Bad Kissingen
Unesco

Bad Kissinger Stadträte informieren sich in Regensburg

Die Stadt an der Donau hat schon, was Bad Kissingen erst noch haben will: Einen Titel als Unesco-Welterbe.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der denkmalgeschützte Salzstadel aus dem Jahr 1620, direkt an der im Jahr 1135 gebauten Steinernen Brücke, beherbergt seit 2011 das Regensburger UNESCO-Welterbe-Besucherzentrum. Sigismund von Dobschütz
Der denkmalgeschützte Salzstadel aus dem Jahr 1620, direkt an der im Jahr 1135 gebauten Steinernen Brücke, beherbergt seit 2011 das Regensburger UNESCO-Welterbe-Besucherzentrum. Sigismund von Dobschütz
+7 Bilder

Der zweite Tag der Studienfahrt einer Bad Kissinger Delegation aus Stadträten und Mitarbeitern der Verwaltung stand ganz im Zeichen der Bewerbung als "Unesco-Welterbe". Ziel war das Welterbe-Besucherzentrum in Regensburg. Bereits 2006 für seine mittelalterliche Altstadt ausgezeichnet, hatte man in der Donau-Stadt sofort mit dessen Planung begonnen und im Mai 2011 eröffnet.

"Mit dem Erwerb des Titels ist es nicht getan", hatte zuvor Bad Kissingens Kulturreferent und Welterbe-Koordinator Peter Weidisch festgestellt. Ebenso wichtig sei die anschließende Schaffung eines Mehrwerts für die Stadt und die Einbindung der Bevölkerung von Stadt und Umland. Hierüber informierte nun sein Regensburger Kollege Matthias Ripp, Welterbe-Koordinator und Leiter des Besucherzentrums.

"Gesucht wurde ein Ort, wo das Regensburger Welterbe anschaulich präsentiert und von den Besuchern auch verstanden werden kann", formulierte Ripp die erste Zielsetzung. Man entschied sich für den historischen Salzstadel (1620) am Altstadtrand, ein ehemaliges Lagerhaus direkt am Zugang zur mittelalterlichen Steinernen Brücke.

Der Einwand, man könne das Besucherzentrum weder mit Pkw noch mit Bus erreichen, stellt für Ripp kein Problem dar: "In unsere Altstadt kann man ohnehin nur zu Fuß, und jeder kommt hier fast zwangsläufig vorbei." Werbung sei deshalb fast überflüssig.

Sofort begannen die Planungen zur Raumnutzung des denkmalgeschützten Gebäudes. Immerhin gibt es in Regensburg über 1000 Einzeldenkmäler. Doch alles darzustellen, wäre nicht nur nicht möglich, sondern sogar falsch gewesen. "Ein Besucherzentrum ist nur gut, wenn man Themen weglässt", war die Empfehlung der Fachleute. "Kurze Informationshäppchen müssen reichen." Nach Abschluss der Raumplanung ging ein Team professioneller Ausstellungsgestalter an die Arbeit. Ripp: "Geschichte ist im Überfluss vorhanden, wir wollten etwas Modernes."

Vier Jahre später konnte das 1,7 Millionen Euro teure Besucherzentrum eröffnet werden. "Das Gebäude war Jahre zuvor schon generalsaniert worden", begründete Ripp die vergleichsweise niedrige Summe. Der Bund bezuschusste das Vorhaben mit einer Million. Heute zeigt das Regensburger Welterbe-Besucherzentrum, dass bis auf Heiligabend und Karfreitag täglich geöffnet ist, im Obergeschoss eine Dauerausstellung mit interaktiven Spielstationen und Medieninstallationen, aber auch faszinierende Exponate zu Regensburg und seiner Geschichte. Das Untergeschoss wird für Gruppen zur Einführung in die Ausstellung oder für Sonderausstellungen genutzt.

Pro Jahr zählt man etwa 350.000 Besucher, zu 80 Prozent Einwohner aus Stadt und Land, nur 20 Prozent sind Touristen. Die jährlichen Betriebskosten liegen bei 300 000 Euro. "Bei Kosten von einem Euro pro Nutzer sind wir eine sehr effiziente Einrichtung", meinte Matthias Ripp. Eintritt wird nicht verlangt. "Das Besucherzentrum ist kein Museum", nannte Ripp den Kissingern als Grund. "Es ist eine Vermittlungsaufgabe der Stadt." Die Stadtverwaltung muss sich immer fragen: "Wie viel ist uns dieser Titel wert?" Denn nicht die Touristen, sondern die eigenen Bürger sind hier die wichtigste Zielgruppe.

"Nach zehn Jahren muss man die Ausstellung überarbeiten, nicht nur materiell, sondern auch in Thematik und Präsentationsform", verwies Ripp auf aktuelle Planungen. Maßgeblich ist das Besucher-Interesse und -Verhalten. Mehrere Bachelor-Arbeiten lieferten dazu konkrete Erkenntnisse. Außerdem arbeitet die Stadt an einem analogen und digitalen Welterbe-Informationssystem mit Wegweisung und Erläuterungen zu den Einzeldenkmälern sowie einem Verkehrskonzept mit Festlegung von Zufahrten und Parkmöglichkeiten für Pkw und Reisebusse. Gleichzeitig ist Regensburg dabei, so Welterbe-Koordinator Matthias Ripp, "den Welterbe-Titel auch wirtschaftlich zu nutzen".

Nach der Arbeit kam das Vergnügen: Zum Abschluss ihrer zweitägigen Studienfahrt besichtigte die Bad Kissinger Delegation das nahe dem Welterbe-Besucherzentrum modern gebaute, erst im Juni eröffnete Museum für bayerische Geschichte, das teils mit originalen, teils mit täuschend echt wirkenden Exponaten die Landesgeschichte seit der Gründung des Königreichs (1806) bis heute aufzeigt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren