Bad Kissingen
Veranstaltung

Bad Kissinger Nacht des Sports erfindet sich neu

Die Nacht des Sport ist eine Institution in Bad Kissingen. Zuletzt schwächelte sie etwas. Deswegen bekommt die 31. Ausgabe am 23. November ein frisches Konzept. Dafür zeichnet Michael Nachemia verantwortlich.
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Michael Nachemia heißt der Cheforganisator der 31. Nacht des Sports am 23. November. Sie erhält ein stark überarbeitetes Konzept. Foto: Steffen Standke
Michael Nachemia heißt der Cheforganisator der 31. Nacht des Sports am 23. November. Sie erhält ein stark überarbeitetes Konzept. Foto: Steffen Standke

Michael Nachemia fährt an seinem Laptop die Aufzeichnung der Nacht des Sports 2018 ab, gefilmt von der Tribüne aus. Fast die ganze breite Spielfläche in der Bayernhalle fungiert als Bühne. Auf dem Sportboden oder Matten zeigen sowohl Mitglieder der TSV-Abteilungen als auch eingekaufte Showacts, was sie können. Auch werden in einem recht langen Prozedere erfolgreiche Kissinger Sportler und verdiente Funktionäre geehrt. Die Stimmung - das ist an den Zuschauern auf Bierbänken am unteren Bildrand zu erkennen - springt selten über. Erst recht, weil Umbauphasen das Programm unterbrechen. Zwischen Akteuren und Zuschauern, so scheint es, steht eine unsichtbare Mauer.

"Die Nacht des Sport war über die Jahre eine hochkarätige, aber inzwischen angestaubte Veranstaltung", gibt der neue stellvertretende Vorsitzende des TSV Bad Kissingen zu: Um das zu ändern, hat sich der 55-Jährige das bisherige Konzept genau angeschaut. Und Schwachpunkte entdeckt, die es zu ändern galt.

Viel zu große Spielfläche

Als Ursache für die Distanz zwischen Auftretenden und Zuschauern identifizierte Nachemia die viel zu breite, die ganze Halle einnehmende "Bühne". Gegen diese Größe anzuspielen, sei schwer. Dazu das durch Ehrungen und Umbauerei ausgewalzte Programm. Die Idee des TSV-Vize: eine wesentlich kleinere "Spielfläche" und ein geraffter Ablauf.

Das bedeutet konkret: Die Bayernhalle wird in zwei Bereiche aufgeteilt. Links die "Manege", eine quadratische, sechs bis acht Meter breite Spielfläche, um die sich an drei Seiten die Zuschauertribüne und Sitzgarnituren gruppieren. Der der Tribüne gegenüberliegende Bereich bleibt frei und kann bei Bedarf als etwas breitere Auftrittsfläche genutzt werden, zum Beispiel wenn die Turner ihre Sprünge und Flickflacks unternehmen. Die im Vergleich zu vorher nur halb besetzte Tribüne fasst zwar nur bis zu 350 Zuschauer. Doch dieser Mangel wird durch rund 300 Plätze auf den Bierbänken und Stühlen unmittelbar an der Spielfläche ausgeglichen. Ganz wie in einem Varieté.

Der rechte Teil der Halle wird zu einer Art "Marktplatz" ausgebaut. Dort werden die Zuschauer willkommen geheißen, mit Essen und Getränken versorgt. Und dort werden auf einem Podest jeweils vor dem ersten und zweiten Show-Block die Sportler geehrt. Nachemia hofft so, die Langatmigkeit des Programms aufbrechen zu können: 20 bis 25 Minuten Ehrung mit paralleler Verköstigung, dann eine jeweils dreiviertel- bis einstündige mitreißende Sportshow in der Manege.

Allein ersonnen hat der TSV-Vize das Konzept nicht. Der 55-Jährige holte sich Hilfe bei Peter Bethäuser vom Circus Luna aus Langendorf bei Hammelburg. Deswegen trägt das Show-Programm starke Züge einer Varieté-Vorstellung. Die eingekauften Showacts bleiben. Laut Nachemia sind das teils Absolventen der staatlichen Schule für Ballett und Artistik in Berlin, organisiert über den Circus Luna.

Ein weiterer großer Showteil ist ein in der Zirkuspädagogik erprobter: Kinder aus dem TSV-Nachwuchs übten gemeinsam mit Peter Bethäuser in relativ kurzer Zeit Kunststücke ein, die ihre Eltern und Freunde bestaunen und bejubeln dürfen. Ganz egal, ob sie perfekt sind oder mal etwas daneben geht.

Ansonsten gilt Nachemia zufolge wie bei früheren Sportnächten: "Was die Abteilungen machen, ist deren Sache; da sollen sie ihre Sportart präsentieren, um Interessenten zu gewinnen." Die Auftrittszeiten sollen jedoch im Rahmen bleiben. "Zehn Minuten beispielsweise nur Turnen sind zu lang. Fünf bis sieben Minuten für einen Act reichen."

Durch die Zweiteilung der Halle ersparen sich die Organisatoren zeitraubende Umbauten. Die Zuschauer wechseln von einem in den anderen festinstallierten Bereich - vom Marktplatz in die Manege - und andersrum. Für einen flüssigen Ablauf soll der Showteil ohne große Anmoderationen auskommen. "Im Fokus der Show steht der Gast. Er soll unterhalten werden."

Blankenburg wollte Änderungen

Den Anstoß, das Nacht-des-Sports-Konzept zu ändern, gab Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Im Gespräch nach der Show 2018 mit der neuen Vorsitzenden Claudia Lachmann wünschte er sich, die Veranstaltung 2019 anders aufzuziehen. Die Stadt Bad Kissingen war einst Impulsgeber für das Eh-rungs-Event; alljährlich zeichnet sie dort ihre erfolgreichen Sportler aus. Deswegen bleibt der Block auch 2019 bedeutend.

"Mir hat dieser Wunsch viel Rückenwind gegeben. Im Verein war eine Entwicklung angestoßen. Das Konzept konnte gemeinsam entwickelt werden", sagt Nachemia, der Anfang des Jahres "nur" Beisitzer war und "das erste Mal die Gelegenheit bekam, etwas durchzuziehen".

Der Unternehmer aus der EDV-Branche will nicht falsch verstanden sein. Das Konzept, das die frühere Vorsitzende Hannelore Schön "im Wesentlichen alleine geplant und organisiert" habe, sei "gut gemeint und gut gemacht" gewesen. Nun sei es aber Zeit für moderate Veränderungen. Vorbehalte - berichtet Nachemia - erfuhr er anfangs weniger von außen, als aus den Reihen im TSV. "Da gab es Skepsis, dem Circus Luna die Show alleine zu überlassen. Manche zweifelten, ob man einen ganzen Zirkus in die Bayernhalle reinbekommen kann."

In der Tat trug sich Nachemia mit dem Gedanken, dort sogar ein Zirkuszelt aufzustellen, verwarf ihn aber. Alles wollte er nicht auf einmal ändern. So rückte der Verein von der Idee ab, die Nacht des Sports zum Beispiel im Tattersall, dem Theater oder beim Circus Luna zu organisieren.

Gleich bleiben die Eintrittspreise. Michael Nachemia hält das neue Konzept für Jahre tragbar, aber auch entwicklungsfähig. "Natürlich muss man das Risiko eingehen, dass man Dinge verschlimmbessert. Aber wenn alle an einem Strang ziehen, wird es in der Regel gut."

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