Bad Kissingen
Unesco

Bad Kissingen: Meilenstein für Mission Welterbe

Die Great Spas of Europe haben den Weltkulturerbe-Antrag am Dienstag unterzeichnet. Jetzt beginnt für die elf Kurorte das Warten auf die Entscheidung.
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Jetzt beginnt das Warten, bis die Unesco eine Entscheidung getroffen hat: Ist Bad Kissingen mit seinem Kurensemble, zu dem auch der Schmuckhof gehört, welterbewürdig? Bäderlandkreis/Archiv
Jetzt beginnt das Warten, bis die Unesco eine Entscheidung getroffen hat: Ist Bad Kissingen mit seinem Kurensemble, zu dem auch der Schmuckhof gehört, welterbewürdig? Bäderlandkreis/Archiv
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Seit 2010 befasst sich die Stadt mit dem Thema Unesco. Gemeinsam mit zehn weiteren europäischen Kurbädern, Karlsbad, Marienbad, Franzensbad, Spa, Baden-Baden, Bad Ems, Bath, Vichy, Montecatini und Baden (bei Wien) will Bad Kissingen Weltkulturerbe werden. Jetzt haben die "Great Spas of Europe" eine wichtige Zwischenetappe auf dem Weg genommen. Am Dienstagnachmittag waren die (Ober-)Bürgermeister und die Projektverantwortlichen der Städte sowie die Unesco-Botschafter der beteiligten Länder in der tschechischen Botschaft in Paris zusammengekommen. Die Bewerbung findet unter der Federführung Tschechiens statt.

"Die sieben Unesco-Botschafter und die Bürgermeister haben unterschrieben. Damit ist der Antrag fertiggestellt und wird bei der Unesco eingereicht", berichtete Peter Weidisch, der in Bad Kissingen für das Thema Unesco verantwortlich ist. Bei dem Dossier handelt es sich um einen echten Wälzer: 1434 Seiten und sechs Bände ist es lang und 5,3 Kilogramm schwer.

Evaluation im Sommer

"Auch wenn man Qualität nicht zählen kann, so zeigen doch diese Zahlen, wie viel Arbeit hinter dieser Bewerbung steht. Das war ein entscheidender Schritt für Bad Kissingen", sagte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) in Paris. Die wissenschaftliche Qualität des Antrags sei entscheidend. Die Great Spas müssen das Unesco-Komitee davon überzeugen, dass die europäischen Kurstädte des 19. Jahrhunderts von weltweiter Bedeutung sind.

Die Unterzeichnung des Antrags bezeichnete Weidisch als Meilenstein. Die Stimmung in der Botschaft beschrieb er als angenehm und positiv. "Wir schauen optimistisch in die Zukunft", sagte er. Gleichzeitig sei klar, dass noch viel Arbeit bevorstehe. So reist er direkt im Anschluss an die Unterzeichnung von Paris nach Bath, zu einem Arbeitsgruppentreffen.

Wie geht es mit der Bewerbung weiter? Der tschechische Botschafter übergibt die Bewerbung am 1. Februar an das Unesco-Hauptquartier. Im Laufe des Sommers stehen weitere Termine für die Bewerberstädte an. Spezialisten der Icomos, einer Beratungsorganisation der Unesco, besuchen alle Städte und nehmen sie genau unter die Lupe. "Für die Entscheidungsfindung zur Ernennung zum Unesco-Welterbe ist dies ein weiterer entscheidender Schritt", erklärt Weidisch. Mit einer Entscheidung rechnen Experten auf der Unesco-Welterbekomiteesitzung im Sommer 2020.

Vertreter für den Freistaat

Bad Kissingen als eine von drei deutschen Städten vertritt den Freistaat. Von bayerischer Seite unterstützen das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Landesamt für Denkmalpflege die Bewerbung.

Eine Anerkennung als Welterbe würde unterstreichen, "welch wertvolle Kulturschätze wir in Bayern besitzen und wie vielfältig die Traditionen sind, die uns in Europa verbinden", sagt Kunstminister Bernd Sibler (CSU). Viele Gebäude, die Bad Kissingen in die Bewerbung einbringt, sind Eigentum des Freistaats. Sie tragen deutliche Spuren von König Ludwig I. von Bayern und der Prinzregentenzeit. "Bad Kissingen ist ein Kurort par excellence, der Tradition und Moderne eindrucksvoll verbindet", lobt der Minister.

Landesamt sieht gute Argumente

Das Landesamt für Denkmalpflege hat sowohl die Stadt Bad Kissingen beraten, als auch in Fachgremien an der Bewerbung mitgewirkt. "Wir freuen uns mit der Stadt, dass der lange und durchaus aufwendige Weg jetzt mit der Einreichung des Antrags bei der Unesco in Paris einen vorläufigen Abschluss findet", sagt der oberste bayerische Denkmalschützer, Generalkonservator Mathias Pfeil. Die Great Spas repräsentieren einen innovativen Stadttyp des 19. Jahrhunderts. Sie waren einerseits auf Heilung und Entspannung, andererseits auf gesellschaftlichen und politischen Austausch ausgerichtet. Bis heute belegen die Bauten und die Stadtstrukturen dieser Orte das sehr deutlich.

Bad Kissingen habe mehrere gute Argumente, die es in die Bewerbung einbringt. Das Staatsbad stehe für die Reform-ära zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Kurbauten von Max Littmann weisen architektonisch in die Moderne. Pfeil: "Das Kurquartier ist in Bad Kissingen insgesamt sehr gut erhalten." Dazu kommen noch Besonderheiten. "Die gut erhaltenen Infrastrukturbauten, wie etwa der Schlachthof und die Tatsache, dass Bad Kissingen der einzige Ort innerhalb der Antragsgruppe ist, in dem es Anlagen zur Solegewinnung und -nutzung gibt", sagt der Generalkonservator.

Wirtschaftliche Vorteile

Eine erfolgreiche Bewerbung biete Stadt und Region konkrete wirtschaftliche Vorteile. Der Unesco-Titel kann die touristische Anziehungskraft steigern und mehr Gäste generieren. Gerade die räumliche Nähe zu bereits lang etablierten Welterbestätten in Würzburg, Bamberg und Bayreuth sind von Vorteil. Und: "Die Chance liegt dann nicht zuletzt darin, noch stärker mit dem Standort zu werben, um auch junge Menschen auf Bad Kissingen aufmerksam zu machen", sagt Sascha Gendersvon der IHK Würzburg-Schweinfurt. Die Stadt habe den Titel aufgrund seiner historischen Bedeutung und wegen des gesundheitstouristischen Umfelds verdient. Ausführliche Infos zu den Bewerbern.

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