße angewiesen, um wichtige Themen in Bezug auf die Innenortbelebung und Dorfentwicklung umzusetzen. Wenn die Straße nicht kommt, "passiert hier die nächsten 50 Jahre nichts mehr und der Verkehr nimmt weiter zu". Er bezweifelt, dass alternative Vorschläge wie Geschwindigkeitsbeschränkungen oder Lkw-Durchfahrtsverbote wirklich eine Entlastung bringen. Dass das Projekt 2016 im aktuellen Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wurde und das Staatliche Bauamt begonnen hat, zu planen, sei ein Erfolg gewesen.

Der Gemeinderat hatte schon 2016 beschlossen, die Bürger nach ihrer Meinung zur Ortsumgehung zu befragen, sobald das Bauamt seine Vorplanung vorgestellt hat. Beides erfolgte vergangenen Sommer. Bei der Befragung sprachen sich 55,3 Prozent der Nüdlinger gegen die Umgehungsstraße aus. Der Gemeinderat hingegen stimmte danach den Plänen mehrheitlich zu. Die BI Contra Umgehung initiierte daraufhin ein Bürgerbegehren und erwirkte den Bürgerentscheid.

Die Nüdlinger stimmen in zweieinhalb Wochen im Wortlaut darüber ab, ob sie dafür sind, "dass der Gemeinderatsbeschluss [...] aufgehoben wird und die Gemeinde Nüdlingen der vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt vorgestellten [...] Ortsumgehung [...] nicht zustimmt bzw. eine bereits erteilte Zustimmung zurücknimmt". Sprich: Gegner der Umgehung stimmen mit Ja, Befürworter mit Nein.

Hofmann wartet Entscheid ab

"Die Stimmung ist nicht gut im Ort", sagt Bürgermeister Harald Hofmann (CSU). Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern seien verhärtet. Er betont, dass beim Bürgerentscheid nicht direkt über die geplante Straße abgestimmt wird, sondern über den Gemeinderatsbeschluss. Die Zustimmung der Gemeinde zur Planung sei zwar wichtig, andererseits ist nicht Nüdlingen für Planung und Bau zuständig, sondern der Bund. Die Vorplanung des Staatlichen Bauamts werde aktuell vom Bundesverkehrsministerium geprüft. "Ich kann nicht sagen, wie es weitergeht, wenn die Gemeinde ihre Zustimmung zurückzieht", sagt er. Die Redaktion hat zu dem Thema beim Verkehrsministerium angefragt. Eine Antwort lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Die BI Contra Ortsumgehung organisiert vor dem Bürgerentscheid keine eigene Infoveranstaltung mehr. Wie Sprecher Marcus Lipsius mitteilt, soll aktuell ein neuer Infoflyer herausgegeben werden. Die BI schlägt zur Verkehrsentlastung eine Lärmsanierung der Ortsdurchfahrt kombiniert mit einem Lärmaktionsplan vor. Der angekündigte Arbeitskreis, der sich mit solchen Ideen befassen soll, werde sich sich erst nach dem Bürgerentscheid das erste Mal treffen.

Zum Bürgerentscheid

Information Die Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Nüdlingen veranstaltet am Freitag, 24. Januar, einen Infoabend zur Ortsumgehung im Pfarrsaal. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Bürgerentscheid 3249 Nüdlinger sind aufgerufen, am 9. Februar über den Gemeinderatsbeschluss vom 23. Juli zur Ortsumgehung abzustimmen. Die Briefwahl läuft seit einer Woche.

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