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Bad Kissingen
Gemeinsam

Bestens aufeinander eingesungen

Das Konzert der Katholischen Kantorei Bad Kissingen und des Münsterchors Herford trug dem Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation" Rechnung.
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Die Solisten des Konzerts (von links):  Walter Hartmann, Stefanie Rhaue, Siyabonga Maqungo und  Ruth Gerhard-Liebscher. Foto: Gerhild Ahnert
Die Solisten des Konzerts (von links): Walter Hartmann, Stefanie Rhaue, Siyabonga Maqungo und Ruth Gerhard-Liebscher. Foto: Gerhild Ahnert
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Es ist im Laufe der Jahre eine sehr gute Freundschaft geworden. Vor zehn Jahren trafen sich die Katholische Kantorei Bad Kissingen und der Münsterchor Herford zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Konzert mit zwei Aufführungen in Herford und Bad Kissingen - sozusagen als Chorausflug. Initiatoren waren die beiden Kantoren: Burkhard Ascherl auf Bad Kissinger Seite und Stefan Kagl als Herforder Münsterkantor. Geistliche würden eine solche Zusammenarbeit als ökumenisch feiern. Musiker ziehen da keine so deutlichen Abgrenzungen. Sie sehen vielleicht in den Texten, aber nicht in der Musik die Konfession.

So war es jetzt auch bei dem 2017er Projekt, der sechsten Zusammenarbeit der beiden Chöre. Bisher waren es immer abendfüllende, große Chor- und Orchesterwerke, etwa von Edward Elgar, gewesen, die zur Aufführung kamen - schon alleine deshalb, weil die beiden Kantoren da über einen ausreichend großen Chor verfügten, der solche Aufführungen erst ermöglichte. Jetzt war das Programm zum ersten Mal kleinteiliger, und es trug dem Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation" Rechnung. Die protestantische Seite vertraten Otto Nicolai mit seiner Kirchlichen Festouvertüre über "Ein feste Burg" op. 31 und die die Reformationssinfonie (Nr. 5) op. 105 von Felix Mendelssohn-Bartholdy, allerdings in der Vokalfassung für Soli, Chor und Orchester von Thorsten Sterzik. Das katholische Gegen- und Schwergewicht lieferte Anton Bruckners "Te Deum" C-dur für Soli, Chor und Orchester. Die konfessionelle Ausgewogenheit war gegeben.


Es war höchst verdienstvoll, die Ouvertüre von Nicolai zu bringen, denn der hat ja nicht nur "Die lustigen Weiber von Windsor" geschrieben, und seine weiteren Werke sind bisher weitgehend unbekannt geblieben. Aber es wurde dadurch auch deutlich, warum das so sein könnte. Diese Version des "Ein feste Burg" ist sicher eine Musik, die Chöre gerne singen und Instrumentalisten sicher auch nicht ungerne spielen. Aber für den Zuhörer ist sie nicht sonderlich spannend. Gerade weil sie so klar gesungen und musiziert war, wurde deutlich, dass sie nicht besonders raffiniert ist, dass sie in ihrer Dreiteiligkeit ein bisschen schulmäßig geraten, dass formale und harmonische Überraschungen ausbleiben.


Ausgezeichnete Artikulation

Aber etwas anderes wurde deutlich. Die beiden Chöre sind bestens aufeinander eingesungen und miteinander verschmolzen - nach zehn Jahren kennt man sich halt. Der Gesamtchor ist sehr engagiert, sehr präsent und pflegt eine ausgezeichnete Artikulation, nicht nur bei den deutschen Texten. Und wenn man bedenkt, dass bei solchen Konzerten weder für die beiden Chöre noch für den Zusammenbau mit dem Orchester nicht allzu viel Zeit zur Verfügung steht, dann waren die Ergebnisse im Großen Saal wirklich gut.


Routine ausgespielt


Die Thüringen Philharmonie Gotha konnte ihre Routine ausspielen - manchmal ein kleines bisschen zu sehr. Was man sich manchmal gewünscht hätte, wären noch ein paar mehr Streicher gewesen, die von den Bläsern mitunter in den dynamischen Schatten gestellt wurden. Dann hätte Burkhard Ascherl die starken Crescendi, die er dirigierte, auch wirkungsvoller bekommen.

Man muss aber auch sagen, dass Mendelssohns Reformationssinfonie in der Herford-Kissingen-Gotha-Fassung um einiges interessanter und spannender war als im Sommer mit dem Württembergischen Kammerorchester. Das lag nicht nur daran, dass Burkhard Ascherl die pittoreske Eleganz, aber auch die Wucht des Bekenntnisses dieser Musik sehr gut herausholte. Sondern auch daran, dass sie in dem dritten und vierten Satz vertextet war. Im Andante sangen Ruth Gerhard-Liebscher (Sopran) und Siyabonga Maqungo (Tenor) klar und unverstellt "Gott, unser Herr, ist unsre Zuversicht" aus dem 46. Psalm, im Finale schmetterte der Chor "Ein feste Burg". Dadurch, dass das Lied nicht nur als Thema zitiert wurde, sondern mit dem Text, wurde der Satz als Glaubensbekenntnis überzeugender. Und man hatte den Eindruck, dass Thorsten Sterzik nur etwas nachgeholt hatte, das Mendelssohn ganz einfach vergessen hatte.


Sopran viel abverlangt

Den Eindruck der Leichtigkeit aus Glaubenszuversicht hatte man bei Bruckner nicht. Respekt, dass die beiden Chöre das C-Dur-Te-Deum ausgewählt hatten, denn da wird ihnen, insbesondere den Sopranen, viel abverlangt. "Mahler hat Gott gesucht, Bruckner hat ihn gefunden", meinte Papst Benedikt XVI. Aber der Weg zu ihm muss ein ziemlicher Leidensweg für den enorm schüchternen und immer wieder verunsicherten Komponisten gewesen sein - obwohl er sich hier eigentlich sicher war. Sperrig ist dieser Weg geworden, voller rhythmischer und harmonischer Überraschungen, eine permanente Auseinandersetzung zwischen dem oft homophon geführten, dadurch aber auch durchsetzungsfähigen Chor und einem enorm komplexen Orchestersatz. Und dazwischen die subtilen Beiträge des Solistenquartetts, jetzt erweitert mit Stefanie Rhaue (Alt) und Walter Hartmann (Bass). Selten ist Anton Bruckner, der Komponist, so deutlich hinter seinem Werk hervorgetreten wie in dieser jeder Glättung abholden Aufführung, die lange nachwirkt.

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