Bad Kissingen
Denkmal-Tag

Bad Kissingens Bootshalle war einst ein Café

Zum ersten und einzigen Mal ist am Sonntag das ehemalige Café Neptun in Bad Kissingen geöffnet, in dem sonst die beiden Dampferle überwintern. Der Stadtheimatpfleger hat heuer problematische Denkmäler ausgesucht.
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Marc Häpp erneuert vor dem Denkmaltag die Warnstreifen rund um die Wartungsschächte für die Boote. Fotos: Ralf Ruppert
Marc Häpp erneuert vor dem Denkmaltag die Warnstreifen rund um die Wartungsschächte für die Boote. Fotos: Ralf Ruppert
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Unscheinbare Rolläden verbergen das ganze Jahr über an der Salinenpromenade den Blick auf die Überreste eines echten Schmuckstücks: Im Untergeschoss des Hauses Salinenstraße 47 werden seit 120 Jahren die Dampferle überwintert. Dass die Halle im Sommer einst als Café mit Biergarten genutzt wurde, weiß dagegen heute kaum mehr jemand. "Die Gruben wurden mit einem Holzboden ausgelegt", berichtet Gudrun Fischer. Und: "Das etwas abgelegene Café war vor allem bei den Angestellten der Kurkliniken angesagt." Trotzdem wurde es aber bereits Mitte der 1930er Jahre geschlossen.
1891 ließ Baumeister Andreas Lohrey den Neurenaissancebau errichten. Dass Lohrey, der unter anderem die Bad Kissinger Stadtpfarrkirche errichtet (siehe weiteren Beitrag auf Seite 3), von Anfang an mehr als eine Bootshalle im Keller plante, lässt sich an den verzierten Metallsäulen und vor allem den den Malereien ablesen: Prunkvolle Ornamente und vier Bilder mit mediterranen Motiven zierten das Café Neptun.

Motto: Jenseits des Schönen

Später wurden ohne Rücksicht auf Verluste Heizungsrohre quer über die Decke verlegt. "Das ist alles, was vom Café übrig geblieben ist", berichtet Gudrun Fischer. Die Bootshalle in dem unter Denkmalschutz stehenden Haus ist am kommenden Sonntag, 8. September, zum ersten Mal öffentlich zugänglich. Die Idee dazu hatte Stadtheimatpfleger Peter Kaidel. "Er hat das gesehen und ist auf uns zugekommen", sagt Gudrun Fischer. Von 11 bis 18 Uhr können sich Interessierte umschauen, Führungen sind allerdings keine geplant, lediglich ein Info-Punkt. Und: "Das ist vermutlich eine einmalige Aktion."
"Wir zeigen heuer, was problematisch und unbequem ist", begründet Kaidel die Auswahl für den diesjährigen Tag des offenen Denkmals. Denn: Das Motto lautet "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?". Dazu passe die Bootshalle an der Salinenpromenade: "Das Café kann man natürlich nie wieder beleben, aber es ist sehenswert."
Gleiches gelte für die anderen Objekte (siehe Info-Kasten): "Die Häuser in der Schulgasse 4 bis 7 sind unsere ältesten Häuser in der Stadt", sagt Kaidel. Drei davon befinden sich in städtischem Besitz, zwei seien wohl kaum zu retten: Der Zustand der Gebäude Nummer 6 und 7 ist so schlecht, dass Kaidel bei den Führungen lediglich Fenster und Türen öffnet: "Man kann zwar reinschauen, aber nicht reingehen", stellt er klar. Gut ins Konzept hätte laut Kaidel auch der Bad Kissinger Schlachthof gepasst, aber: "Leider haben wir für dort niemanden gefunden, der sich am Sonntag drum kümmern kann."







Bad Kissingen Fünf Objekte sind heuer am Tag des offenen Denkmals in Bad Kissingen zu sehen: Stadtheimatpfleger Peter Kaidel führt um 12, 14 Uhr und 16 Uhr durch das "Ziegler-Haus"/ "Reichenbacher Hof" neben dem Rathaus. Die "Kleinen Häuser" in der Schulgasse 6 und 7 können Interessierte um 11, 13 und 15 Uhr anschauen, allerdings sind dort die oberen Stockwerke nicht begehbar. Das Haus Schulgasse 4 mit der Ausstellung von Lothar Gärtner ist durchgehend von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Turniergebäude in der Au und dem ehemaligen Café Neptun an der Salinenpromenade befinden sich Info-Punkte. Nicht geöffnet ist entgegen der Ankündigung im offiziellen Programm der Bad Kissinger Schlachthof.

Landkreis Im Programm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sind außerhalb Bad Kissingens im Landkreis nur zwei Objekte aufgeführt: In Münnerstadt wird der frisch restaurierte und vom Altstadtverein eingehauste Bildstock im Novizengarten um 11.30 Uhr übergeben. Im Oberthulbaer Gemeindeteil Hassenbach ist das Gemeindehaus, die ehemalige Kaplanei, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Außerhalb des offiziellen Programmes präsentiert der Münnerstädter Heimatverein eine Ausstellung über jüdisches Leben und die Museen auf Schloss Aschach bieten Sonderführungen an.

Region Dieter Stockmann leitet eine Führung auf der "Strecke 46", den Resten der geplanten Autobahntrasse. Beginn ist um 10 Uhr am Parkplatz Bettlersruh an der Verbindungsstraße Roßbach-Burgsinn. Geöffnet sind zudem das Radom auf der Wasserkuppe, das Fränkische Freilandmuseum in Fladungen, die alte Heubacher Synagoge und die Kirchenburg in Ostheim.

Info Das Gesamtprogramm gibt es unter www.tag-des-offenen-denkmals.de. Flyer zum Denkmal-Tag in Bad Kissingen liegen in der Touristinfo aus.
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