Aschach bei Bad Kissingen
Jubiläum

Böhmischer Wind wehte durch die Zehnthalle

Zum 150-jährigen Bestehen der Blaskapelle Aschach gab es über vier Stunden Unterhaltung mit viel Musik von den Jubilaren.
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Die Musiker mit ihrem Dirigenten Walter Borst musizieren beim Jubiläumskonzert in der Zehnthalle Aschach. Foto:Nathalie Flügel
Die Musiker mit ihrem Dirigenten Walter Borst musizieren beim Jubiläumskonzert in der Zehnthalle Aschach. Foto:Nathalie Flügel
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"Nur selten bestehen Blaskapellen über einen solch langen Zeitraum wie wir. Die meisten haben sich erst vor 50 bis 60 Jahren gegründet", sagte Dirigent Walter Borst am Samstag zum Jubiläumskonzert der Aschacher Blaskapelle die ihren 150. Geburtstag in der Zehnthalle feierte. Die Liebe zur Blasmusik und das musikalische Talent wurden Borst in die Wiege gelegt: "Mein Vater und Großvater waren schon Teil der Blaskapelle Aschach." Und diese Liebe hat er auch seinem Sohn, Thomas Borst (Tuba), der ebenfalls Mitglied ist, weitervererbt. Aktuell besteht die Blaskapelle aus 32 aktiven Musikern. Eloquent und unterhaltsam durch den Abend führten Dirigent Borst und der Musiker Florian Bauer (Flügelhorn / Trompete).

Bei gedimmtem Licht und (noch) verschlossenem Vorhang spielten die Musiker mit der Melodie der "Eurovisions" ihren musikalischen Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2019 an. Großer Applaus ertönte, als sich der Vorhang unter Trompetenklängen öffnete und sich die Musikanten auf der adventlich geschmückten Bühne ihren rund 180 Gästen präsentierten. Mit Michael Seuferts Werk "Grüß Gott" hießen Borst und die Aschacher Blasmusiker ihre Gäste willkommen.

Dirigent Borst stellte den Gästen die Geschichte und die Gründung der Blaskapelle Aschach vor. Im Jahr 1869 schrieb Martin, königlicher Brandinspektor und Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kissingen, an die Gemeindeverwaltung Aschach und ermahnte zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in dem Bad Bockleter Stadtteil. Dies wurde umgesetzt und kurz darauf ging aus der damals neugegründeten Feuerwehr die Musikkapelle Aschach hervor und fand ihren Beginn am 29. Oktober 1869. Im Jahr 1975 wurde für alle Bläser die einheitliche Tracht eingeführt; seit 2008 tragen die Musikerinnen ihre rot-schwarzen Dirndl und die Musiker ihre markanten roten Westen.

Walter Borst befindet sich aktuell im 14. Jahr als Dirigent der Bläservereinigung. Im Jahr 2006 wurde er zum Nachfolger von Georg Mahlmeister ernannt, der die Blaskapelle zuvor rund 40 Jahre dirigierte.

Der erste Teil der Veranstaltung war durch den musikalisch-klassischen Part gekennzeichnet, der zweite Teil durch die Fränkische- und zum großen Abschluss dann die beliebte Egerländer Blasmusik im musikalischen Mittelpunkt stehen .

Nach Borsts Moderation stimmte das Bläserensemble "Jubelklänge" von Ernst Uebel an. Es folgte Gioachino Rossinis "Ouvertüre Regina". Für "Csardas" wechselte Borst vom Dirigentenplatz zum Instrument. Mit einem überwältigenden Können und ausgeprägten Rhythmusgefühl spielte er die Noten des Vittorio Monti auf seiner Klarinette. Auch die bekannten Titel "Zigeunerbaron" (Johann Strauss), "Secont Walt" (Shostakovitch), "Von Freund zu Freund" (Martin Scharnagel), Fonser Polka (Florian Bauer, Mitglied Blaskapelle Aschach) und beispielsweise "Böhmische Liebe" (Mathias Rauch) erklangen im ersten Konzert-Teil.

Bürgermeister Andreas Sandwall sprach seinen Dank den Musikern der Aschacher Blaskapelle für ihre Präsenz und ihre Bereicherung im Dorfleben aus. Ihre Musik begleite ihn schon seit seiner Kindheit und er verbinde sie fest mit dem Geschehen, dem Leben und den Feierlichkeiten in Bad Bocklet. Anlässlich des 150. Geburtstages überreichte Sandwall dem Dirigenten ein Sach- sowie Geldpräsent der Gemeinde.

Das emotionale Highlight war für Walter Borst kein Lied, auch keine Melodie - es war Pauline, seine Enkelin. Das sechsjährige Mädchen betrat - passend zu den Musikerinnen - im Dirndl die Bühne und richtete einige aufrichtige Lobeshymnen an ihren geliebten Großvater, der sichtlich gerührt war. Pauline beendete ihre Darbietung mit einem "...Und jetzt ein Hoch auf 150 Jahre Aschacher Blasmusik und auf meinen Opa!" und erntete jede Menge Beifall.

Florian Bauer (seit 26 Jahren Teil der Bläserkapelle) gab Einblicke in die Hintergründe und in die Entstehung vieler bekannter Lieder der Blasmusik. Den zweiten Teil des Konzerts begannen die Musiker mit "Auf Adlers Schwingen" (Alexander Pfluger) und "Reh-Ragout" (Tradit).

Im Verlauf des Abends erfreute die Blaskapelle mit Werken wie "Emma auf Reisen", "Bodensee Polka" (Alexander Pfluger) oder auch "Slavonickà Polka" von Vladimir Fuka.

Eine "Mosch"- Runde initiierte den Beginn des 3. Parts. Ein Highlight war der Nummer 1 Hit des Jahres 1956 "Rauschende Birken" von Ernst Mosch. Gekonnt und sicher spielten die Musiker die Titel. Walter Borst und Florian Bauer übernahmen in korrekter Tonlage den Gesang zu den gespielten Werken, wie auch zu "Böhmischer Wind". In der ersten Reihe begeisterten Leni Sandwall, Gabi Schlereth und Isolde Weidmann an der Querflöte, sowie Ludwig Pratzka, Lisa Walkenhorst, Klara und Anna Weidmann jeweils an ihrer Klarinette. Bauer: "Der Künstler Ernst Mosch ist noch heute ein Vorbild für viele junge Musiker und Auslöser für sie ein Blasinstrument zu erlernen."

Nach vehementen Zugaberufen gab das Bläserensemble seinen Gästen Hits wie "Vogelwiese" zum Besten. Zum passenden Abschluss spielten Thomas Borst und Florian Bauer auf dem Akkordeon. "Guten Abend, gute Nacht" - dabei wurden sie instrumental durch die Bläsergruppe auch durch den Gesang des stehenden Publikums begleitet. Mit dem vierstündigen Jubiläumskonzert der Aschacher Blaskapelle gaben die Musiker unter der Leitung von Walter Borst einen eindrucksvollen und auch bewegenden Rückblick auf 15 Jahrzehnte Aschacher Musikgeschichte.

Zahlreiche Ehrungen ehemaliger und aktiver Musiker fanden zwischen den einzelnen Teilen statt (Bericht folgt).

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