Bad Kissingen
Jugendarbeit

Bad Kissinger Jugend wird wieder befragt

Die Jugend des Landkreises Bad Kissingen wird "gläsern": Erstmals seit 1999 führt das Jugendamt wieder eine Befragung durch. Vor 14 Jahren waren 70 Ehrenamtliche mit Fragebögen unterwegs, dieses Mal geht alles online und viel schneller.
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Darüber informierte Melanie Schäfer des Jugendhilfeausschuss des Kreistags ausführlich. Landrat Thomas Bold (CSU) lobte, es sei "bisher wirklich toll gelaufen".

Seit 1999 hat sich eine Menge geändert: Die Zahl der Jugendlichen und Heranwachsenden zwischen zwölf und 22 Jahren im Landkreis ist von 14.109 auf nur noch 11.528 gesunken. Die dramatischsten Rückgänge hat es in Riedenberg (minus 37,4 Prozent) und in Wildflecken (minus 30,8 Prozent) gegeben.

Mehr als 1100 machten mit

Junge Menschen "ticken" heute anders als um die Jahrhundertwende. Deshalb konnte nur ein Teil der Fragen von "damals" übernommen werden. Wie Melanie Schäfer sagte, hat die Arbeitsgruppe Fragebogen bei acht Sitzungen einen aktualisierten Katalog erarbeitet. Er umfasst 16 Seiten, 34 Rubriken und zahlreiche Themen von A wie Ausbildung und Alkohol bis Z wie zeitliche Belastung und Zocken.

Für ein repräsentatives Ergebnis müssen zehn Prozent der Zielgruppe mitmachen. Das wären 1200. Schon am ersten Tag antworteten 360 der Angeschriebenen, sagte Melanie Schäfer. 894 waren es bis 5. Mai. Dann wurden 700 weitere Jugendliche aufgefordert. Bis jetzt seien 1107 Antworten eingegangen, 93 fehlen also noch. Die Frist endet am 28. Mai.

Nur drei, so Melanie Schäfer, hätten die Bearbeitung abgebrochen, die im Schnitt etwa 24 Minuten erfordere. Unter den Teilnehmern werden mehrere iPhones und iPads verlost. 1999 lockte man noch mit CD-Playern.
Bis Mitte/Ende Juni soll die Befragung abgeschlossen sein. Danach werden die Daten auf eine spezielle Software übertragen. Im September starten die Auswertungen, voraussichtlich im November werden die ersten Ergebnisse zur Diskussion im Jugendhilfeausschuss vorliegen.

Qualitätssiegel als Lohn

Jugendamtsleiter Siegbert Goll informierte über den Sachstand bei der Initiative "Bildungsregion in Bayern", an der sich der Landkreis beteiligt. Die Aktion ruht auf fünf Säulen, in denen sich etliche Unterarbeitskreise mit Fachleuten aus den verschiedensten Bereichen gebildet haben. In einem einjährigen Prozess soll ein passgenaues Konzept erarbeitet werden. Es hat den Ausbau und die Sicherung eines umfangreichen und differenzierten Bildungsangebot im Landkreis zum Ziel. Die Auftaktveranstaltung im Februar sei ein voller Erfolg gewesen. Nach Angaben von Siegbert Goll ist man auf einem guten Weg, was die Regierung von Unterfranken ausdrücklich bestätigt habe.

Nach einem zweiten Dialogforum soll die etwa zehnseitige Bewerbung bei der Schulaufsicht eingereicht werden. Das Gesamtkonzept der Bildungsregion ist mit 50 Seiten umfangreicher. Bei einer positiven Bewertung gibt es ein Qualitätssiegel.

Hilfe für behinderte Schüler

Siegbert Goll stellte außerdem zwei Neuerungen vor, die einhellig Zustimmung gefunden haben. Im Aufbau sind die Projekte "Schulbegleitung" und "Integrative Kindertagespflege". Beide Aufgaben soll das Generationen-Netz Landkreis Bad Kissingen e. V. übernehmen.

Von der "Schulbegleitung" sollen Kinder mit seelischer Behinderung profitieren. Ihr Eingliederungsbedarf im Schulalltag wird abgedeckt.Das geht von Aus- und Einräumen der Schultaschen bis zur Unterstützung bei der Kommunikation mit den Lehrkräften und Mitschülern.

Das Jugendamt, so Siegbert Goll, sehe zunehmende Bedeutung und wachsende Nachfrage im System schulischer Inklusion. Aufbauen wolle man auf dem qualifizierten Personal der Tagespflegemütter und der Familienbegleiterinnen. Die ersten fünf Personen werden noch im Mai ihre Ausbildung beenden.

Tagespflegepersonen im Einsatz

Die "Integrative Kindertagespflege" ist nach Angaben von Siegbert Goll eine Pflichtaufgabe des Jugendamts. Im Zuge des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr werde sie ab August zunehmende Betreuung und Nachfrage erfahren. Mehrfach behinderte Kinder bedürften einer ergänzenden Betreuung, wenn ihre Eltern dazu nicht in der Lage sein sollten. Eine Verwaltungsvereinbarung mit dem Bezirk Unterfranken als Sozialhilfeträger soll eine möglichst günstige und praktikable Lösung ermöglichen. Das Jugendamt wolle dabei auf den Einsatz der Tagespflegepersonen zurückgreifen.

Auf Rekordniveau

Drei "Rekorde": Insgesamt 178 Seiten umfassen Geschäfts- und Jahresbericht 2012 für das Jugendamt und erstmals musste der Landkreis mehr als sechs Millionen Euro (Vorjahr: 5,31 Millionen Euro) für die Jugendhilfe ausgeben. Das Defizit erreichte mehr als 4,69 Millionen Euro (3,65 Millionen Euro). Darüber informierte Siegbert Goll . Auf Anraten von Landrat Bold ("ich gehe davon aus, Sie haben das alle sehr intensiv durchgearbeitet") fasste er sich relativ kurz. Bold sagte, von Jahr zu Jahr werde die Arbeit der Behörde mehr und vielschichtiger. Die Aufwendungen hätten sich dramatisch nach oben entwickelt. Dieser Bereich sei auch finanziell eine große Herausforderung. Der Ausschuss nahm die beiden Berichte einstimmig und schweigend zur Kenntnis.

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