Hammelburg
Appell

Bei Vladimir läuft alles rund

Die Agentur für Arbeit wirbt am Tag des Ausbildungsplatzes dafür, junge Leute mit ausländischen Wurzeln einzustellen. Noch gibt es bei einigen Chefs Vorbehalte.
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Der 16-jährige Vladimir Berngardt absolviert im Hammelburger Opel-Autohaus Graf eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Er kam im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie aus Russland nach Deutschland.  Foto: Markus Reeh
Der 16-jährige Vladimir Berngardt absolviert im Hammelburger Opel-Autohaus Graf eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Er kam im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie aus Russland nach Deutschland. Foto: Markus Reeh
Vladimir Berngardt hat sich schon immer für Autos interessiert Nun hat er seinen Wunschberuf gefunden. "Es macht mir viel Spaß", bestätigt der 16-jährige Hammelburgr. Seit September wird er im Autohaus Graf zum Kfz-Mechatroniker ausgebildet.

Im Alter von sechs Jahren ist Vladimir mit seiner Familie von Russland nach Deutschland übergesiedelt. Nur ein halbes Jahr hatte er Zeit, um die Sprache zu lernen, bevor es dann in die Grundschule ging.
Während seiner Zeit in der Mittelschule absolvierte er dann Praktika in dem Hammelburger Autohaus - und fand Gefallen an der Arbeit.

Gute Erfahrungen gemacht

Siegfried Herfurth, Inhaber des Opel-Autohauses Graf, ist voll des Lobes für seinen Azubi. "Es ist toll, wenn man sieht, wie motiviert junge Leute anpacken", unterstreicht Herfurth. Er hat in den vergangenen Jahren schon einige Jugendliche mit ausländischen Wurzeln eingestellt und durchweg gute Erfahrungen gesammelt. "Für mich zählt der Mensch. Die Herkunft spielt keine Rolle. Die jungen Leute haben Potenzial", empfiehlt der Geschäftsführer auch anderen Arbeitgebern, allen Bewerbern vorurteilsfrei zu begegnen.

"Gute Karrierechancen"

Auch für die Schüler lohne es sich, statt eines Bürojobs einen Beruf im Handwerk zu ergreifen. Schon jetzt zeichne sich ein Fachkräftemangel ab, wodurch sie zu sehr gefragten Mitarbeitern würden. "Es bieten sich auch Karrierechancen, zum Beispiel durch eine Meisterprüfung, als Leiter der Reparaturannahme oder Autoverkäufer", macht Herfurth deutlich.

Dieter Scheidler von der Agentur für Arbeit Schweinfurt weist darauf hin, dass sich die Situation grundlegend gewandelt hat. "Früher gab es zu wenige Lehrstellen, heute werden die Auszubildenden händeringend gesucht", erklärt der Leiter der Berufsberatung. Derzeit gibt es im Landkreis Bad Kissingen 431 offene Stellen. Dem stehen aber lediglich 346 junge Leute gegenüber, die noch einen Ausbildungsplatz suchen.

Konkurrenz durch Schulen

Das Missverhältnis sei nicht nur eine Auswirkung der rückläufigen Schülerzahlen. "Viele Jugendliche besuchen heutzutage nach dem Schulabschluss noch eine weiterführende Bildungseinrichtung wie eine Wirtschaftsschule oder eine Fachoberschule. Das entzieht der Arbeitswelt auch Nachwuchskräfte", weiß Scheidler.

Umso wichtiger sei es, alle Potenziale zu erschließen. Jugendliche mit Migrationshintergrund kämen oft zu kurz bei Bewerbungsverfahren, wenn sie kein gutes Zeugnis vorlegen könnten. "Dabei sind schlechtere Noten in der Schule oft nur die Folge von sprachlichen Schwierigkeiten", stellt Scheidler heraus.

Nachhilfe möglich

Um entsprechende Defizite abzubauen, bietet die Agentur für Arbeit auch Nachhilfeunterricht als ausbildungsbegleitende Hilfe an. Für den Bezirk Schweinfurt stehen allein 360 Plätze zur Verfügung, die nach Scheidlers Angaben auch gut genutzt werden.
Vladimir Berngardt sei eines der vielen positiven Beispiele, sowohl für andere Migranten als auch für heimische Firmen. "Durch Praktika während der Schulzeit können Arbeitgeber auch schon früh sehen, ob jemand zu ihnen passt", lobt Scheidler die Praxistage an den Mittelschulen, bei denen die jungen Leute in verschiedene Berufe reinschnuppern können.

Siegfried Herfurth pflichtet bei: "Da sieht man schon, ob sich jemand eignet".
Bei Vladimir Berngardt hat auf jeden Fall alles gepasst. Nach seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung möchte er auch noch Meister seines Fachs werden. Sein Tipp an alle, die eine Berufsausbildung anstreben: "Sich in der Schule anstrengen. Es lohnt sich."

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