Etwa 50 Interessierte aus Untererthal, ein Dutzend davon aus Nachbardörfern sowie aus Hammelburg, Fuchsstadt und Bad Kissingen, hingen am Samstag morgen fasziniert an Fellas Lippen. Zuerst gab es theoretischen Unterricht, dann ging die Gruppe zum praktischen Teil nach draußen zu den Obstbäumen neben der Liborius-Wagner-Kapelle. Die umfangreiche Materie beanspruchte mehrere Stunden.
"Toll, dass es solche Leute wie den engagierten Edwin Fella gibt", lobt Kursteilnehmer Herbert Baus dessen fundierte Fachkenntnisse. "Das ist allerhöchstes Niveau, ich konnte heute trotz meiner Jahrzehnte langen Gartenerfahrung noch dazu lernen", bekennt Baus. Er liebe ganz besonders die alten Streuobstsorten, die heutzutage immer rarer würden. "Deshalb hege ich die alten Streuobst-Apfelsorten wie Jakob-Fischer, Bensheimer, Boskoop und Goldrenette auf meinen Wiesen", verrät Baus. Diese alten Sorten hätten einen intensiveren Geschmack als die gängigen Apfelsorten aus dem Supermarkt. Regelmäßige Nachfrage erhalte er von den regionalen Schnapsbrennern. "Die sind ganz wild auf wohl schmeckende Altsorten", weiß Baus.
Der Hobbygärtner hat seinen Sohn Julian mit in den Baumschnittkurs gebracht. "Fella hat recht anschaulich mit vielen praktischen Beispielen gezeigt, wie es geht", meint Julian Baus und fügt an: "Das war auch im theoretischen Teil ganz und gar nicht trocken". Dass das Schneiden von Obstbäumen keine Hexerei, sondern eher vorbeugender Pflanzenschutz ist, davon konnten sich die Kursteilnehmer überzeugen.
Messer, Säge, Schere: Fella wies darauf hin, dass solches Werkzeug nicht von minderer Qualität beim Einsatz an den Obstbäumen sein sollte. "Und achten Sie auch auf die Sauberkeit, damit keine Krankheiten von einem zum anderen Baum übertragen werden", empfahl er das kurzfristige Eintauchen des Werkzeugs in Verdünnung. "Die ersten sechs bis sieben Jahre sind beim Baum sehr wichtig", betonte Fella. Auch die Pflanzenqualität und der Standort für die junge Baumpflanze seien von großer Bedeutung.
Fella ging auch auf die umfangreiche Thematik der Schnittarten ein: Pflanz-, Erziehungs-, Erhaltungs-, Verjüngung- und Sommerschnitt. Weitere Themen waren die natürliche Schädlingsbekämpfung durch Unterstützungsmaßnahmen für heimische Vögel mit Brutkästen und für die zur Befruchtung wichtigen Insekten mit artgerechten Insektenhotels. Außerdem sprach Fela über Düngung und Pflanzenschutz. Geduldig ging er oft gestellten Fragen nach wie zum Beispiel "Mein Baum trägt nicht" oder "Mein Baum treibt nur Reisig".
Die Teilnehmer waren fasziniert von Fellas Vortrag und es zuckte ihnen schon in den Händen, diese Schnitte jetzt sofort in die Praxis umzusetzen. Seine Freude über die Beschäftigung mit den Bäumen im Speziellen und über den Gartenbau im Allgemeinen überträgt sich auf Fellas Zuhörer.
Aus Dank dafür, dass er im Rahmen des Kurses seine Obstbäume geschnitten bekam, verloste der Besitzer Gerhard Helm einen Hubschrauber-Rundflug unter den Teilnehmern.