Bürgermeister Siegfried Erhard hatte bereits Kontakte zu den 23 Personen, die ihre Heimat verlassen haben und einen Neuanfang suchen. "Wir hatten in Rottershausen, als vor über 20 Jahren Vietnamesen und später Afrikaner untergebracht waren, sehr gute Erfahrungen gemacht", erinnerte er, "jetzt wollen wir uns wieder öffnen und praktische Unterstützung gewähren." Dass so viele zu dem Treff kamen, wertete er als tolles Zeichen. Gut sei, dass sich die Vereine mit Fabian Wahler als Ansprechpartner eingliedern.

Die Asylantenentwicklung schilderte Thomas Weingart, Sachgebietsleiter an der Regierung von Unterfranken: Im Jahr 2007 kamen 19 000 Asylanten nach Deutschland, in diesem Jahr werden es 80 000 sein, davon allein 13 000 im Oktober. In Unterfranken gibt es 20 staatliche und 50 dezentrale Unterkünfte. Je Woche kommen 70 Personen. Die Zuweisung erfolgt von den Aufnahmestätten München und Zirndorf. Unterfranken werden 10,8 Prozent der Flüchtlinge zugewiesen. "Wir brauchen die Mithilfe der Kommunen und ihrer Bewohner. Ich bin mir sicher: Die Mitsorge kommt in Ebenhausen an", lobte er.

"Ich bin überwältigt vom Interesse der Bewohner", betonte Ursula Hartmann von der Caritas, die seit 1988 die Flüchtlinge berät. "Lassen sie sich auf diese Hilfe ein, gehen sie mit Freude auf die Menschen zu!", empfahl sie. Gut sei, dass die Asylbewerber keine Essenspakete, sondern gleich Geld - der Haushaltsvorstand beispielsweise 140 Euro im Monat - bekämen. 10 Stunden in der Woche wird in Ebenhausen eine Fachkraft zur Verfügung stehen, allerdings erst im neuen Jahr, da für 2013 alle Haushaltsmittel aufgebraucht seien.

Gemeindereferentin Beate Ritter-Schilling engagiert sich in der Asylantenbetreuung in Hammelburg und gab ihre Erfahrungen weiter. "Begrüßt mit kleinem Team die Flüchtlinge und zeigt ihnen das Dorf mit seinen Einrichtungen", regte sie an. Dazu zählten Kindergarten, Schule, Arztpraxis, Einkaufsmöglichkeiten und Sportstätten. Kinder seien an einen struktuierten Tagesablauf heranzuführen. Schulpflicht gelte ab der kommenden Woche. "In der Alltagsbegegnung ergeben sich automatisch weitere Dienste wie Ergänzungen für Wohnung und Kleidung oder weiteres Kennenlernen bei Spielen wie Memory", erläuterte sie. Nicht abzusehen sei, wie lange die einzelnen Flüchtlinge bleiben. Gemeinnützige Arbeiten - maximal 80 Stunden im Monat zu je 1,05 Euro - seien gut, damit "die Decke nicht auf den Kopf fällt". Wichtiges Element seien Sprachkurse als Stütze in neuer Umgebung.

Kritik am Procedere übten Peter Iberl und Michael Völkel. "Es kann nicht sein, dass im reichen Deutschland eine Sozialkraft nicht sofort zur Seite steht", monierten sie. Die sei aber am Anfang gar nicht so nötig, hielten die Fachleute dagegen. Viel wichtiger seien Gesten, die zeigen sollten: Ihr seid willkommen. Die Grund- und Mittelschule sei über Zugänge informiert, ergänzte Bürgermeister Erhard.

Ludwig Sauer traf zufällig am Bahnhof eine Frau mit ihren drei Kindern. "Sie war hilflos, verstand kein Deutsch. Per Zettel zeigte sie mir, dass sie zum Asylantenheim wollte. Ich holte Auto und brachte sie dorthin. Hätte dies nicht besser laufen können?", stellte er in den Raum. Thomas Weingart informierte, dass die Syrerin aus München zugewiesen wurde: "Uns fehlten genaue Daten. Das war unglücklich, aber Sie haben das toll gemacht", lobte er.

Weitere Teilnehmer verdeutlichten, sich in die Aufgaben einzugliedern. Allen war klar, dass am Anfang kleine Anstöße reichen. Sprachliche Barrieren könnten mit den Übersetzungsmöglichkeiten von Smartphones angegangen werden. Entwickeln könnte sich eine Kleider-, Möbel- und Gerätekammer. Zueinander führten Hobbys wie Musik, Nähen oder Stricken.

"Es gibt viele, schöne Erlebnisse mit Asylbewerbern. Nutzern Sie diese Chance, auch Ihr Leben zu bereichern", empfahl Christian Fenn, Nachbar der Unterkunft in Hammelburg.

Belegung des Asylbewerberhauses: 23 Personen im Alter von 43 Jahren und jünger, vorrangig Familien aus Serbien, Bosnien-Herzogowina und Mazedonien, dazu eine Frau mit drei Kindern aus Syrien, 15 weitere Personen, vermutlich aus Syrien, werden in der ersten Adventswoche erwartet.

Dem Kernteam für die Asylbewerberbetreuung gehören an: Andreas Back, Julia Bauer, Kurt Distler, Harald Hannwacker, Peter Iberl, Gabi Schwab, Ludwig Sauer und Maria Wahler.

Die Anfangsdienste für Kinder: Julia Bauer, Kindergartenbesuch in Ebenhausen; Maria Wahler, Besuch der Grundschule in Ebenhausen; Birgit Ott, Besuch der Mittelschule in Oerlenbach; Fabian Wahler, Besuch der Berufsschule in Bad Kissingen.

Nach Vollbelegung und Eingewöhnung ist ein Begegnungsfest im Arnold-Haus als Mitbringfest geplant, das heißt: jeder bringt eine kleine Gabe für das Miteinander mit.