Bad Kissingen
Endspurt

Bis zum 31. März ist alles weg

Auch das ehemalige Kurgastzentrum in Bad Kissingen ist schon zum größten Teil abgerissen Derzeit werden das Schwimmbad und der Saunabereich dem Erdboden gleich gemacht.
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Florian Bock beaufsichtigt die Abbrucharbeiten am ehemaligen Schwimmbecken des Kurgastzentrums. Foto: Thomas Mäuser
Florian Bock beaufsichtigt die Abbrucharbeiten am ehemaligen Schwimmbecken des Kurgastzentrums. Foto: Thomas Mäuser
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Der Abriss des Kurgastzentrums geht in die Zielgerade. "Ende März sind wir fertig, inklusive der Bauschutt-Abfuhr", sagt Florian Bock, Geschäftsführer des Abbruchunternehmens Bock und Söhne. Letzte größere Etappe ist das ehemalige Schwimmbad des Kurhaushotels samt Saunabereich.

Das Schwimmbecken lässt sich nur noch erahnen. Statt Wasser liegt Bauschutt dort, wo ehedem die Gäste ihre Bahnen zogen. Unten bewegen sich die Bagger, einer knabbert gerade an der Außenwand des ehemaligen Schwimmbades.


Besondere Bedingungen

"Es war eine besondere Baustelle", ziehen Florian Bock und Christian Baumann ein erstes Resümee. Baumann ist Bauleiter für die Immobilien Freistaat Bayern (Imby). "Es war von den Anforderungen her maximal", sagt er. Unter anderem wegen der Bedingungen, die das Wasserwirtschaftsamt in Sachen Heilquellenschutz stellte. So galt es, größere Erschütterungen zu vermeiden, um den benachbarten Maxbrunnen nicht zu schädigen. Alle Maschinen müssen mit biologisch abbaubaren Ölen laufen, es dürfen keine Schadstoffe ins Grundwasser gelangen.

Auch die direkt benachbarte, zum Teil denkmalgeschützte Bebauung nachte und macht die Abbrucharbeiten nicht einfacher. Gleiches gilt für die Abstützung der Tiefgarage.

Über deren Dach rattert gerade ein 48 Tonnen schwerer Bagger. Und das, obwohl das Dach gerade einmal für eine Belastung von einer halben Tonne konstruiert wurde. "Deswegen der Stützen-Wald in der Garage, und das über zwei Geschosse", sagt Peter Wolf.

Der Bad Kissinger Statiker hat ein großes Plus im Ärmel: Die Statik-Pläne aus der Bauzeit des Kurgastzentrums Anfang der 1970er Jahre. Sein Vater Kurt Wolf hat sie damals gefertigt. Das macht vieles einfacher, obwohl sich Peter Wolf sogar von der Regierung fragen lassen musste, was denn ein Statiker auf einer Abriss-Baustelle zu suchen habe.


Statisch anspruchsvoll

"Das ehemalige Steigenberger war von seiner Struktur her noch relativ einfach abzubrechen, aber die neueren Bauten hatten es in sich", begründet Glatt die Notwendigkeit, einen Statiker hinzuzuziehen. Da gab es keine stabilisierenden Querwände, die Decken hingen am Treppenhaus oder an speziellen Stützen. "Wird zuerst an einer falschen Stelle gearbeitet, verdreht sich alles und stürzt wie ein Kartenhaus zusammen", sagt Peter Glatt
Ob die statischen Berechnungen in Ordnung gehen, davon überzeugt sich Gerhard Eckmann, ein Mitarbeiter des Prüfingenieurs. Er schaut sich die Metallstützen in der Tiefgarage an, zeigt auf die Riesen-Sandsäcke, die in der Garage lagern: "Damit die Garage bei Hochwasser nicht aufschwimmt, wenn das Gewicht des einst darüberstehenden Gebäudes fehlt."

Wenn Ende März die Abbruchfirma abzieht, dann hinterlässt sie eine bemerkenswerte Statistik. Insgesamt werden dann 12000 Tonnen an Beton und Ziegeln abgefahren sein. Des weiteren kommen rund 400 Tonnen Schrott zusammen, der recyclet wird. Auch 300 bis 400 Tonnen Altholz und 299 Tonnen Baustellenabfälle wie Kunstoffe und Teppiche gehören dazu. Und die rund 120 Tonnen gefährlicher Abfälle, zum Beispiel die Fassadenplatten aus Asbest-Zement und die Isolierungen aus Metallwolle. All diese Schadstoffe landen auf einer Sondermülldeponie.


Vergleich mit Bad Reichenhall

Interessant war für Bauingenieur Christian Baumann der Abriss des Kurhaushotels und des Kurgastzentrums übrigens auch deswegen, weil er sein Büro in einem anderen bayerischen Staatsbad hat, in Bad Reichenhall. "Die Probleme der Staatsbäder sind vergleichbar", sagt Baumann, "ich sehe das als normale Veränderung der Zeit." Und: Bad Reichenhall hat auch kein Steigenberger mehr. Allerdings wurde das renommierte 5-Sterne-Hotel Axelmannstein nicht abgebrochen. Es gehört heute Wyndham Grand, "und es läuft sehr gut", versichert Baumann.

Stolz sind Bauleute, dass die Arbeiten so gelaufen sind wie geplant, es keine Unfälle gegeben hat. "Und ich denke, wir haben es ohne große Beeintächtigungen für die Anlieger hingekriegt", sagt Florian Bock.
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