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Bad Kissingen
Landtagswahl

Blick auf die Landtagswahl-Liste im Stimmkreis Bad Kissingen

In Bayern entscheidet die Summe aus Erst- und Zweitstimme über die Zusammensetzung des Landtags.
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Auch wenn sie so gut wie keine Chancen auf den Einzug in den Landtag hat, macht Barbara Stamm täglich Wahlkampf. Foto: Michael Czygan
Auch wenn sie so gut wie keine Chancen auf den Einzug in den Landtag hat, macht Barbara Stamm täglich Wahlkampf. Foto: Michael Czygan

Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) ist die prominenteste der 217 Kandidaten auf dem Wahlzettel im Stimmkreis Bad Kissingen für die Zweitstimme. 2013 holte sie mehr als 216 000 Stimmen, denn im bayerischen Wahlrecht ist auch die Zweitstimme eine Personen-Wahl - anders als bei der Bundestagswahl. Stamm dürfte auch heuer die meisten Stimmen in Unterfranken, vielleicht sogar bayernweit bekommen. Ihre Chancen, in den Landtag einzuziehen, sind trotzdem fast gleich null. "An solchen Rechenspielen beteilige ich mich nicht", kommentiert sie die Prognosen.

"Wir warten den Wahltag ab und ich arbeite für ein möglichst gutes Ergebnis für meine Partei und mich persönlich", sagt Barbara Stamm auf Anfrage dieser Zeitung. Seit 1978 zog sie immer über die Liste in den Landtag ein. "Ich wollte, dass beim Direktmandat unsere jüngeren Kolleginnen und Kollegen ihre Chance bekommen", ergänzt die 73-Jährige.

Dass sie jetzt kaum Chancen hat, liegt am Wahlrecht: Bei der Landtagswahl werden zunächst Erst- und Zweitstimmen zusammengezählt. Das Verhältnis der Stimmen in jedem der sieben Wahlkreise (identisch mit den Bezirken) entscheidet dann über die Verteilung der Mandate, allerdings sind die Direktkandidaten der zehn Stimmkreise gesetzt. Holt die CSU alle Direktkandidaten, müsste sie auf mehr als 55 Prozent kommen, damit zusätzlich Stamm über die Liste in den Landtag einzieht.

Probelauf für OB-Wahl?

Das scheint angesichts der aktuellen Umfrageergebnisse unmöglich. Die Querschüsse aus Berlin, die ihr die Chancen verhageln, kommentiert Stamm trotzdem nicht: "Drei Parteivorsitzende haben verhandelt und entschieden. Diese Verantwortung müssen sie auch für sich tragen", sagt Stamm.

Auf den insgesamt 15 Listen treten nur acht Kandidaten aus dem Landkreis Bad Kissingen an - die Direktkandidaten sind dabei in ihrem eigenen Stimmkreis nicht wählbar. Einer davon ist Steffen Hörtler auf der CSU-Liste. "Ich sehe das als meinen Beitrag, um die Demokratie zu stärken", kommentiert er seine aussichtslose Kandidatur. Deshalb sei er auch jeden Abend und oft noch unterm Tag unterwegs. "So ein Wahlkampf ist wie eine Kur, besser kommt man mit Menschen nicht ins Gespräch." Ist ein Probelauf für die Kommunalwahl, vielleicht sogar für eine Kandidatur zur OB-Wahl? "Die Vorsitzenden der vier Bad Kissinger CSU-Ortsverbände sind mit Nachdruck dabei, einen guten OB-Kandidaten zu finden", weicht Hörtler einer eindeutigen Antwort aus.

Nur zwei Plätze für die Grünen

Als zweite auf dem großen Wahlzettel aus dem Landkreis folgt Grünen-Kandidatin Petra Winter aus Bad Kissingen: "Mir ist wichtig, grüne Themen voranzubringen, und das ist nicht nur Umwelt", sagt die selbstständige Dolmetscherin. Auch die Verkehrswende im ländlichen Raum vertrete sie bei Veranstaltungen und an Info-Ständen. Auch wenn sich die Grünen bei Umfragen im Aufwind befinden, ist Winter klar, dass ihre Chancen gleich null sind, in den Landtag zu kommen. 2013 zogen für Grüne und Freie Wähler je zwei und für die SPD vier Kandidaten aus Unterfranken in den Landtag ein.

"Ich trete für meine Überzeugungen ein, so gut es geht", begründet Patrik Dorsch aus Hammelburg seine Kandidatur auf der ödp-Liste. Der 33-Jährige schied 2016 nach gut 13 Jahren als Soldat bei der Bundeswehr aus. Seitdem habe sich auch sein Weltbild geändert. "Früher dachte ich, dass wir als Industrienation unsere Industrie schützen müssen", sagt Dorsch. Die Informationen über Ausbeutung in aller Welt habe ihn aber auf die ödp gebracht, weil sie konsequent keine Konzernspenden annehme und deshalb unabhängig Politik mache.

Auffällig ist, dass einige der acht Listen-Kandidaten aus dem Landkreis schwer erreichbar sind, nicht im Telefonbuch stehen oder eine Stellungnahme zu ihrer Kandidatur ganz ablehnen.

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