Bad Kissingen
Interview

Bad Kissinger Unesco-Bewerbung: Führungswechsel in Karlsbad

Die Koalition des bisherigen Oberbürgermeisters Petr Kulhánek wurde abgewählt. Nachfolgerin ist die 44-jährige Ex-Hotel-Direktorin Andrea Pfeffer-Ferklová.
Artikel drucken Artikel einbetten
Blumen-Strauß und schwere Amtskette: Die neue Karlsbader Oberbürgermeisterin Andrea Pfeffer-Ferklová bei ihrer Vereidigung am 13. November 2018.Presseamt Karlovy Vary
Blumen-Strauß und schwere Amtskette: Die neue Karlsbader Oberbürgermeisterin Andrea Pfeffer-Ferklová bei ihrer Vereidigung am 13. November 2018.Presseamt Karlovy Vary

Nach jahrelanger Vorbereitung reichen kommenden Dienstag elf europäische Kurbäder ihre gemeinsame Bewerbung ums Weltkulturerbe bei der Unesco in Paris ein. Federführend ist der tschechische Staat, deshalb nimmt das größte tschechische Heilbad Karlsbad eine wichtige Rolle ein. Kurz vor dem wichtigen Termin in Paris wurde dort der langjährige Oberbürgermeister Petr Kulhánek abgewählt (siehe Info-Kasten). Seine Nachfolgerin ist die bisherige Generaldirektorin des Grand-Hotel "Pupp", Andrea Pfeffer-Ferklová. Bevor der Bad Kissinger OB Kay Blankenburg seine neue Amtskollegin am Dienstag zum ersten Mal sieht, haben wir mit der 44-Jährigen über die Unesco-Bewerbung und ihre Pläne gesprochen.

Sehr geehrte Frau Pfeffer-Ferklová, herzlichen Glückwunsch zur Wahl! Karlsbad ist nicht nur ein wichtiger, sondern DER wichtigste Partner Bad Kissingens in der Unesco-Bewerbung. Bleibt die Stadt auch unter Ihrer Führung Vorreiter der Bewerbung?

Andrea Pfeffer Ferklová: Ja, selbstverständlich bleibt Karlsbad in der Unesco-Bewerbung.

Werden Sie von Ihrem Vorgänger auch den Vorsitz in der "Mayor Group", also der Leitungsgruppe aller Bürgermeister, übernehmen?

Ja, ich zähle darauf, diese Position zu übernehmen.

War die Bewerbung zum Unesco-Weltkulturerbe Thema im Wahlkampf? Gibt es Kritik oder Änderungswünsche? Müssen aus Ihrer Sicht Punkte noch einmal neu verhandelt werden?

Unesco war nicht unser Thema im Wahlkampf, wir werden aber weiter mit allen unseren Partnern an diesem Thema arbeiten und ich hoffe, dass wir erfolgreich sein werden.

Sie waren Direktorin des berühmten Grand-Hotel Pupp. Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie von der Wirtschaft in die Politik wechselten?

Ich habe 17 Jahre im Tourismus- und Spa-Bereich gearbeitet. Karlsbad ist eine wunderschöne Stadt mit Geschichte, Kultur, vielen tollen Hotels und großem Potential. Mit dem muss man aber arbeiten. Es soll viel investiert werden, um für die Zukunft gut gerüstet zu sein. Und ich war der Meinung, dass sich in vergangenen zwölf Jahren in Karlsbad nichts geändert hat. Das war meine Motivation dafür, die Position als Generaldirektorin des Grandhotels Pupp zu verlassen.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für die Bürger der Stadt Karlsbad?

Die Menschen möchten in einer Stadt leben, in der sie sich wohl fühlen, in der sie ihre Kinder erziehen können, wo sie alle Voraussetzungen für ein sicheres und friedliches Leben haben. Sie wollen sehen, dass sich die Stadt entwickelt, sie haben die Möglichkeit, sie in ihrer Freizeit zu genießen. Die von der Stadt erwarteten Grundfunktionen - Sicherheit, Sauberkeit und so weiter - müssen erfüllt sein.

Welches Thema wollen Sie als erstes im neuen Amt anpacken, was ändern Sie jetzt?

Es geht nicht nur um ein Thema, wir müssen an allem arbeiten - Senioren, neue Investitionen, Verkehr in der Stadt, ....

Zurück zum Tourismus: Was kann die Politik im Rathaus, aber auch die Regierung in Prag für den Tourismus in Karlsbad tun?

Wir sollten hier mehr investieren. Es sind in der Stadt Gebäude, mit denen man schnell was machen muss, zum Beispiel Elisabethbad und Kaiserbad. Es geht aber nicht nur um eine Renovierung oder Rekonstruktion, es geht vor allem um eine Funktion, die die Gebäude weiterhin erfüllen sollten.

Wer sind die wichtigsten Gäste Ihrer Stadt?

Die meisten Gäste kommen aus der ganzen Welt. In den letzten Jahren sind es mehr Gäste aus Taiwan und China. Leider bleiben sie nur eine Nacht und fahren wieder weiter. Für Karlsbad sind die Gäste wichtiger, die hier länger bleiben - vor allem die Kurgäste, die nach Karlsbad zur Verbesserung ihrer Gesundheit kommen.

Was muss man unbedingt gesehen haben, wenn man in Karlsbad ist? Und umgekehrt: Was ist Ihr Geheim-Tipp, wenn man Menschen-Massen eher scheut?

Karlsbad hat viel zu zeigen: Moser-Glasfabrik, Becherovka-Museum mit Verkostung, unsere tollen Kolonnaden, das historische Zentrum, unser Theater. Wenn man nach Karlsbad kommt, muss man auch unser Gold sehen und verkosten - es geht um unsere Heilquellen. Heißer Tipp: Unseren unterirdischen Brunnen muss man auch besuchen oder einen Spaziergang durch unsere Kurwälder machen.

Und zuletzt die Frage: Waren Sie selbst schon einmal in Bad Kissingen oder in den anderen Partnerstädten der Unesco-Bewerbung?

Nein, leider nicht. Ich werde aber am 21. Januar nach Baden-Baden fahren und hoffe, sehr bald auch unsere weiteren Partnerstadte der Unesco-Bewerbung zu besuchen.

Person Andrea Pfeffer-Ferklová wurde am 1. Januar 1975 geboren, aufgewachsen ist sie in Chodov nahe Karlsbad, sie besuchte das Gymnasium in Karlsbad. Die 44-Jährige ist verheiratet, hat keine Kinder, spricht neben Tschechisch Deutsch, Englisch und Russisch. Von 2006 bis 2018 war sie Generaldirektorin des Grandhotel Pupp in Karlsbad, die Amtseinführung als Bürgermeisterin war am 13. November.

Stadt Karlsbad ist mit rund 50 000 Einwohnern das größte tschechische Kurbad. Die 110 Beherbergungsbetriebe, darunter vier Fünf-Sterne- und 43 Vier-Sterne-Hotels verfügen über knapp 11 000 Betten. Die jüngste Gästestatistik der Stadt weist rund 269 000 Gäste und 1,54 Millionen Übernachtungen aus. Zum Vergleich: Bad Kissingen hatte im vergangenen Jahr 256 500 Gäste und 1,59 Millionen Übernachtungen.

Politik Die Karlsbader Stadtvertretung hat 35 Mitglieder. Bisher waren dort neun Gruppierungen vertreten, die größte war die Karlsbader Bürgerinitiative (KOA) mit zehn Sitzen, der auch der bisherige Bürgermeister Petr Kulhánek angehört. Die KOA fiel bei der Kommunalwahl von zehn auf fünf Sitze zurück. Ihre drei Koalitionspartner "Die Parteilosen" (bisher 5 Sitze), CSSD (ebenfalls 5) und KDU-CSL (1) flogen sogar ganz aus der Stadtvertretung. Die eigentlich parteilose Andrea Pfeffer-Ferklová trat für die aktuelle tschechische Regierungspartei ANO 2011 an, die auf Anhieb auf zwölf Sitze kam. Unterstützt wird sie von der lokalen Bewegung "Die Karlsbader", die sich bei der Wahl von 5 auf 8 Sitze gesteigert hatte, und der "Bürgerlich-demokratischen Partei" ODS, die einen Sitz von 2 auf 3 zulegte.

Bewerbung Der internationalen Bewerbergruppe für die Weltkulturerbeliste der Unesco gehören Bad Kissingen, Baden-Baden und Bad Ems aus Deutschland, Franzensbad, Karlsbad und Marienbad aus Tschechien sowie Baden bei Wien in Österreich, Spa in Belgien, Vichy in Frankreich, Montecatini in Italien und Bath in Großbritannien an. rr



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren