Bad Kissingen
Freizeit Urlaub

Bad Kissinger Zeltplätze sind sehr beliebt

Die vier Zeltplätze des Landkreises Bad Kissingen sind zwar schlicht, aber äußerst beliebt. Viele Gruppen kommen jedes Jahr wieder, weil es den Kindern so gut gefällt - auch ohne Computer und oft auch ohne Handy.
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Viele Gruppen schätzen den Jugendzeltplatz Schloss Saaleck bei Hammelburg.  Foto: Edgar Bartl
Viele Gruppen schätzen den Jugendzeltplatz Schloss Saaleck bei Hammelburg. Foto: Edgar Bartl
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Sterne-Hotel und Mallorca? Vielen Kindern ist ein einwöchiger Aufenthalt im Landkreis Bad Kissingen viel lieber. Denn bei einem Zeltlager ohne Eltern, erleben sie einen Abenteuerurlaub direkt vor der Haustür.

Kilian (14) aus Niederwerrn ist begeistert bei der Sache. Er ist spätestens am dritten Tag heiser, "weil er immer so schreit", sagt Christina Kaiser. Sie, Rabea Müller und Regional-Jugendseelsorgerin Barbara Hornung sind die Chefinnen. Zusammen mit 61 Kindern aus Bad Kissingen und anderen Kreisen haben sie es sich am Farnsberg gemütlich gemacht. Es ist eine Veranstaltung der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit. Allen gefällt es sehr gut. Seit 20, 25 Jahren kommt man hierher. Kilian findet das "Gelände richtig geil". Aber auch das Programm - Thema: Zeitreise - sei klasse.

Leider darf Kilian im kommenden Jahr nicht mehr mitmachen, weil er mit 15 zu alt ist. Aber "als Überfäller" wolle er schon kommen. Und dann strebt er eine Tätigkeit als Betreuer an.

Eine "Farnsberg-Karriere"

Eine solche "Farnsberg-Karriere" hat auch Christine Kaiser gemacht. Sei war mit acht erstmals dabei. "Am Anfang wollte ich nicht, dann wollte ich nicht mehr heim, dann bin ich immer wieder gekommen". Rabea Müller zeigt Verständnis: "Wenn man 'Zeltlager-Blut' geleckt hat..."

Auf dem Zeltplatz bei Schloss Saaleck ist es außergewöhnlich ruhig. Kein Wunder: Die 42 St. Georgs-Pfadfinder aus Bad Kissingen sind gerade in Hammelburg unterwegs. Camp-Leiter Manfred Schmidt und Monika Bohatsch ("ich bin die Lageroma") genießen die Pause. Sie sind zum zweiten Mal auf diesem Platz zu Gast, waren auch schon auf dem Totnansberg (Monika Bohartsch: "Wir waren dort die letzte Gruppe ohne Strom") und in Münnerstadt.

"Einfach gestrickt, ohne Luxus"

Gerade am Totnansberg hat es Manfred Schmidt gut gefallen. Der Platz liege wunderbar im Wald, sei "einfach gestrickt und ohne Luxus". Er "reicht uns vollkommen aus." Für die Kinder, hat er festgestellt, spiele die Entfernung von daheim keine Rolle; "Hauptsache weg von den Eltern". Das gilt für Jens (zwölf) und Philipp (15) aber nicht: Ihre Mama ist Monika Bohatsch, der sie in der Küche helfen.

An der Saalecker Anlage gefällt die Lage (weit weg von der Stadt). Außerdem gibt es viel Platz zum Spielen und Toben. Allerdings stört viele der Berg. Manfred Schmidt: "Die meckern, wenn sie rauflaufen müssen." Er war übrigens schon als Baby beim Zeltlager dabei, weil seine Eltern hier engagiert waren. Seit 2006 ist er Vorsitzender und Lager-Chef. Monika Bohatsch ist auch eine Veteranin. Seit 1990 macht sie mit, weil ihr Mann "von Kindesbeinen an" begeisterter Pfadfinder ist.

Weil ihre Kinder zelten wollten, kamen einst Renate und Winfried Dickert zum Zeltlager-Team St. Vinzenz in Kitzingen. Die Sprößlinge sind längst nicht mehr dabei, die Eltern aber wohl. Deshalb haben 37 Kinder von sieben bis 13 Jahren und ihre 17 Betreuer ihre Zelte erstmals im Landkreis Bad Kissingen aufgeschlagen, am Totnansberg. Hier finden sie es alle "ganz schön" und opfern gerne dafür einige Urlaubstage. Vor allem die Abendrunde am Lagerfeuer mit Erzählungen und Liedern zur Gitarre hat es allen angetan. Es geht auch ohne TV und Telefon: Für die Kinder herrscht ein Handy-Verbot.

Das Programm hat das Motto "Asterix und Obelix". Daran orientieren sich die Spiele, Gespräche und Aktionen. Sicher, sagt Jürgen Furkel, es gebe schon mal Stress. Aber der sei positiv. Außerdem komme von den Kindern viel zurück. Deshalb ist niemandem die Arbeit zu viel. Küchenchefin Sabine Furkel brät Schnitzel. Dazu gibt es Kartoffelsalat. Bei der Zubereitung - "nur gesunde Kost" - helfen ihr die Erwachsenen im Camp, während die anderen mit den Kindern Gefäll "erobern". Im nächsten Jahr wollen alle wieder kommen. Sie haben die Woche am Zeltplatz Münnerstadt schon gebucht.

Aufenthaltsraum wäre nötig

Jessica Mann und Nadine Beck sind sicher: Der Zeltplatz an der Zent bei Münnerstadt ist der schönste im Kreis. Drei Mal waren die Kinder - diesmal sind es 70 im Alter von acht bis elf Jahren - von der Pfarreiengemeinschaft Schondra/ Oberleichtersbach schon hier. Der Platz bei Schloss Saaleck sei auch nicht schlecht, er bräuchte aber einen Gruppenraum. Auch heuer sorgt ein buntes Programm für Abwechslung. Am besten hat Jannik (acht) die Wasserschlacht gefallen. Das Lager wurde seit April vorbereitet. Jessica Mann ist zufrieden : "Ein Sommer ohne Zeltlager - geht gar nicht."

Karl ("Charles") Englert ist in der Jugendarbeit der Herr der Zeltplätze des Landkreises. Nachholbedarf sieht er nur bei der Anlage nahe Schloss Saaleck bei Hammelburg. Dort wird seit langem ein Aufenthaltsraum gewünscht: "In 2013 nicht mehr umsetzbar, 2014 schau'n mer mal." Was genau gemacht wird, steht offenbar noch nicht fest. Angedacht ist eine Holzkonstruktion auf einer Betonplatte .

Von Ostern bis Allerheiligen

"Wünschenswert" ist laut Englert am Farnsberg eine Vergrößerung der Sport- und Spielflächen. Das werde für nächstes Jahr angestrebt. Seit wenigen Monaten wurde der Zeltplatz am Totnansberg ans Stromnetz angeschlossen. Vorbei sind damit die Zeiten der Gasflaschen.

Nach Angaben von Karl Englert haben die vier Zeltplätze nichts von ihrer Attraktivität verloren. Seit Jahren kämen zwischen Ostern und Allerheiligen im Schnitt 100 Gruppen. Die Zahl der Übernachtungen pendele um die 20 000er Marke. Vor allem an den Wochenenden und in den Ferien seien alle vier in der Regel ausgebucht.
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