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Bad Kissingen: Kreisjugendarbeit plant E-Sports-Turnier

An die Konsole: Der Kreis organisiert ein E-Sport-Turnier mit dem Bayerischen Fußballverband. Das Jugendamt und Sportverbände sehen das positiv, viele Kreisräte sind dagegen.
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Daniel Korn mit Fußball und Fifa-Cover. Der Jugendpfleger macht sich für ein E-Sport-Turnier  stark. Benedikt Borst
Daniel Korn mit Fußball und Fifa-Cover. Der Jugendpfleger macht sich für ein E-Sport-Turnier stark. Benedikt Borst

Das Zocken an der Spielekonsole gehört bei der DJK Schondra inzwischen dazu. Im Sportheim steht eine Playstation mit mehreren Controllern. Nach dem Fußballtraining bleiben die Spieler oft noch etwas sitzen, schmeißen die Fußballsimulation Fifa 2020 an und zocken noch ein bisschen. "Das ist eigentlich eine ganz lockere Geschichte und wird gut angenommen", meint der Vorsitzende Michael Schröter. Einmal im Jahr organisiert der Verein für sich ein Spaß-Turnier an der Konsole. An eine eigene E-Sport-Abteilung denkt bei der DJK aber noch niemand. Zum Sporttreiben geht es raus auf den Rasen, das Zocken ist mehr zum Entspannen danach.

E-Sport etabliert sich

Daniel Korn ist Jugendpfleger am Landratsamt und Geschäftsführer des BLSV-Kreisverbandes. In beiden Funktionen hat er sich zuletzt intensiv mit dem Thema E-Sport, also dem sportlichen Wettkampf mit Computerspielen, auseinandergesetzt. Das führte zu der Idee, ein landkreisweites Fifa-2020-Turnier zu organisieren. Diese Idee stellte er jetzt im Kreisausschuss vor. "E-Sport ist ein Thema, das heute in der Gesellschaft weit verbreitet ist", erklärte er. Die offizielle Bedeutung nimmt zu: Große Vereine wie der 1. FCN oder Schalke 04 haben eigene Abteilungen für E-Sport. Längst gibt es Profis, die sich ihren Lebensunterhalt mit Gaming verdienen. E-Sport als Sport anzuerkennen ist inzwischen Bestandteil des Koalitionsvertrages im Bund. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat bereits diverse Angebote wie Turniere und Liga-Systeme etabliert. Ein Ausbildungsangebot für E-Sports-Trainer und Schiedsrichter ist in Planung.

Zugang zu Jugendlichen

"Spielen tun die Jugendlichen sowieso. Die Frage ist, ob wir sie zu Hause spielen lassen oder kriegen wir sie in die Jugendräume und in die Vereine, wo sie angeleitet werden", sagte Korn. Aus Sicht von Jugendarbeit und Vereinen sprechen viele Gründe dafür, E-Sports-Angebote zu machen und so die Jugendlichen zum Zocken aus ihrem Zimmer herauszuholen. Da geht es darum, die Gemeinschaft und die sozialen Kompetenzen der Spieler zu stärken. Die Eltern wissen ihre Kinder gut betreut. Für die Jugendarbeit bietet sich eine ungezwungene Möglichkeit, Jugendliche zu erreichen, zu denen sie sonst keinen Kontakt hätte. Und: "E-Sport ist als attraktives Angebot ein Mittel gegen den Mitgliederschwund in den Vereinen", sagt Korn.

Außerdem können Trainer und Jugendpfleger Risiken entgegenwirken, etwa dem Suchtpotenzial, dem Spielen mit Geld oder Cybermobbing.

Das für Januar geplante Fifa-2020-Turnier an der Playstation ist vorgesehen für rund 200 Teilnehmer aus dem Landkreis im Alter von 12 bis 18 Jahren. Als Austragungsort kommen das Landratsamt oder das Jack-Steinberger-Gymnasium infrage. Informationsveranstaltungen für Politik, Vereine, Ehrenamtliche, Eltern und Interessierte sollen das E-Sport-Turnier ergänzen. Gespielt wird an mehreren Konsolen, die Partien werden auf Großleinwand und per Livestream ins Internet übertragen. Moderiert wird das Turnier von einem Influencer - also einer Person mit großer Bekanntheit und Reichweite in sozialen Medien. "Mit dem Projekt hätten wir eine Vorreiterrolle in Bayern", argumentiert Korn. "Der Landkreis kann sich damit als innovativ und jugendfreundlich darstellen." Die professionelle Organisation und einen großen Teil der Kosten übernimmt der BFV. 20 000 Euro zahlt der Landkreis, 10 000 Euro tragen weitere Sponsoren. Auch der BLSV unterstützt das Vorhaben.

Viel Skepsis bei Kreisräten

Viele Kreisräte lehnten die Idee geradewegs ab, etwa weil sie Jugendliche nicht noch zum Zocken ermutigen wollten. "Ich kann dem nichts abgewinnen", sagte etwa Achim Bieber (SPD). Brigitte Meyerdierks (CSU) argumentierte, dass ein E-Sport-Turnier Aufgabe der Vereine sei. Landrat Thomas Bold (CSU) sprach sich dafür aus: "Das ist ein Hilfeschrei von BFV und BLSV, um an junge Menschen heranzukommen." Auch Walter Gutmann, CSU-Kreisrat und BLSV-Funktionär, machte sich für das Turnier stark: "Es geht um Begeisterung. Das Ganze ist ein Thema der Jugend und ich glaube, dass wir gut daran tun, das zu unterstützen und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen."

Die Entscheidung fiel denkbar knapp aus: Mit 7:6 Stimmen entschied sich der Kreisausschuss für das Turnier.

E-Sport in Deutschland

Spieler Laut E-Sport-Bund Deutschland gibt es hierzulande drei Millionen E-Sport-Begeisterte. Der Verband geht von 40 000 bis 150 000 losen Teams (sogenannte "Clans") aus. Genaue Zahlen sind schwer zu fassen, weil sich die digitale Sportbewegung fast ausschließlich über Online-Strukturen entwickelt hat. Weltweit wurden 2018 rund 865 Millionen US-Dollar mit E-Sport umgesetzt.

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