Nüdlingen

Begegnungsfest in Nüdlingen - Musik als universelle Sprache

Bei dem Begegnungsfest in Nüdlingen haben Flüchtlinge ihre Heimatländer samt typischer Musik und traditionellen Speisen vorgestellt. Für einige von ihnen war es gleichzeitig ein Abschied.
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Ermando Xhipi (24) begleitet mit seiner Geige seine Mutter Rita (48), die albanische Lieder singt. Foto: Ewald Kiesel
Ermando Xhipi (24) begleitet mit seiner Geige seine Mutter Rita (48), die albanische Lieder singt. Foto: Ewald Kiesel
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Die Gemeinde Nüdlingen hat im ehemaligen Gasthaus "Stern" eine Begegnungsfeier mit Flüchtlingen und Einheimischen organisiert, um bei zwanglosen Kontakten Ängste und Vorurteile abzubauen. Diese Gelegenheit wurde von der örtlichen Bevölkerung ausgiebig genutzt. Die Flüchtlinge stellten ihr Herkunftsland an Tafeln vor, die von Fanziska Thomas vorbereitet wurden. Ihre Heimatländer Afghanistan, Kosovo, Georgien, Syrien stellten sie vor und verteilten selbstgemachte, landestypische Häppchen. Dazu gehörte auch die Vorstellung traditioneller Musik und Tänze. Das motivierte auch die örtliche Bevölkerung, typische, deutsche Volkslieder zu singen.

Wer einmal mit Flüchtlingen geredet hat, ihre Schicksale und Lebensgeschichte erfährt, baut Ängste ab und verurteilt die Hetze gegen Ausländer. Es ist nicht leicht, seine Heimat, sein Land, seinen Kulturkreis, Sprachraum, Freunde, Verwandte, Hab und Gut hinter sich zu lassen. Doch die ständige Bedrohung, Gewalt, Massenmorde und Zerstörung der Infrastruktur zwingen die Menschen zur Flucht.


Schnell Deutsch lernen

Die fremde Kultur und Sprache ist das größte Problem für die Flüchtlinge hier. Deshalb werden seit November 2014 zweimal in der Woche Sprachkurse von Ehrenamtlichen angeboten. Die Flüchtlinge sind dabei hoch motiviert. Fast alle wollen Deutsch lernen, denn die Sprache ist das Wichtigste für die Integration. Kindergartenkinder und Schüler sprechen schon sehr gut Deutsch und sind stolz, ihren Eltern zuhause zusätzlich Deutschkenntnisse beizubringen.

Bürgermeister Harald Hofmann begrüßte die Flüchtlinge und dankte dem großen Helferkreis, an der Spitze Helga Fischer aus Nüdlingen und Anette Wemhof aus Haard. "Ich habe keine Angst vor Überfremdung", meinte der Bürgermeister. Es sei ein Kompliment für unser Land, dass die Menschen aus nackter Not dem Bürgerkrieg entfliehen und nach Deutschland streben, meint er.


Umzug nach Schweinfurt

Vor genau einem Jahr sind drei syrische Familien mit insgesamt neun Kindern nach Haard gezogen und haben vor sechs Wochen eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Sie haben sich bereits in Schweinfurt Wohnungen gemietet, in die sie in diesen Tagen einziehen werden.

Mohamad Badra bedankte sich zum Abschied aus Haard auch im Namen der Familien Alzubi und Shaker, bei der Gemeinde, dem Landratsamt, dem Kindergarten, der Schule Nüdlingen, den Nachbarn und dem Helferkreis für die große Hilfe.

Der Helferkreis unterstützt die Flüchtlinge bei Einkäufen, Arztbesuchen und der Beschaffung der Wohnungseinrichtungen. Jetzt organisiert er den Möbeltransport nach Schweinfurt. "Wir haben uns in Haard gut aufgenommen und geborgen gefühlt. Die Menschen waren alle freundlich und hilfsbereit", sagte Ahmad Badra. Schweinfurt biete jedoch mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, meint der 45-Jährige. Sein Sohn Fayez ist stolz, dass er bereits einen Arbeitsplatz als Betonbauer gefunden hat. Diesen Beruf übte der 20-Jährige schon vier Jahre lang in Syrien aus. Sein jüngerer Bruder Mohamad wird weiterhin die Berufsschule in Bad Kissingen besuchen, da die Kurse in Schweinfurt überfüllt sind.
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