Bad Kissingen
Streit

Bad Kissingen: Heiligenfeld zieht sich mit Paukenschlag zurück

Chef Galuska kündigt an: Keine weiteren Investitionen mehr, Alteneinrichtung soll in einer anderen Stadt entstehn. Noch keine Reaktion der Stadt-Spitze.
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"Wir sind es leid!" leuchtet derzeit weiß auf blauem Grund auf riesengroßen Plakaten die Wut von Joachim Galuska. Der Chef der Heiligenfeld GmbH hat über die Osterfeiertage zu einem für die Stadt Bad Kissingen unvorhersehbaren Schlag ausgeholt - das ist der bisherige Gipfel der Streitigkeiten, die seit Jahren zwischen der Stadt und der Fachklinik für Zündstoff sorgen. Zeitgleich zur Plakataktion hat die Geschäftsführung der Unternehmensgruppe einen zweiten Newsletter auf zukunft-badkissingen.de veröffentlicht und die Scheiben der von Heiligenfeld gepachteten Vinothek in der Innenstadt plakatiert.

Dort heißt es: "Wir sind es leid, wie wir von den Bürgermeistern und dem Großteil des Stadtrates behandelt werden, wie unserer Äußerungen und Botschaften in der Öffentlichkeit behandelt werden, wie in Bad Kissingen über uns als Unternehmen geredet wird, wie die politische (Un)-Kultur in Bad Kissingen funktioniert." Für jeden Kissinger und jeden Tourist ist an den Scheiben nachlesbar, was Heiligenfeld in den vergangenen Jahren nach eigenen Aussagen getan hat.

Joachim Galuska scheint das Tischtuch nach den Querelen um den Preußischen Hof und den Wald für die Seele nun endgültig zerschneiden zu wollen: "Wir werden keine weiteren Investitionen in Bad Kissingen mehr vornehmen, insbesondere keine geplante Alteneinrichtung mit einem Investitionsvolumen von ca. 15 Millionen Euro bauen und somit keine weiteren 60 bis 80 Arbeitsplätze schaffen." Gemeint ist damit der Preußische Hof, wie Joachim Galuska im Gespräch mit der Redaktion erklärte. Hier hätte eine Alteneinrichtung entstehen sollen, die Heiligenfeld GmbH wollte dafür den Hof abreißen. Das Thema liegt noch immer im Bauausschuss. "Wenn es uns so kompliziert gemacht wird, dann können wir auch woanders bauen." Nach Recherchen der Redaktion könnte es sich dabei um Rimpar handeln. Die Heiligenfeld GmbH ist dort bereits in Gesprächen mit dem Gemeinderat über ein Großprojekt mit den Zielgruppen junge Existenzgründer und auch ältere Menschen. Es soll betreutes Wohnen geben, dazu autofreie Innenhöfe, und durch ein Backhäusle und eine Hausbrauerei soll es Raum zur Begegnung von Jung und Alt geben.

Daneben kündigt die Geschäftsführung an, ihr Engagement "für die Stadt Bad Kissingen in der Vinothek" zu beenden. Die Stadt sei nicht bereit, das ursprünglich vereinbarte Konzept der Verbindung von Wein, Kunst und Kultur weiterhin mitzutragen. Was genau das heißt, darüber schweigt Galuska. "Warten Sie es ab." Dazu käme, so Galuska im Telefonat, dass eine wirtschaftliche Betriebsführung durch Freizügigkeit in den Öffnungszeiten nicht gegeben sei.

Auch unter das Projekt "Wald für die Seele" zieht er nun einen Strich: "Wir werden ein anderes Waldstück kaufen und mit dem Projekt umziehen. Wer ein geeignetes Grundstück hat, kann sich gerne an uns wenden."

Joachim Galuska sagt: "Wir haben viel für die Stadt getan, allein in den letzten 10 Jahren haben wir 52 Millionen Euro in Bad Kissingen investiert. Wir wollen einfach zuvorkommend und unterstützend behandelt werden, doch wir werden nur behindert." Galuska betont, dass die gesamte Geschäftsleitung der GmbH hinter der Aktion steht: "Man wird behindert und mit verwaltungsrechtlichen Spitzfindigkeiten gepiesackt. Jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir sagen: Schluss, Aus - das lassen wir uns nicht mehr gefallen. Wir sind nicht abhängig vom Stadtrat oder dem Oberbürgermeister."

Während Galuska über die Osterfeiertage seine Haltung öffentlich plakatierte, ist die Stadtspitze, darunter Oberbürgermeister Kay Blankenburg, noch in den Osterferien. Zu einer Stellungnahme war bislang niemand erreichbar.

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