Oberbach
Tradition

Bei der Oberbacher Kirmes regnet es

"Ond bann die Stern vom Himmel falle - onser Kirmes wird gehalle" - so heißt es seit Jahren im Oberbacher Kirmesruf. Die Sterne fielen nicht, dafür aber am Samstag pausenlos kalter Regen, der alles und alle durchnässte. Aufgeweicht hingen die bunten Bänder von der Baumspitze und den Kränzen herunter.
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Der Kirmesbaum wird um eine Kurve manövriert. Fotos: Johanna Kellermann
Der Kirmesbaum wird um eine Kurve manövriert. Fotos: Johanna Kellermann
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"Ich glaub, so ein schlechtes Wetter hatten wir beim Baumaufstellen noch nie", meinte Nicole Heublein, die das siebte Mal und damit am längsten als Plomädchen dabei ist. Ihr Bruder Florian ist in diesem Jahr Kirmeskönig, auch ihre Schwester Anne ist mit dabei. Kirmeskönigin Larissa Lößer stammt ebenfalls aus einer von der Kirmes begeisterten Familie, ihre Geschwister Lorena und Ingo sind ebenfalls mit von der Partie.

Nur mit Muskelkraft

Lothar Leipold fuhr den Kirmesbaum ins Dorf. Vorsichtig und gekonnt manövrierte er den langen Stamm um die Kurven. Und die Mädchen wurden von Hermann Lößer per Traktorhänger hinterherchauffiert - verdeckt unter Regenschirmen, versteht sich. Die eigentliche Neuerung war, dass in diesem Jahr erstmals seit langer Zeit der Baum wieder ohne Kran, sondern per Muskelkraft aufgestellt wurde.
Schade, dass die Zuschauerzahl wegen des Dauerregens nicht so hoch wie gewohnt war.

Nach sorgfältigen Vorbereitungen begann das Baumaufstellen, das allen alles an Kraft abverlangte. "Wir haben uns gedacht, dass man in den Orten ringsum den Baum auch ohne Kran aufstellt. Und das wollten wir diesmal auch ausprobieren. Der Vereinsring hat eine neue Halterung zum Einbauen des Stammes spendiert", erzählt Nicole Heublein. Die Stangenpaare zum Hochwuchten des Baumes stellte die Gemeinde zur Verfügung.

"Unsere armen Jungs tun mir richtig leid", war aus den Reihen der auf die überdachte Tribüne geflüchteten Plomädchen zu hören. Zu den "armen Jungs", die völlig durchweicht waren, gehörten aber auch die armen Väter, Verwandten und Freunde, die verantwortlich für das sichere Einrichten und Aufstellen des Baumes waren. Dennoch besuchte die ganze Kirmesgesellschaft - wie frisch aus dem Ei gepellt - den Abendgottesdienst, den Pfarrer Judmann hielt, bevor es ins Abendvergnügen mit Kirmestanz ging, an dem viele auswärtige Kirmespaare teilnahmen.

Tanz um den Baum

Traditionell trafen sich am Sonntag die Kirmesgesellschaft, die Oberbacher Blaskapelle und jeder, der wollte, am Elternhaus der Kirmeskönigin: In diesem Jahr war dies Larissa Lößer aus der Eckartsrother Straße. Und - kein Tropfen fiel aus dem bedeckten Himmel. Alle Besucher wurden mit Kuchen und Häppchen bewirtet, die Blaskapelle spielte immer wieder zu einem Tanz auf, und wie in jedem Jahr schloss sich dann ein Umzug durch das Dorf an, der unter dem Plobaum am Haus des Gastes endete. Bevor die Kirmesrede verlesen wurde, tanzten die Plopaare einige Runden.

Die Kirmesrede

Andreas Fuß verlas die von ihm, Arno Nüchter und Florian Heublein gereimte Kirmesrede. Traditionsgemäß erfuhr hier jeder, "wie sich die Kirmes zusammegefunne hoat" und ein jeder die "Weiwer für die Kirmestanzerei gefunne hoat". Bei der "rote Larissa", der Kirmeskönigin, da seien "die Münze nur so gerennt". Zusammengefasst und glossiert wurden die wichtigsten Begebenheiten aus dem "Duurfgeschehe". Erinnert wurde an die höchst gelungene Faschingsnarretei, aber auch an die Ankunft Pfarrer Judmanns, der das schwankende Kirchenschiff wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht habe.

Seit dem Marktfest gäbe es in "unserm schönne Duurf auch die neu Bühne - im gaanze Landkreis findste sowas net." Gelobt wurde die Fertigstellung der neuen Ortsdurchfahrt, die Jubiläumsfeier des Rhönklubs und die "Berchwacht - die die Kaasköpf von Holländer von den Bäum oageschniede ond abtransportiert hoat". Dann gab es da noch ein Abenteuer mit einem in der Nacht entwichenen Kalb und eine "Neugierfahrt", "die miitenei in die Brüh" führte - "in an Kläranloach fährt mer net mitm Auto nei."
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