Bad Kissingen
Konsum

Bad Kissingen: Mit Tupperdose an der Frischetheke

Richard Fix und Jutta Wittmann bringen Dosen für Wurst und Käse mit. Sie starteten eine Umfrage, wo sie in Kissingen verpackungsfrei einkaufen können.
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Käse kommt bei Richard Fix und Jutta Wittmann nicht in die Tüte - sondern in die Tupperdose. Foto: Benedikt Borst
Käse kommt bei Richard Fix und Jutta Wittmann nicht in die Tüte - sondern in die Tupperdose. Foto: Benedikt Borst
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Jutta Wittmann hat dem unnötigen Einmalkonsum privat schon lange den Kampf angesagt. Ihre Milch kauft sich die Winkelserin in Glasflaschen, Plastikverpackungen versucht sie nach Möglichkeit zu umgehen, Tragetaschen aus demselben Material werden aufgehoben und wiederverwendet. "Niemand, auch wenn er noch so öko ist, kann behaupten, dass er Plastik ganz vermeidet. Ich verwende Dinge aus Plastik so lange es geht. Bis sie nicht mehr halten und dann am Ende noch als Mülltüte", sagt die 62-jährige Diplompsychologin.

An der Frischetheke im Supermarkt hat sie immer Tupperdosen dabei. Dort hinein lässt sie sich vom Verkäufer Käse, Wurst und Fleisch packen. Die Einschlagpapiere, die Folien und die Tüten, in denen die Verkäufer die frische Ware sonst einpacken, spart sie sich. Der Umwelt zuliebe; damit nicht unnötig Wälder abgeholzt werden und die Meere mit Plastikmüll volllaufen.

Dass sie die Dosen spülen und wieder für die nächsten Besorgungen einpacken muss, macht das Einkaufen etwas umständlicher. Das nimmt sie aber gern in Kauf. "Es kostet mehr Zeit. Den Preis muss man zahlen, wenn man sich ökologisch engagieren will", findet Wittmann. Auch Grünen-Stadtrat Richard Fix versucht beim Bäcker oder an der Frischetheke auf Einmalverpackungen zu verzichten. "Beim Bäcker geht das leichter. Wenn man darauf beharrt, füllen die meisten den Laib Brot direkt in den Beutel", erzählt er.


Wo ist es in Bad Kissingen aber überhaupt möglich, sich frische Ware in mitgebrachte Behälter füllen zu lassen, welche Erfahrungen haben die Geschäfte damit, wie viele Kunden gibt es, die so einkaufen und welche Möglichkeiten sehen die Händler, den verpackungsfreien Verkauf zu fördern? Der Kissinger Öko-Stammtisch wollte es genau wissen und hat unlängst eine Umfrage unter rund 20 Lebensmittel- und Feinkostgeschäften, Supermärkten, Bäckern, Metzgern und Marktverkäufern in Bad Kissingen und Stadtteilen ausgeführt.


Nüsse, Müsli, Kaffee-to-go

"Die Resonanz war unterschiedlich", fasst Wittmann die Ergebnisse zusammen. Es gebe immerhin einige positiv Beispiele, die das Thema aktiv angehen. In Denns Biomarkt können etwa auch Nüsse und Müsli verpackungslos gekauft werden und in Papperts Bäckerei gibt es den Kaffee zum Mitnehmen günstiger, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt.

Für Direktvermarkter Michael Zeitz aus Wartmannsroth ist der verpackungsfreie Verkauf inzwischen schon Standard. Viele Kunden, die sich am Marktwagen seiner Hofkäserei mit Quark und Käse eindecken, bringen ihre eigenen Behälter mit. "Für mich ist das nicht umständlicher", sagt er. Er müsse nur darauf achten, das Tara an der Waage mit jedem Gefäß neu einzustellen, damit er die Ware korrekt abwiegt und abrechnet. Zeitz deutet auf einen Karton mit Plastikschälchen und Deckeln. "Davon brauche heute ich weniger als früher", berichtet er.

Die Mehrheit der vom Öko-Stammtisch befragten Geschäfte teilen die Erfahrung des Direktvermarkters allerdings nicht. Sie gaben häufiger an, nur selten solche Nachfragen von Kunden zu haben. Bei ein paar Läden fehlt die Nachfrage sogar ganz.

"Einige Geschäfte reagieren erst zögerlich, wenn man seine Dosen auspackt", schildert Wittmann ihre persönlichen Eindrücke. Wenn man als Kunde allerdings darauf beharrt, würde die Bitte aber in der Regel erfüllt. Dass Zögern erklärt Wittmann sich mit Hygienevorschriften, die die Verkäufer nicht verletzen wollen. "Viele sagen, sie dürfen fremde Behälter nicht hinter der Theke abstellen", berichtet sie.


Hygiene wird kontrolliert

"Zu dieser Thematik gibt es schon Leitlinien", sagt Lena Pfister, Pressesprecherin des Landratsamtes Bad Kissingen. Etwa vom Deutschen Fleischerfachverband für das Befüllen von Wurst und Fleisch in Kundenbehältnisse und vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde für Kaffee-to-go-Becher. Die Leitlinien betonen, dass es sich um eine freiwillige Entscheidung des jeweiligen Unternehmens handelt. Wichtig ist, dass die Behälter sauber sind und eine glatte, leicht zu reinigende Oberfläche haben. Im Falle von frischer Wurst und Fleisch sollen die Behälter auf die Theke gestellt werden. Der Verkäufer wiegt die Ware ab und füllt sie hinein.

Entscheidet sich ein Unternehmen, Kundenbehälter zu befüllen, trägt er dennoch die Verantwortung und hat sich an die entsprechenden Vorgaben zu halten. "Dies wird durch die Lebensmittelüberwachung im Rahmen von Routine- und Schwerpunktkontrollen auch überprüft", erklärt Pfister.
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