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Bad Kissingen
Mobilität

Bad Kissingen: Unterschriften für besseres Radwege-Netz

Mehr als 600 Unterschriften hat Peter Bretscher bislang gesammelt, für bessere Radwege. Rathaus und Stadtrat beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema. Ein Problem sind zu enge Straßen.
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Peter Bretscher setzt sich für ein besseres Radwegenetz in der Kurstadt ein. Benedikt Borst
Peter Bretscher setzt sich für ein besseres Radwegenetz in der Kurstadt ein. Benedikt Borst

Seit einigen Wochen sammelt Peter Bretscher schon Unterschriften: in Kindergärten und Schulen, in Vereinen und auf Supermarktparkplätzen. Der 76-jährige Arnshäuser findet, dass Radfahrer in der Stadt stiefmütterlich behandelt werden, und dass das Radwegenetz besser ausgebaut werden müsste. "Ich fahre, wenn es geht mit dem Rad. Ich bin mit dem Rad schneller in der Stadt, muss keinen Parkplatz suchen und kann es direkt an Geschäften oder beim Arzt abstellen", sagt er. Radfahren reduziere den Autoverkehr und entlaste somit die Parksituation in der Innenstadt. Radfahren ist umweltfreundlich, gut für die Gesundheit, "bei fehlenden Radwegen aber gefährlich", sagt er.

Der Rentner findet, dass beim Klimaschutz nicht nur die große Politik gefordert ist, sondern jeder im Kleinen einen Beitrag leisten müsse. Also hat er begonnen, Unterschriftenlisten für "mehr umweltfreundliche Radnutzung" auszulegen. Wie er berichtet, unterstützen bislang mehr als 600 Menschen seine Forderung nach einem umfassenderen Radwegenetz in der Kernstadt.

Initiativkreis angedacht

Bretscher will nach eigenen Worten nicht vorschreiben, wo konkret ein Radweg hingehört. Er wolle Stadtrat und Verwaltung dazu bringen, Radwege bei den Planungen für große Baumaßnahmen grundsätzlich zu berücksichtigen.

Ziel müsse sein, dass Radfahrer sicher in der Stadt unterwegs sein können, ohne Verkehrsregeln zu verletzen - weil es zum Beispiel manchmal ungefährlicher ist, auf dem Gehweg zu fahren, als auf der Straße. Das Radwegenetz müsse außerdem dafür sorgen, dass Radfahrer nicht in Konflikte mit Fußgängern geraten und nicht den Autoverkehr behindern. Sobald Bretscher seine Unterschriften der Stadt übergeben hat, hofft er, dass sich ein Initiativkreis aus Freiwilligen findet, der mit der Verwaltung Ideen für das Radwegenetz erarbeitet.

In den vergangenen Jahren hat sich innerstädtisch in Bezug auf Radwege nicht allzu viel getan. Die Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen, scheint aber zuzunehmen, findet Grünen-Stadtrat Richard Fix. Er freut sich über die Initiative Bretschers und wäre auch bereit, sich in den Initiativkreis einzubringen. "Jede Maßnahme, die Radfahren in der Stadt unterstützt, kann ich nur gutheißen", sagt er. Fix setzt sich bereits seit Jahren für das Thema ein. Jetzt hat er da auch Unterstützung von anderen Fraktionen bekommen. Fix, Martina Greubel (CSU) und Bernhard Schlereth (Freie Wähler) stellten im Bauausschuss vor Kurzem Ideen vor, wie der Radverkehr verbessert werden kann.

Ost-West-Verbindung

Zentrales Anliegen ist für Fix: "Wir müssen es schaffen, in der Stadt eine Ost-West- (also vom Sinnberg nach Garitz, Anm. d. Red) und eine Nord-Süd-Verbindung (von Hausen in Richtung Arnshausen) einzurichten." Gut geeignet für die Ost-West-Verbindung sind seiner Ansicht nach Max-, Kapellen- und Ludwigstraße. Für die Nord-Süd-Verbindung schlägt er die Theresienstraße vor. "Ein Manko ist, dass die Gehwege oft nicht breit genug für kombinierte Geh- und Radwege sind", sagt der Stadtrat.

Schmale Straßen als Problem

Auch auf den Straßen ist es oft nicht so einfach machbar, einen Radweg zu markieren, erklärt Stadtplanerin Christine Schwind. Die Schönbornstraße hält sie für eine Radverbindung zum Beispiel für sinnvoll. "Wir kriegen es dort aber nicht hin", sagt sie. Der Gehweg ist zu schmal für einen kombinierten Rad- und Fußweg. Die Fahrbahn lässt einen Schutzstreifen für Radfahrer nur zu, wenn die Parkplätze entlang der Straße wegfallen würden. Mit Parkplätzen und Radweg "wäre die Fahrbahn an der engsten Stelle vier Meter breit", erklärt Schwind. Autos im Begegnungsverkehr benötigen aber 4,50 Meter und Busse mehr als sechs Meter. Als realistisch sieht sie einen Radfahrstreifen bergauf in der Erhardstraße. "Da müssen wir Rücksprache mit der Regierung halten und uns die Kreuzungen noch einmal anschauen", sagt die Stadtplanerin.

Die Bauverwaltung hat jetzt exemplarisch die Schönborn- und die Erhardstraße untersucht. Grundsätzlich wird der Radverkehr Teil des Verkehrskonzeptes sein, das unlängst beschlossen wurde. Die Verwaltung bereitet aktuell die Ausschreibung vor. "Wir können den Radverkehr nicht isoliert betrachten", sagt Schwind. Überschneidungen etwa zum Thema Parken sind mit zu berücksichtigen. Bis das Konzept steht, wird es allerdings noch eine Weile dauern.

Die Stadtratsfraktionen betonen unisono, dass ihnen das Verkehrskonzept wichtig ist. Fix erwartet sich davon, dass es die Stadt radfreundlicher und autofreier macht. Kleine Lösungen wie in der Erhardstraße müssten allerdings vorab umgesetzt werden. Ähnlich sieht es beispielsweise Steffen Hörtler, Fraktionssprecher der CSU. "Dort wo es Lösungen gibt, müssen sie schnell angegangen werden, ansonsten kommen sie in das Konzept hinein", sagt er.

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