LKR Bad Kissingen
Bauwirtschaft

Auftraggeber suchen dringend Baufirmen

Die gute Konjunktur beschert regionalen Firmen einen Boom. Öffentlichen Auftraggebern passt das weniger. Sie finden immer seltener jemanden, der ihre Projekt verwirklicht.
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Martin Darr (links) und André Weigand von der Firma "Holz in Form" aus Bad Königshofen tauschen im Schloss Aschach Fenster aus. Für die Baustelle war es schwierig, geeignete Baufirmen zu finden.Steffen Standke
Martin Darr (links) und André Weigand von der Firma "Holz in Form" aus Bad Königshofen tauschen im Schloss Aschach Fenster aus. Für die Baustelle war es schwierig, geeignete Baufirmen zu finden.Steffen Standke
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Von außen weist wenig darauf hin. Doch das Innere von Schloss Aschach wird gerade ziemlich umgekrempelt. Bauleute arbeiten alte Böden und Tapeten wieder auf, reinigen Decken, verputzen. Restauratoren kümmern sich mit viel Geduld und Detailtreue um den Stuck. Dass im alten Schloss so viel Geschäftigkeit herrscht, ist nicht selbstverständlich. Beim seit Monaten anhaltenden Bauboom ist es auch für öffentliche Bauherren schwierig, Firmen zu finden, die ausgeschriebene Gewerke zeitnah erledigen. Das gilt nicht nur für Schloss Aschach.

Susanne Schulz arbeitet für das Architektur-Büro Konopatzki & Edelhäuser aus Rothenburg ob der Tauber. In Aschach fungiert sie als Bauleiterin; Bauherr ist der Bezirk Unterfranken, dem das Gemäuer gehört.

"Momentan ist es schwierig, bei den Ausschreiben Firmen zu finden", sagt Schulz. Wobei Schloss Aschach ein Sonderfall sei. Denn eine direkte offene Ausschreibung finde nicht statt. Stattdessen schlage das Büro geeignete Firmen vor, auch verfüge der Bezirk über eine eigene Liste. Daraus würden dann Unternehmen ausgewählt und zu Angeboten aufgefordert.

Der Rücklauf sei eher bescheiden gewesen; oft gab es Absagen. "Zu Beginn der Baumaßnahme 2018 hatten wir zum Beispiel bei der Baustelleneinrichtung nur ein Angebot", sagt Schulz. Auch Restauratoren seien derzeit sehr gefragt. "Dieses Gewerk kann eben nicht jeder." Da kämen von vornherein nur drei bis vier Unternehmen in Betracht.

Trotz der Schwierigkeiten rechnet die Bauleiterin nicht mit langen Verzögerungen. Die Wiedereröffnung der Museen im Schloss soll im April 2020 stattfinden. Und da, wo durch fehlende Konkurrenz Preissteigerungen bei den Gewerken in Kauf genommen werden mussten, versucht Schulz "anderswo Einsparungen zu erzielen".

Neben Schloss Aschach betreibt der Bezirk im Landkreis Bad Kissingen das Pflegeheim in Römershag und das Thoraxzentrum Münnerstadt. In Letzterem gab es zuletzt Bauarbeiten, die sich durch die schwierige Suche nach Handwerkern verzögerten. So sollte laut Bezirks-Pressesprecher Markus Mauritz 2017 begonnen werden, die Abteilung "Physikalische Therapie" zu sanieren. Das klappte nicht "mangels Bewerber für die Gewerke Heizung, Sanitär und Lüftung". Die im Haushalt 2017 für das Bauprojekt vorgesehenen 600000 Euro mussten ins nächste Haushaltsjahr überführt werden. 2018 wurde die Sanierung - nach erneuter Ausschreibung - komplett durchgezogen.

Im Januar begannen wieder Bauarbeiten im Thoraxzentrum. Dort werden bei laufendem Betrieb die Stationen 2 und 3 einschließlich Haus Windsburg saniert. An diesem Projekt lässt sich gut nachvollziehen, wie sich der Firmenmangel abfedern lässt. Das Architekturbüro Albert Architekten und Ingenieure aus Salz bei Bad Neustadt hat die Ausschreibungen vorgenommen. Und Chef Alexander Albert berichtet von "sehr guter Beteiligung". Allerdings habe man frühzeitig ausgeschrieben und den ursprünglich für November geplanten Ausführungszeitraum um acht Wochen in den Januar verlegt.

Früher habe man davon ausgehen können, bei Ausschreibungen vom Herbst bis in den Dezember hinein Firmen und preisgünstige Angebote für das Frühjahr zu bekommen, so der Architekt. Die Bauunternehmen hätten ihre Auftragsbücher füllen wollen.

"Aber momentan gelten keinerlei Gesetzmäßigkeiten", sagt Albert. Die Firmen arbeiteten teilweise einen Überhang aus dem vergangenen Jahr ab. "Sie überlegen, ob sie sich überhaupt auf eine Ausschreibung bewerben sollen,weil sie einen Vorlauf von einem halben Jahr haben." In Not, über günstige Preise einen Auftrag unbedingt an Land zu ziehen, seien sie nicht.

Besonders betroffen: die Gewerke Rohbau und Haustechnik. Sie spielen auch bei der Sanierung im Thoraxzentrum eine tragende Rolle, so Albert. Doch auch bei diesen Gewerken gab es genug Bewerber. Das Ende der Bauarbeiten in Station 2 und 3 ist für 2020 geplant; die veranschlagten Kosten von 2,67 Millionen Euro sollen eingehalten werden.

Das Staatliche Bauamt Schweinfurt begleitet viele öffentliche Bauprojekte im Landkreis Bad Kissingen. Martin Rohrmüller, Abteilungsleiter für Landesmaßnahmen im Hochbau, weiß von Ausschreibungen für Bau-Gewerke in der Wildfleckener Rhön-Kaserne, wo keine Firma ein Angebot abgab. Bei anderen Projekten habe es zwar Anbieter gegeben. "Aber es war nicht mehr die Fülle wie früher." Wo zum Beispiel Metallbauarbeiten ausgelobt waren, hätten sich statt vormal fünf oder sechs Unternehmen nur zwei beworben. Die Folge: potenziell höhere Preise. Denn wo nur wenige Angebote eintreffen, ist die Auswahl nicht sehr groß.

Auch das Staatliche Bauamt versucht, sich auf die geänderte Lage am Markt einzustellen. "Manche Gewerke werden schon im Herbst ausgeschrieben, obwohl Baubeginn erst im darauffolgenden Jahr ist", sagt Rohrmüller, der für Hochbauprojekte in den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld, Haßberge sowie Schweinfurt Stadt und Land verantwortlich zeichnet.

Keine Probleme, Firmen für seine Bauprojekte zu finden, hat nach eigenen Angaben die Landkreis-Verwaltung. "Bisher hatten wir immer eine ausreichende Anzahl von Angeboten für die Baumaßnahmen des Landkreises erhalten", teilt Pressesprecherin Lena Pfister auf Anfrage mit. Trotz des Baubooms lägen die Angebote im Wesentlichen im Rahmen der Kostenberechnung. "Für die Firmen ist ein öffentlicher Auftraggeber vermutlich schon alleine aufgrund der Zuverlässigkeit interessant."

Von Bauboom und Firmenmangel kann auch die Handwerkskammer für Unterfranken ein Lied singen. "Das regionale Handwerk erlebt bereits seit einigen Jahren eine sehr gute konjunkturelle Phase", schreibt Pressesprecherin Nadine Hess auf Nachfrage. 95,7 Prozent der bei einer HWK-Konjunkturanalyse befragten Unternehmen der Region Main-Rhön (Stadt und Landkreis Schweinfurt, Haßberge, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld) hätten ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend bezeichnet. Die hohe Auslastung führt laut Hess dazu, dass Handwerkskunden in einigen Bereichen lange warten müssen. In den Bereichen Bau und Ausbau waren demnach die Betriebe im 4. Quartal 2018 durchschnittlich zu über 88 Prozent ausgelastet; die Auftragsreichweite betrug im Schnitt elf Wochen (Das sei nicht pauschal mit einer Wartezeit für den Kunden von elf Wochen gleichzusetzen, da bei der Abarbeitung von Aufträgen auch andere Faktoren wie Personaleinsatz und organisatorische Gründe eine Rolle spielen. Dass zusätzliche Fachkräfte für Handwerksbetriebe am Markt schwer zu finden seien, spiele aktuell ebenfalls eine Rolle. "Sicherlich gibt es Unternehmen, die mehr Aufträge annehmen würden, wenn sie mehr Fachkräfte hätten." Auch öffentliche Auftraggeber müssten, bedingt durch die gute konjunkturelle Lage sowie die schwierige Fachkräftesituation, längere Wartezeiten in Kauf nehmen.



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