Bad Kissingen
Kongress

Bad Kissingen stand im Zeichen des Wandels

Mehr als 1000 Teilnehmer kamen zur viertägigen Heiligenfelder Veranstaltung nach Bad Kissingen zum Thema "Kairos - Den Wandel gestalten".
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Der Journalist Franz Alt bei seinem Plenumsvortrag auf dem Heiligenfelder Kongress. Im Hintergrund ist er mit dem Friedensnobelpreisträger Dalai Lama zu sehen. Beide verbindet eine langjährige Freundschaft. Foto: Kai Fraass
Der Journalist Franz Alt bei seinem Plenumsvortrag auf dem Heiligenfelder Kongress. Im Hintergrund ist er mit dem Friedensnobelpreisträger Dalai Lama zu sehen. Beide verbindet eine langjährige Freundschaft. Foto: Kai Fraass
Etwa 70 Referenten sprachen vor den über 1000 Teilnehmern zum diesjährigen Thema "Kairos - Den Wandel gestalten", wobei viele von ihnen tiefer führende Workshops anboten. "Unsere Zeit ist unübersichtlich,beängstigend und kritisch" sagte Dr. Joachim Galuska, Gründer und Vorsitzender der Geschäftsführung der Heiligenfeld Kliniken, zur Eröffnung des Kongresses. Galuska ergänzte, dass es aber auch eine Zeit voller Potenziale sei, neuer Ideen und Entwicklungen, eine Zeit von neuem und umfassendem Bewusstsein, heißt es in einer Pressemitteilung der Heiligenfeld GmbH.


Natalie Knapp absoluter Publikumsliebling

Legt man die Dauer und Intensität des Applauses als Maßstab zugrunde, dann war die Philosophin
und Autorin Natalie Knapp absoluter Publikumsliebling. Sie fesselte am Samstag die Kongressteilnehmer mit ihrem Vortrag zum Thema "Die Unsicherheit als schöpferisches Potenzial".
Knapp rief dazu auf, die Unsicherheit nicht aus der Welt verbannen zu wollen. "Wenn wir die Unsicherheit aus der Welt schaffen, verlieren wir die Freiheit, die Hoffnung, die Kreativität, das Leben
und die Polaritäten des Lebens", so Knapp. Für ihre Ausführungen bekam sie Standing Ovations.
"Next Europe - Die Zukunft Europas" lautete der Titel des Plenumsvortrags zur Eröffnung des
Kongresses am Donnerstag von Felix Unger, dem früheren Herzchirurgen und Präsidenten der "Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste" in Salzburg. "Next Europe" sei ein Thema, in dem der Wandel eine entscheidende Rolle spiele. Aus vielen kleinen Situationen, mit Blick auf das Ganze, bekomme man einen Hinweis auf notwendige Schritte für die Zukunft. Der Wandel muss laut Unger in der Gesellschaft stattfinden. Ein besonderer Dorn im Auge sei ihm die Bürokratie. Er bezeichnete sie in seinem Vortrag als "die Züchtigung der Niemande".


"Der Zug kommt kein zweites Mal"

"Kairos - Die erfüllte Zeit" war das Thema des Plenumsvortrags am Freitag von Claus Eurich
(Professor für Journalismus an der TU Dortmund und Kurator der Stiftung Bewusstseinswissenschaften). Unter anderem ging er in seinen Ausführungen auf ein "Kairos förmiges Leben" ein. "Irgendwann kommt der Zug deines Lebens. Du musst immer mit gepackter Tasche am Bahnhofsgleis stehen. Der Zug kommt kein zweites Mal", sagte Eurich. Der Unternehmer Bodo Janssen ließ in seinem Vortrag "Die Zeit als Präsent" an seinen Erfahrungen teilhaben. "Ich habe
gelernt, nicht meinen Terminen Prioritäten zu setzen, sondern meinen Prioritäten Termine", so
Janssen.

Den Abschluss-Plenumsvortrag "Lust auf Zukunft - Wie wir die Wende schaffen", hielt der
Journalist Franz Alt, der im Juli seinen 80. Geburtstag feiert. Von Ruhestand kann
bei ihm keine Rede sein. Unerlässlich setzt er sich gegen den Klimawandel und für die Nutzung erneuerbarer Energien ein. "Wir organisieren unser eigenes Ende, wenn wir so weitermachen", sagte
er in seinem Vortrag. Und wir seien die erste Generation, die dem lieben Gott ins Handwerk pfusche,
kritisierte er. Die Risse im Grönland-Eis seien die Vorzeichen dafür, dass der Meeresspiegel
steige. "Bangladesch liegt nur drei Meter über dem Meeresspiegel. Die Bevölkerung dort hat keine
Chance", sagte Alt. Die Hälfte dieses Landes werde zum Ende des Jahrhunderts nicht mehr bewohnbar sein. "Wir müssen die Energie vom Chef (gemeint ist Gott) selbst, also von der Sonne nutzen", fordert er. Dennoch sieht der Journalist nicht nur schwarz: "Probleme, die Menschen
geschaffen haben, sind immer auch von Menschen lösbar."

Bei den über 1000 Teilnehmern des Kongresses handelte es sich um branchenspezifisches Fachpublikum, Ärzte, Therapeuten und interessierte Laien. Von der wichtigsten Tagung der Kurstadt
profitiert auch die heimische Wirtschaft, so die Pressemitteilung. Die Akademie Heiligenfeld als Veranstalter stellt keine Zimmerkontingente zur Verfügung, sondern teilte den Kongressteilnehmern bereits im Vorfeld mit, sich ihre Unterkünfte selbst zu suchen.


Schon knapp 400 Anmeldungen für 2019

Die Leiterin der Akademie Heiligenfeld, Anita Schmitt, zieht ein positives Resümee: "Der Kongress
war wieder einmal großartig. Wir hatten eine einzigartige Atmosphäre mit Menschen, die ihr Leben bewusst gestalten und etwas Positives bewegen möchten." Die Referenten seien alle sehr gut
gewesen und konnten den Kongressteilnehmern neue Impulse geben. Und: Nach dem Kongress ist
vor dem Kongress. Dieser findet unter dem Titel "Achtsamkeit: Evolution - Bewusstsein - Menschen
vom 16. bis 19. Mai 2019 in Bad Kissingen statt. Knapp 400 Teilnehmer haben sich dafür bereits
direkt beim diesjährigen Kongress angemeldet.


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