Bad Kissingen
Konzert

Bad Kissingen: "Toughest Tenors" und die Schlacht im Keller

"The Toughest Tenors" fochten in Bismarcks Basement mit einer tollen Instrumentierung.
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Die "Toughest Tenors" begeisterten in  Bismarck´s Basement. Foto: Hartmut Hessel
Die "Toughest Tenors" begeisterten in Bismarck´s Basement. Foto: Hartmut Hessel
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Im großen Zeh des übergeschlagenen Beines fängt es an. Zügig elektrisieren die daneben folgenden Gliedmaßen. Die Fußgelenke fangen das Wippen an. Der Nachbarin am Tisch kommt die Platte gerade recht. Die Fingerkuppen beginnen zu klopfen, fast selbstständig, aus dem Handgelenk heraus, lässt die Fingergymnastik ein Trommeln erahnen, das aber nur zu spüren ist, nicht zu hören. In Bismarck´s Basement, dem kargen, aber sehr zweckmäßigen Keller unter dem Museum in der oberen Saline, sind solche "Rhythmusstörungen" völlig üblich, denn die räumliche Nähe zur Musik überträgt rasend schnell das ,was man glaubt in Bewegungen umsetzen zu müssen. Es gibt natürlich auch die Hirngymnastiker/ innen, denen hinter den geschlossenen Augen Melodien zu Bildern werden, die zu beschreiben ein Eingriff in das Individuum wären. Sichtbar vor dem Publikum standen die "Toughest Tenors" aus Berlin.

Als Verursacher von musikalischen Glücksgefühlen war Jazz nie Mainstream, ist jedoch spätestens beim zweiten Hinhören der Einstieg in neue Sehens- und Hörenswelten in der Unterhaltungsmusik. Ein wenig Musik-Geschichte gehört angesichts des Auftritts des hoch geachteten Quintetts schon dazu. Denn ohne Jazz kein Pop und Rock. Jede Entwicklung in den letzten fast 150 Jahren hatte ihre Besonderheiten und wurden mit Markennamen (Dixieland, Modern Jazz) versehen. Die Einordnung ist schwierig, fest steht, dass "The Toughest Tenors" sich einer einer klassischen Variante des Jazz verschrieben haben, die schon früher ein en vogue war.

Erotisch klingendes Blasinstrument und Sax-Battle

Im Mittelpunkt der " taffen Tenöre" aus der Hauptstadt waren die beiden Tenor-Saxophone mit den Interpreten Bernd Suchland und Patrick Braun. Beiden gelang es auf Anhieb, den Fokus auf ihre spielerische Auseinandersetzung mit dem so erotisch klingenden Blasinstrument zu lenken, was sich bei wenigen Stücken zu einer Art Sax-Battle entwickelte. Erst aufschreiend-grell, dann wieder entgegenkommend -vereinnahmend, nichts wurde im Repertoire ausgelassen. Die flachen Hierarchien in der Combo boten dem Pianisten Dan-Robin Matthies, Drummer Ralf Ruh und dem Bassisten Sidney Werner genügend Freiraum, sich mit hervorragend arrangierten Soli auf die Podestplätze zu spielen.

Unaufgeregte Instrumentierung

Die Besetzung lebt mit der unaufgeregten Instrumentierung, mit einem Schlagzeuger, der das klassische Metier mit Sticks, Schlägel und Besen beherrscht und seine Leute überaus behutsam und selbstbestimmt führt. Ein Jazz-Drummer, der seine Soli in den Keller hinein kracht, aber keinen Mediator braucht, weil der Rhythmus allemal unter der Schmerzgrenze liegt. Für den Bassisten gilt das genauso, auffällig ist von Anfang an das Kuscheln von dem hochgewachsenen Sidney Werner mit seinem Zweimeter-Instrument. Ist eine Quasiumarmung spieltechnisch vorgegeben, findet sich das Ohr des Wuschelkopfs immer wieder am Hals des Instruments, als ob es da noch extra was zu hören gibt. Dem Zuschauer schmerzen bei den fantastischen Soli die Finger, wenn Sidney scheinbar mühelos die Saiten streicht oder zupft.

Dan- Robin Matties hat nicht immer einen Flügel vor sich, wenn er mit "The Toughest Tenors" unterwegs ist. Das ist schon eine qualitative Besonderheit in Bismarcks altem Kofferkeller, und der Pianist genoss es sichtlich. Leicht über die Tasten fliegend und auch mal "den Punkt" im Nachhall setzend, war Dan Robin Matties, der ein wenig an Charles Aznavour in dem Klassiker "Schießen Sie auf den Pianisten" erinnert, ein Meister in den Läufen und den Übergängen. Er bringt die Instrumente wieder zusammen und überlässt es den anderen, die instrumentalen Schlachten zu schlagen.

Hochprofessioneller Konzertabend

"The Toughest Tenors" waren bereits 2012 im angesagten Kissinger Jazztempel. Diesmal empfand es Bernd Samland in seiner Moderation "etwas hell und hallig", was wohl auf die ungewöhnlich überschaubare Zuhörerschar zurückzuführen ist. Doch der Begeisterung über einen hochprofessionellen Konzertabend tat das keinen Abbruch. "Alle guten Dinge sind Drei". Also in kürzerem Abstand wiederkommen.

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