Bad Kissingen
Tourismus

Bad Kissingen: Weg vom angestaubten Image

Beim Marketing von Stadt und Staatsbad hat sich viel getan. Dass man sich modern präsentiert, fällt auch Kissingens Botschafterin Sanny van Heteren auf.
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Ein Gast liest an der interaktiven Infostele im Kurgarten. Foto: Benedikt Borst
Ein Gast liest an der interaktiven Infostele im Kurgarten. Foto: Benedikt Borst
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Seit fünf Jahren wirbt Sanny van Heteren ehrenamtlich als Botschafterin für die Kur- und Gesundheitsstadt. Die Schauspielerin ist viel international unterwegs, sie lebt in Los Angeles und Berlin, ihr Freund kommt aus Spanien. Weil sie vor fünf Monaten zum ersten Mal Mutter wurde, will sie es beruflich langsamer angehen lassen. Die Zeit mit Söhnchen Atlantis will die 41-Jährige genießen. Deshalb besucht die Familie Bad Kissingen diesmal nicht nur kurz, sondern plant, länger zu bleiben und sogar den Wohnsitz hier zu melden. "Bad Kissingen ist der richtige Ort zum Anhalten", meint van Heteren.

Gute Entwicklung in der Stadt

Sie genießt die Ruhe und die kurzen Wege in der Stadt, die weitläufigen Parkanlagen und die Promenaden. "Durch das ganze Reisen und dadurch was ich alles erlebt habe, habe ich gelernt, wie wichtig das simple Leben ist", sagt sie. Außerdem sei sie hier flexibel. Je nach Bedarf könne sie zum Arbeiten kurzfristig nach Berlin, Hamburg oder München reisen. An der Saale arbeitet sie ansonsten nebenher an ihrem Blog, in dem sie über ökologische und nachhaltige Trends schreibt.

Dass Bad Kissingen inzwischen Teil des Fairtrade-Städte-Netzwerks ist und dass es im Gesundheitstourismus auf mentale Gesundheit und gesunden Lebensstil setzt, findet die Botschafterin eine gute Entwicklung. Der Badeort sei in den vergangenen Jahren moderner und jünger geworden. "Ich merke viel Energie und junge Leute. Es gibt viele neue Läden. Ich war erstaunt, wie viel sich getan hat", lobt van Heteren.

Verstaubte Kur

Van Heteren ist selbst ein Bestandteil in Bad Kissingens Bemühen, sich modern zu vermarkten. Nicht lange nachdem sie zur Botschafterin ernannt wurde, starteten die bayerische Staatsbad GmbH und die Stadt einen Markenprozess. Heraus kam 2015 ein neues Logo, ein neues Design und ein neuer Slogan ("Entdecke die Zeit"), mit denen seitdem für den Kurort geworben wird. "Das war eine Überprüfung: Wo will Bad Kissingen hin", erklärt Kathrin Betzen, Leiterin der Marketing-Abteilung bei der Staatsbad. Und die war dringend notwendig. "Das Thema Kur war angestaubt. Und der alte Claim ,Bad Kissingen - ein königliches Vergnügen' war auch angestaubt", erzählt die Touristikerin weiter.

Bad Kissingen sollte nicht von heute auf morgen zu einem hippen Badeort umgebaut werden. Die Aufgabe lautete vielmehr, die älteren Stammgäste (zumeist 75 Jahre und älter) nicht zu verprellen und neue, jüngere Zielgruppen zu erschließen: Singles zum Beispiel, Paare ohne Kinder oder Paare, bei denen die Kinder bereits wieder aus dem Haus sind. Es ging um Leute, "die sich auf sich besinnen und etwas für sich tun wollen". Die sollen mit der Spezialisierung auf mentale Gesundheit und gesunden Lebensstil erreicht werden.

Die Neuausrichtung hat die Staatsbad mit dem Rathaus und dem Stadtrat abgestimmt, außerdem waren Vertreter aus der Gesundheitsbranche beteiligt. "Es ist wichtig, ein klares Profil für den Standort zu schaffen, das alle mittragen", sagt Kurdirektorin Sylvie Thormann. Eine klare Wahrnehmung in der Werbung sei notwendig, um sich deutlich von anderen Gesundheitsorten abzugrenzen. Und das auf allen Kanälen, auf denen geworben wird, von der Zeitungsanzeige bis zur interaktiven Infosäule im Kurgarten.

Open-Airs und aufpolierte Flyer

Zur Verjüngungskur gehört außerdem die neue Tourist-Info, die im Frühjahr in Betrieb genommen wurde. Ansonsten hat die Staatsbad GmbH in den vergangenen Jahren das Veranstaltungsangebot jünger gemacht, etwa mit den Open-Air-Konzerten im Luitpoldpark. Des Weiteren wurden die Bad Kissingen-Homepage, Broschüren, Kataloge und Flyer mit dem neuen Design und zeitgemäßer Sprache aufpoliert.

Stadt und Staatsbad betreuen gemeinsam die Homepage badkissingen.de. Mit der Neuausrichtung hat sich folglich nicht nur der Online-Auftritt gegenüber den Gästen geändert, sondern auch der gegenüber den Bürgern. Sie präsentiert sich klar gegliedert, mit lockerem Aufbau. Eine deutliche Verbesserung, findet Thomas Hack, der im Rathaus den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit leitet. "Wir haben viel Aufwand getrieben, dass das optisch übersichtlich ist", sagt er. Und dass alle Informationen kompakt präsentiert werden.

In der alphabetischen Stichwortsuche sind alle Dienstleistungen zu finden, die die Stadt anbietet. Im Bürgerservice können Angelegenheiten direkt online erledigt werden. Beispielsweise lassen sich per Mausklick Geburts-, Sterbe- und Eheurkunden beim Standesamt beantragen. Hin und wieder kommt es vor, dass einzelne Informationen fehlen oder nicht 100-prozentig aktuell sind. So wurde monatelang für das Aktionsbecken im Freibad geworben, obwohl es schon abgerissen war. Die Homepage werde aber dauernd optimiert, versichert Hack. "Die Website ist ein dickes Buch, das wir immer weiterschreiben", sagt er.



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