Alfred Jeurink hält das Bootswandern an der Saale für ein unverzichtbares Angebot des heimischen Tourismus. Am beliebtesten seien Tagestouren, wobei sich die meisten Gäste für mehrere Etappen entschieden. "Dabei machen viele auch etwas länger Station und kehren in Gaststätten ein", unterstrich der Vorsitzende des Vereins Tourismus Fränkisches Saaletal Hammelburg (TFSH) die wirtschaftliche Bedeutung.
Nicht nur die Gastronomen, auch alle anderen Bürger sollten freundlich und zuvorkommend zu den Touristen sein. Er wisse, dass es insbesondere unter den direkten Anliegern der Saale auch einige wenige gebe, die ein Problem mit Paddlern hätten und sie das auch wissen ließen. "Ich werde mit den Betreffenden ein Gespräch führen", kündigte Jeurink an.

Bevor es ins Boot gehe, würden die Touristen von den Verleihern eingewiesen, was sie an der Saale dürften und was nicht. Wenn eine Gruppe mit mehreren Kanus unterwegs sei, komme es natürlich mal vor, dass zwei Boote gegeneinander stoßen und es dann auch mal lauter werde. Das könne aber kein Grund sein, eine solche Gemeinschaft auseinander zu reißen.

Er wisse auch um die Bedenken der Naturschützer und Angler. Doch seien die Flüsse öffentliches Eigentum, zu denen der Zugang für alle Bürger erhalten bleiben sollte, wenn sich diese an bestimmte Regeln hielten. "Der Naturschutz ist kein Selbstzweck und dient letztlich dem Menschen", bekräftigte der TFSH-Vorsitzende. Unbestritten sei, dass in der Brutzeit Rücksicht genommen werden müsse auf die heimische Fauna. Doch darüber hinaus gewöhnten sich die Tiere auch einfach an den Menschen.

"Muscheln werden platt gemacht"

Hans-Peter Donislreiter, im Landratsamt zuständig für Fischereiwesen, hat indes den Eindruck, dass viele Paddler "nicht wissen, wie sie sich zu verhalten haben". Als Angler erlebe er immer wieder, wie Kanus über Wehre rauschen an Stellen, wo eigentlich das Umsetzen der Boote vorgeschrieben sei. "Auf den Steinen der Wehre sitzen oft Muscheln, die werden beim Überfahren platt gemacht", weiß Donislreiter. Und unterhalb der Wehre halte sich häufig die Forellenbrut auf.

Zudem habe er schon mehrfach gesehen, wie Kanuten in Bereiche mit Seerosen gefahren seien, um sich ein Exemplar mitzunehmen. "Wenn das jeder macht, kann das der Population schaden", so Donislreiter.
Für den Gasthof Nöth in Morlesau sind die Bootswanderer ein sehr wichtiges Standbein. "In einem guten Sommer machen wir 40 bis 50 Prozent des Umsatzes mit Gästen, die sich ein Kanu leihen, bei uns einkehren und übernachten", machte Elisabeth Spath deutlich. Doch hat der Bootstourismus nach ihrer Einschätzung in den vergangenen Jahren abgenommen.

Das hänge zum Beispiel mit den Reglementierungen zusammen. "Einige Gäste waren sogar schon der Meinung, dass die Saale gesperrt ist", berichtete die Gastronomin. Zudem seien die Gegner des Kanufahrens sehr einflussreich und machten Stimmung in der Öffentlichkeit. Dabei seien die Bootswanderer "zu 99 Prozent" ganz normale Leute, oft Familien mit Kindern. "Sie werden von uns eingewiesen, wissen die Natur auch zu schätzen und verhalten sich entsprechend rücksichtsvoll", betonte Elisabeth Spath.

"Kein Massentourismus"

Um die Gäste in die hiesige Region zu locken, müsse man ihnen einige Highlights bieten, und dazu gehörten neben Wandern und Radfahren eben auch Touren auf der Saale. "Dabei handelt es sich ja auch nicht um Massentourismus. Es geht um zwei bis drei Monate im Sommer, wobei das noch stark vom Wetter abhängig ist", so Spath.

Ulf Zeidler, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (BN), ist hingegen der Meinung, dass zu viele Paddler auf der Saale unterwegs sind. Hierdurch würden viele, zum Teil seltene Vögel gestört, wie zum Beispiel Eisvogel oder Wasseramsel. "Wenn der Eisvogel auf einem Ast sitzt und auf die Gelegenheit wartet, einen Fisch zu fangen, und alle zwei Minuten kommt ein Boot vorbei, dann wird das nichts", so Zeidler. Unter solchen Umständen könnten die Vögel keine Jungtiere aufziehen, weil diese schlicht verhungerten.

Bei schönem Wetter seien an einem Samstag 300 bis 400 Boote auf der Saale. Das beeinträchtige mittlerweile sogar weniger empfindliche Tiere wie Stockente und Blesshuhn, die sich neue, eigentliche ungeeignete Reviere suchten. Gestört würden zudem Fische, die ihren Laich im Kies der flachen Uferzonen ablegten.

Das Problem seien nicht die erfahrenen Kanuten, die sich ruhig und sicher durch die Saale bewegten. "Es sind eher die unerfahrenen Leute, die zum Beispiel einen Betriebsausflug unternehmen", betonte der BN-Kreisvorsitzende.

Der Kompromissvorschlag der Naturschützer laute, das Bootsfahren grundsätzlich erst ab 1. Juni zuzulassen. "Dann haben die Vögel wenigstens die Chance, eine Brut durchzubekommen. Eine zweite Brut im Juli, zum Beispiel des Eisvogels, würden wir dann opfern", sagt Zeidler. Soweit sei der Naturschutz bereit, den Interessen des Tourismus entgegenzukommen.