Bad Kissingen
Nachgefragt

Beschwerden über Disteln im Garitzer Friedhof werden endlich erhört

Viele Garitzer kritisieren die mangelnde Pflege rund um die Gräber. Die Stadt hat versucht, die Mäharbeiten vorzuziehen, aber die beauftragte Firma ist voll ausgelastet. Am Montag ging's nun endlich los.
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Vorarbeiter Florian Link mäht am Montag  eine Wiese auf dem Garitzer Friedhof. Foto: Ralf Ruppert
Vorarbeiter Florian Link mäht am Montag eine Wiese auf dem Garitzer Friedhof. Foto: Ralf Ruppert
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Jeden zweiten Tag besucht Rainer Biegner den Garitzer Friedhof. "Ganz Garitz schämt sich für seinen Friedhof", berichtet er von Gesprächen mit anderen Besuchern. Der Ort, an dem die Angehörigen ihre letzte Ruhe finden, sei eine Schande: "Jedes Feld sieht besser aus als der Garitzer Friedhof." Im vergangenen Jahr sei es bereits "schlimm" gewesen, heuer bezeichnet er den Zustand als "fürchterlich". "Als Bad Kissinger Bürger muss man sich für seine Stadt schämen", sagt Rainer Biegner.

Selbst zur Sense gegriffen

Bis zu 1,30 Meter hoch wachsen die Ackerkrautdisteln auf aufgelassenen Grabstellen und hinter der Urnenwand. Damit überragen sie sogar viele Grabsteine. Küster Herbert Reichert, dessen Eltern auf dem Garitzer Friedhof beerdigt sind, griff schon selbst zur Sense: Die Parzelle neben dem Familiengrab ist aufgelassen, wuchert zu. Inzwischen reichen die Distelwurzeln bis in die Reichertsche Grabstelle, "wo man ihnen dann beim Wachsen zusehen kann, so schnell geht das", sagt der Garitzer Küster leicht verärgert.

Seinen Unmut haben er und auch andere schon am Dreifaltigkeitssonntag, dem Sonntag nach Pfingsten, kundgetan, als Pfarrer Edwin Ziegler die Garitzer Gräber segnete. Am 23. Juni ging eine Anfrage bei der Stadt ein, in der auf den schlechten Zustand des Garitzer Friedhofes hingewiesen wurde. Auch Rainer Biegner rief bei der Stadt an und beschwerte sich. Bereits Ende Juni sei versichert worden, dass die Firma bald kommt, tatsächlich hat es aber bis zum 8. Juli gedauert.

"Wir haben uns sofort drum gekümmert, die Hinweise aus der Bevölkerung waren ja auch richtig", sagt Rathaus-Sprecher Thomas Hack. Wegen des besonders guten "Wachstumswetters" in diesem Jahr sei aber überall der Bedarf groß: "Der Friedhof wurde im Mai das letzte Mal gepflegt, eigentlich sind wir jetzt noch in der Zeit, aber vier Wochen sind eine lange Zeit, wenn es regnet und warm ist", bittet Hack um Verständnis. Um Personal beim Servicebetrieb einzusparen, habe die Stadt schon vor Jahren entschieden, die Pflege von Friedhöfen, Spielplätzen und anderen Grünflächen zu vergeben. Die Stadt kontrolliere aber regelmäßig.

Arnshausen vorher an der Reihe

"Wir können uns nicht zerteilen", begründet Vorarbeiter Florian Link, weshalb er und seine beiden Kollegen von der Bamberger Firma "Grünwert" erst jetzt kommen. In der vergangenen Woche hätten sie noch den Friedhof in Arnshausen gepflegt. "Da oben ist alles tiptop, die Leute haben uns gelobt", erzählt er.

Für den Garitzer Friedhof seien nur drei Pflegegänge vorgesehen, das heißt: Drei Mal im Jahr wird gemäht, werden Hecken geschnitten und Unkraut gestochen. Um die Gräber herum werde zusätzlich noch drei Mal gemäht. Für alles gebe es bestimmte Zeitfenster, auf den Tag genau lasse sich das nicht bestimmen, denn: "Wir kriegen auch keine Leute bei, und das was wir zu dritt machen, haben früher acht Leute von der Stadt gemacht." Vielen Friedhofsbesuchern kommt es weniger auf das Mähen der großen, noch unbelegten Wiesen an, sondern auf die Pflege sowie den Rückschnitt von Gras und Wildkräutern auf den aufgelassenen Gräbern. Außerdem breitet sich auf den gekiesten Wegen Gras aus, Hecken, die die Stadt angelegt hat, wachsen über die Gräber. Ob er und seine Kollegen die aktuell blühende Distelhecke rund um die Urnenwand in den Griff bekommen, bezweifelt selbst Vorarbeiter Florian Link. "Die müssen wir alle mit der Handausstechen", berichtet er, allerdings seien drei Pflegegänge im Jahr vermutlich zu wenig, um das Unkraut zu vernichten.

Der Anblick am Dreifaltigkeitssonntag muss jedenfalls so schlimm gewesen sein, dass eine auswärtige Besucherin gar laut über eine Umbettung ihres Angehörigen aus der Urnenwand nachdachte. Laut Rathaus-Sprecher Thomas Hack sei bislang jedoch noch kein entsprechender Antrag bei der Stadt eingegangen.

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