Bad Kissingen
Jubiläum

Bad Kissinger Regentenbau ist jetzt 100 Jahre alt

Heute ist Bad Kissingen der bekannteste Kurort Deutschlands, vor gut 100 Jahren war die Stadt ein Modebad des Hochadels. Der Wirtschaftszweig boomte. Bayern ließ den Arkadenbau (Friedrich von Gärtner, 1834 bis 1838) ergänzen. Max Littmann schuf die Wandelhalle mit Brunnenhalle (1910 bis 1912) und den Regentenbau (1911 bis 1913).
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Der Bad Kissinger Regentenbau  Foto: Edgar Bartl
Der Bad Kissinger Regentenbau Foto: Edgar Bartl
In dem zweigeschossigen Eingangsvestibül befindet sich das Gemälde "Orpheus unter den Tieren" von Julius Mössel. Der Festsaal - in der Qualität vergleichbar mit der Usher Hall in Edinburgh und der Symphony Hall in Boston - ist eine holzgetäfelte rechteckige Pfeilerhalle mit Empore. Dazu heißt es in einer Broschüre des damaligen Staatlichen Hochbauamts Bad Kissingen anlässlich der Generalsanierung: "Max Littmann ist es in der Zeit des späten Jugendstils gelungen, mit seiner klassizistischen Raumgestaltung und Dekorationskunst einen zeitlos gültigen Festsaal zu schaffen, der zu den schönsten und akustisch besten Konzertsälen zählt." Davon konnten sich in der Königsloge schon gekrönte Häupter und Präsidenten überzeugen.

100 Kilo Staub beseitigt

Der Festsaal ist 36,5 Meter lang, 17,50 beziehungsweise 18 Meter breit und 16 Meter hoch. An der Stirnseite befindet sich ein halbrunder Ausbau für das Orchester. Zwei Pfeilerreihen tragen die Galerie. Insgesamt über 1000 Menschen finden Platz meist auf einzigartigen Bad Kissinger Stühlen. Auf einem modernen Stand sind seit der Sanierung Veranstaltungs-, Bühnen- und Versorgungstechnik.

Bei der Sanierung standen die Planer vor echten Herausforderungen: Das Raumgerüst mit 13.000 Kubikmetern Volumen musste vollkommen frei stehen und ein gleichzeitiges Arbeiten auf allen Ebenen ermöglichen. Lastdübel waren absolut tabu. 700 Quadratmeter große Fichtenholz-Kassettendecke wurde von 100 Kilo Staub befreit.

Im weißen Vestibül befinden sich Garderoben und sanitäre Anlagen. Marmortreppen führen in das Obergeschoss. Von hier gelangt man auch auf eine Terrasse. Deren Vordach wurde bei der Sanierung erneuert, da sie sich in einem gefährlichen Zustand befunden hat. Die 35 bis 40 Tonnen schwere Strukturdecke drohte herabzustürzen.

Stuck und Ornamentik

Der Regentenbau ist aber weit mehr als nur der prächtige Saal. Über große Flügeltüren gelangt man von dort in den Weißen und in den Grünen Saal.

Den Grünen Saal unterteilen zwei trichterförmige Säulen. Er ist 21 Meter lang und 8,5 Meter breit. Die Dekoration hat Julius Mössel geschaffen. Sie besteht aus weißgrauer Ornamentik auf grünem Grund.

Der Weiße Saal mit seinen Stuckverzierungen eignet sich besonders für kleinere Konzerte und Veranstaltungen, hier finden aber auch Trauungen statt.

Lesesäle und Schmuckhof

In diesem Trakt finden sich auch Lesesäle und Salons, die den Schmuckhof mit seiner aufwändigen Dekoration umschließen. Nach Osten, in Richtung Arkadengang, ist das Kurgarten-Café mit Küche angegliedert. Ein Vestibül erschließt diesen Teil.

Ein echtes Kleinod ist auch der Rossinisaal mit seiner freigelegten Schablonenmalerei Littmanns. Seine Bestuhlung stammt aus den 60er Jahren.

Über die Arkaden am Kurgarten gelangt man in die Brunnenhalle und von dort in die Wandelhalle. Sie ist mit fast 3300 Quadratmetern die größte Europas und wurde 1912 fertig.

Dieses denkmalgeschützte Ensemble mit seinen gepflegten, blühenden Außenanlagen ist Herz und Zentrum der Bad Kissinger Kur. Es prägt bis heute das Erscheinungsbild der Stadt.


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