Bad Kissingen
Neujahrsempfang

Bad Kissinger OB kommt kurz vor Ende, aber ohne frohe Kunde

Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm spricht beim Neujahrsempfang der Stadt über den Zusammenhalt der Gesellschaft. Mit Umfrage in den Bild-Unterzeilen.
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Bürgermeister Toni Schick (von links), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und OB Kay Blankenburg. Foto Ralf Ruppert
Bürgermeister Toni Schick (von links), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und OB Kay Blankenburg. Foto Ralf Ruppert
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Ein flammendes Plädoyer für Freiheit, Dankbarkeit und Frömmigkeit stand im Mittelpunkt des diesjährigen Neujahrsempfangs der Stadt Bad Kissingen. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ermunterte gut 250 Zuhörer zum Einsatz für die Gesellschaft. Dabei spannte er den Bogen weit über die Stadt und Deutschland hinaus: "Den Zusammenhalt unserer eigenen Gesellschaft können wir nie loslösen von der Zukunft der ganzen Welt."

Ungewöhnlich am diesjährigen Neujahrsempfang war, dass die Bürgermeister Toni Schick (DBK) und Thomas Leiner (CSU) die Vertreter aus Politik, Verwaltung, Vereinen und Wirtschaft empfingen. OB Kay Blankenburg hatte vor wenigen Tagen eine wichtige Einladung nach München bekommen. Dabei ging es offenbar um einen Investor für das frühere Steigenberger-Areal. Wenige Minuten vor Ende des Neujahrsempfangs kam er dann doch noch. "Wenn ein bayerischer Bürgermeister zum Bauminister bestellt wird, dann geht er hin", entschuldigte sich Blankenburg. Zum Ausgang des Treffens sagte der OB trotz Nachfrage jedoch nur einen Satz: "Sie sehen mich fröhlich."

Auch aus München gab es gestern keine Auskünfte: Es gebe derzeit für das Objekt "Verpachtung Kurhausbad" mehrere Interessenten, teilte das Bauministerium auf Anfrage mit, und: "Da es jedoch ein laufendes Bewerbungsverfahren ist, geben wir während der Ausschreibung keine Zwischenstände raus."

Auch Bürgermeister Toni Schick sprach das Kurhaushotel kurz an, lenkte die Aufmerksamkeit aber vor allem auf erfreuliche Projekte: Das Behördenzentrum im Luitpoldbad und der laufende Umbau des Kurhausbades wertete Schick als Zeichen für die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Freistaat. Schick sprach von gewaltigen Aufgaben, die vor der Stadt liegen, allerdings gebe es viele positive Signale wie die Rekord-Gästezahlen, die hohe Zahl an Übernachtungen und Tagesgästen oder die Unesco-Welterbe-Bewerbung. "Der Tourismus ist der wirtschaftliche Lebensnerv unserer Stadt", sagt Schick. Die Gäste rief er zur Gemeinsamkeit auf: "Wir wissen, dass die Stadtpolitik nur so stark sein kann wie die Bürgerinnen und Bürger, die sie tragen."

Was hält eine Gesellschaft zusammen? Diese Frage stellte auch Bedford-Strohm. "Die Antwort sitzt hier", verwies er auf die vielen Menschen beim Neujahrsempfang. Der Landesbischof ermunterte die Zuhörer, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen. Nicht gelten lassen wollte er die Klage über den Werteverfall. "Individualisierung heißt einfach, dass wir über viel mehr Dinge als früher frei entscheiden können", nannte er als Beispiel.

Mehrfach zitierte der Landesbischof aus Luthers Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen": Modern ausgedrückt habe Luther für Zivil-Courage und für den Einsatz für andere geworben. "So wie du beschenkt worden bist, beschenke auch die anderen", laute die goldene Regel. Liebe, Glück und Segen seien die wenigen Dinge, die größer werden, wenn man sie teile. "Wenn wir das neu entdecken, müssen wir uns um den Zusammenhalt der Gesellschaft keine Sorgen machen", endete Bedford-Strohm seine Rede.

Extra wegen des Redners war der evangelische Kantor Jörg Wöltche nach 22 Jahren im Amt heuer zum ersten Mal beim Neujahrsempfang der Stadt. Wöltche hatte den Landesbischof ebenfalls nach Bad Kissingen eingeladen - bereits im Herbst: "In der vergangenen Woche haben wir die Zusage bekommen, dass der Landesbischof 2020 zu uns kommt." Bei einem Kantaten-Gottesdienst spreche Bedford-Strohm über Beethovens 250. Geburtstag.



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