Bad Kissingen
Gericht

Bad Kissingen: Hitlergruß auf dem Rakoczy-Fest hat ein juristisches Nachspiel

Ausgerechnet eine Polizistin hatte den illegalen Gruß einer jungen Frau gehört. Es war nicht das erste Mal, dass die 19-Jährige auf diese Weise auffiel.
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Vor dem Amtsgericht Bad Kissingen musste sich eine 19-jährige Auszubildende verantworten. Sie hatte den Hitlergruß gezeigt. Annett Lüdeke
Vor dem Amtsgericht Bad Kissingen musste sich eine 19-jährige Auszubildende verantworten. Sie hatte den Hitlergruß gezeigt. Annett Lüdeke

Es war um zwei Uhr in der Nacht, als eine betrunkene junge Frau beim Rakoczy-Fest in der Weingasse einer Gruppe aus drei jungen Männern im Vorbeigehen ein "Sieg heil" entgegen schleuderte. Eine junge Beamtin hörte dies aus einem Seitenhof und schritt ein. Es folgte eine Anzeige.

Wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen musste sich die 19-Jährige Auszubildende zur Hotelfachfrau jetzt vor dem Amtsgericht Bad Kissingen verantworten. Auch das Entbieten des Hitlergrußes stand nach der Vernehmung anderer Zeugen am damaligen Tatort in der vom Staatsanwalt verlesenen Anklageschrift. Doch das konnte die Polizistin als einzige geladene Zeugin aus eigener Anschauung nicht bestätigen.

Die Frau sei in Begleitung einer Freundin unterwegs gewesen und habe stark geschwankt, erinnerte sich die Polizistin im Zeugenstand. Ein bisschen habe die Ertappte gemeckert, als die Polizei sie zur Seite nahm. Ein Alkoholtest habe knapp zwei Promille ergeben. Allerdings sei die Täterin noch so fit gewesen, dass man sie Aufnahme der Personalien und einem Platzverweis weiter ziehen ließ.

Schon einmal vor Gericht

Recht gleichgültig wirkte die Angeklagte rund drei Monate nach dem Vorfall. "Ich weiß davon nichts mehr", spielte sie auf ihren Alkoholkonsum an. Das Pikante an ihrem Verhalten: Vor zwei Jahren hatte die junge Frau schon einmal wegen einer derartigen Entgleisung vor Gericht gestanden. Jetzt sah sie sich wieder genau jener Richterin gegenüber, die sie damals als 17-Jährige zum Schreiben eines Aufsatzes über die Schrecken des Dritten Reiches verdonnert hatte. "Das nehme ich Ihnen persönlich ein bisschen übel", kommentierte die Richterin den Umstand, dass diese Aufgabe offenbar keinen Lerneffekt hatte.

Noch unverständlicher sei das Benehmen im Hinblick darauf, dass die Angeklagte in Tschechien geboren ist, und erst seit der 2. Klasse in Deutschland wohnt. Warum man so etwas mache, wollte die Richterin wissen, zumal das Geburtsland besonders unter der Annexion durch Hitler-Deutschland gelitten habe. "Aus Dummheit", antwortete die Angeklagte wortkarg. Der entbotene Gruß "ist nicht meine Meinung", ließ sie im weiteren Verlauf der Verhandlung noch wissen.

Bis zu drei Jahre Haft drohen

Wie ernst der Gesetzgeber solchen Delikte nimmt, machte der Staatsanwalt deutlich. Darauf stehen bis zu drei Jahre Hat. Strafmildernd könne im aktuellen Fall allenfalls die Alkoholisierung gewertet werden. Allerdings sei sie kaum so stark gewesen sein, dass die Angeklagte nicht gewusst habe, was sie tat. Sonst hätte sie die Polizei danach kaum alleine weiter ziehen lassen Erschwerend stehe zu Buche, dass es sich um eine Wiederholungstat handele. Deswegen plädierte der Staatsanwalt auf 60 Tagessätze zu 15 Euro.

Eine Reifung nach der ersten Verurteilung vermisste die Richterin, zumal die Gesellschaft bei solchen Delikten immer empfindlicher werde. Sie verurteilte die Angeklagte zu einer Strafe von 300 Euro plus Übernahme der Gerichtskosten. Außerdem redete sie der Angeklagten ins Gewissen, sich über die historischen Zusammenhänge zu informieren und in ihrem Umfeld klar Stellung zu beziehen, falls die Taten des Dritten Reiches verharmlost werden. Wolfgang Dünnebier

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