Bad Kissingen
Weltkulturerbe

Bis März fällt wichtige Entscheidung

Im ersten Quartal 2016 entscheidet die internationale Steuerungsgruppe, welche Städte sich in welcher Abfolge bei der Unesco als "Great Spas of Europe" bewerben. Vergleichbare Vorbilder scheint es bislang nicht zu geben.
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Im September haben sich die Kreisräte unter anderem in Karlsbad über die gemeinsame Bewerbung für die Unesco-Weltkulturerbe-Liste informiert. Oberbürgermeister Kay Blankenburg stellte in der jüngsten Stadtratssitzung nun den weiteren Fahrplan vor. Foto: Ralf Ruppert/Archiv
Im September haben sich die Kreisräte unter anderem in Karlsbad über die gemeinsame Bewerbung für die Unesco-Weltkulturerbe-Liste informiert. Oberbürgermeister Kay Blankenburg stellte in der jüngsten Stadtratssitzung nun den weiteren Fahrplan vor. Foto: Ralf Ruppert/Archiv
Einen Sachstand zur Bewerbung der Stadt Bad Kissingen um die Aufnahme in die Unesco-Weltkulturerbeliste gab Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) in der jüngsten Stadratssitzung. "Im ersten Quartal 2016 fällt die Entscheidung, wer auf der Liste stehen wird", kündigte der OB an. Dabei gebe es zwei Varianten: Denkbar sei zum einen, dass sich zunächst eine kleinere Kerngruppe bewirbt, und in einer zweiten Welle weitere Kurorte nachziehen. Hier müsse dann entschieden werden, in welcher Gruppe Bad Kissingen dabei sein wird. In einer anderen Veriante bewerben sich alle gleichzeitig, allerdings stehe die endgültige Zahl noch nicht fest.


16 Bäder aus sieben Staaten

16 Bäder aus sieben Staaten sind aktuell im Verfahren (siehe Info-Kasten). "Es kommen vorerst keine weiteren dazu", sagte Blankenburg über die Arbeitsstruktur. Allerdings laufe aktuell eine Studie, die auch andere Kurbäder einbeziehe. Es könne also durchaus auch sein, dass sich am Ende mehr als 16 Städte bei der Unesco bewerben. Auf der anderen Seite könnten Partner auch vorher aussortiert werden. Blankenburg selbst sprach sich jedoch dafür aus, sich mit den aktuell 16 Städten zu bewerben. "Wir sollten alle 16 einreichen, und die Unesco entscheiden lassen."
Blankenburg stellte auch die Organisationsstruktur der internationalen Bewerbung vor (siehe unten). Daneben haben die sechs deutschen Städte eine eigene Bewerbergruppe gebildet und jede Stadt hat ihr eigenes Regionalmanagement. Bad Kissingen hat für die Bewerbung insgesamt 247 000 Euro bereit gestellt. Das deckt die Jahre 2013 bis 2016 ab. "Ich hoffe, dass wir dann ab 2017 noch mehr Geld brauchen", sagte Blankenburg im Hinblick auf eine hoffentlich erfolgreiche Bewerbung. Bislang haben sich Landkreis und Bezirk bereits mit jeweils 25 000 Euro beteiligt. Der Bad Kissinger Oberbürgermeister erhofft sich für das weitere Verfahren zusätzliche Unterstützung aus München.
Die Unesco-Bewerbung ist "seriell" und "international", erläuterte Blankenburg. "Am Ende wird das eine Bewerbung der tschechischen Republik sein, die sind Chef im Ring", stellt er klar. Auch der Impuls für die Erweiterung der Bewerber-Gruppe in den vergangenen Jahren sei aus Tschechien gekommen, berichtete Blankenburg. "Die Erweiterung erfolgte nicht auf unser Betreiben hin." Blankenburg vertritt aber die Meinung, dass die Länge der Liste nicht entscheidend sei: "Aus meiner Sicht ist die Zahl der Bewerber weniger wichtig, sondern die Substanz der Bewerbung."


Keine vergleichbare Bewerbung

"Seriell" weise auf das gemeinsame Thema hin. "Es gibt bereits serielle und transnationale Bewerbungen, aber keine ist wirklich vergleichbar", informierte Blankenburg im Stadtrat. Als Beispiel nannte er den Limes, der sich schon alleine durch seine Länge definiere. "Bei uns geht es auch darum, welche Stadt welchen Beitrag zur gesamten Bewerbung leistet", zog der Oberbürgermeister den Vergleich zu den "Great Spas of Europe". Jede Stadt steuere also unterschiedliche Aspekte bei, von der Präsenz des Hochadels über die historischen Einrichtungen vor Ort bis zu den Heilmitteln. "Die Experten müssen am Ende sagen, wie alle Phänomene am besten abgebildet werden", sagte Blankenburg.
"Das ist ein langjähriger Prozess", ging Blankenburg auf die Historie der Bewerbung ein. Wichtiger Motor für Bad Kissingen ist dabei Kulturreferent Peter Weidisch: Er besuchte die internationale Fachtagung "Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts" im November 2010 in Baden-Baden, bei der erste Gespräche geführt wurden. Im Februar 2011 besuchte eine Delegation mit Dr. Brigitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt Bad Kissingen. Von ihr kam ebenso die Empfehlung, dass sich Bad Kissingen bewerben soll, wie vom damaligen Oberbürgermeister von Baden-Baden, berichtete Blankenburg. Es folgten jede Menge Besuche und Arbeitstreffen.


Endgültiger Antrag erst 2017

Im Januar 2013 sprach sich der Stadtrat offiziell für die Bewerbung aus. Zunächst waren aus Deutschland nur Baden-Baden, Bad Kissingen und Wiesbaden beteiligt. Bad Pyrmont, Bad Homburg und Bad Ems kamen im Lauf des Jahres 2013 dazu.
Wie geht es weiter? Im Februar 2016 treffen sich alle Bürgermeister in Bad Pyrmont. Bis Ende März wird dann die internationale Steuerungsgruppe die endgültige Bewerberliste festlegen. Im Herbst 2016 soll der Vorantrag, 2017 der entscheidende Hauptantrag bei der Unesco eingereicht werden. Danach liegt die Entscheidung bei der Unesco.

Bewerber Um die Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste bewerben sich 16 Kurorte aus sieben Ländern: Aus Deutschland sind das Bad Kissingen, Baden-Baden, Wiesbaden, Bad Ems, Bad Homburg und Bad Pyrmont, aus Tschechien Karlsbad, Marienbad, Franzensbad und Luhacovice, aus Österreich Bad Ischl und Baden bei Wien, aus Italien Montecatini Terme, aus Frankreich Vichy, aus England Bath und aus Belgien Spa.
Struktur In der internationalen Steuerungsgruppe sitzt je ein Vertreter der sieben beteiligten Staaten, in die internationale Arbeitsgruppe sind Sachverständige der Staaten berufen. Dagegen sind in der Bürgermeister-Steuerungs- und der internationalen Experten-Gruppe jeweils alle 16 Städte vertreten. Koordiniert wird alles von Paul Simons aus Bath, auch weil der englische Kurort bereits einzeln Weltkulturerbe ist.
Verlauf Ausgangspunkt für die Bewerbung war eine internationale Fachtagung 2010 in Baden-Baden. Weitere wichtige Etappenziele für Bad Kissingen: 2012 schlossen sich die ersten elf Städte offiziell zusammen, 2013 nahm die Kultusministerkonferenz der Länder Bad Kissingen in die Deutsche Unesco-Vorschlagsliste auf und 2014 schaffte es die Bewerbergruppe auf die Vorschlagsliste der Unesco in Paris.
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