Bad Kissingen
Kritik

Bad Kissingen: Große Verärgerung über neuen Schulsprengel

Die Schulsprengel Änderung teilt die Winkelser Kita. Eltern und Erzieher sind empört - auch weil die Stadt es nicht für nötig hielt, mit ihnen zu reden.
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Umbau: Die Sprengel der beiden Bad Kissinger Grundschulen, also ihre Einzugsbereiche, sollen neu geregelt werden. Für manche Kinder am Wendelinus und in Winkels könnte die Veränderung einschneidend sein.  Siegfried Farkas
Umbau: Die Sprengel der beiden Bad Kissinger Grundschulen, also ihre Einzugsbereiche, sollen neu geregelt werden. Für manche Kinder am Wendelinus und in Winkels könnte die Veränderung einschneidend sein. Siegfried Farkas

Egal ob Kindergartenleitung und Erzieherinnen, Eltern, Anwohner oder Vereinsmitglieder. In Winkels sind aktuell viele Menschen sehr sauer über die im Stadtrat beschlossene Änderung des Schulsprengels - und darüber, dass die Änderung nichtöffentlich und ohne Beteiligung der Betroffenen geplant wurde. "Ich ärgere mich, dass der Kindergarten und der Elternbeirat nicht ins Boot geholt wurden", sagt etwa Maik Schneider, Elternbeiratsvorsitzender der Kita Kleine Strolche. Er kritisiert, dass Verwaltung und Stadträte eine weitreichende Entscheidung getroffen haben, ohne sich die Belange der Betroffenen anzuhören. "Wir haben alle davon aus der Zeitung erfahren", sagt er.

Worum geht es? Der Stadtrat hat vor kurzem beschlossen, den Einzugsbereich für die beiden Grundschulen zu ändern. In die Sinnberggrundschule gehen 365 Schüler in 18 Klassen, wobei fünf Klassen bereits in eine Außenstelle und mobile Klassencontainer ausgelagert sind. Die Hennebergschule zählt dagegen nur 260 Schüler. Zudem plant die Stadt für die Hennebergschule schon seit längerem einen zentralen Neubau, weil die Unterbringung in drei maroden Schulhäusern in Garitz, Reiterswiesen und Arnshausen ohnehin problematisch ist. "Auf Anraten des Schulamtes wurde das Ziel formuliert, beide Grundschulen in vergleichbarer Große mit einem möglichst ausgeglichenen Schülerpotenzial zu planen", erläutert Rathaussprecher Thomas Hack auf Nachfrage. Dies biete pädagogische und finanzielle Vorteile. Die Stadt investiere viel Geld um eine optimale Bildungsumgebung zu schaffen.

Um gleiche Schülerzahlen in beiden Schulen zu gewährleisten und um Schüler mit Migrationshintergrund besser zu verteilen, sollen ab dem Schuljahr 2021/22 Teile des bisherigen Sinnbergsprengels nach Garitz gehen. Das trifft das Rosenviertel und den Bereich um den Bahnhof Richtung Süden. Es betrifft den Winkels und Sinnberg nahen Wendelinus sowie die Winkelser Straße bis inklusive Höhe Osterbergweg. Die Regierung von Unterfranken muss der Änderung noch zustimmen.

Aus Sicht der Verwaltung ist der Vorschlag alternativlos. "Im Vorfeld wurden viele Varianten untersucht. Im Hinblick auf die erforderlichen Schülerzahlen war aber nur die jetzt gefundene Lösung unter Einbeziehung eines Teilbereichs der östlichen Kernstadt möglich", betont Hack. Er betont des Weiteren, die Vorgespräche mit den Fachstellen, Schulen und Elternbeiräten seien offen und transparent abgelaufen. Dass der Wirtschaftsausschuss des Stadtrates das Thema nicht-öffentlich behandelt hat, habe damit zu tun, dass "persönliche Einzelfälle, betriebliche und organisatorische Hintergründe in den einzelnen Schulen und datenschutzrelevante Sachverhalte angesprochen werden könnten."

Die Gemeindeordnung verlangt, dass Beratungen öffentlich sind, außer es steht das Gemeinwohl oder berechtigte Interessen Einzelner entgegen. Die Rechtsaufsicht am Landratsamt kommentiert den Fall auf Nachfrage nicht konkret, weist aber grundsätzlich darauf hin, dass er verwaltungsgerichtlich überprüfbar ist. Die Stadt habe der Presse gegenüber Gründe für die Nichtöffentlichkeit genannt. Ob diese Gründe stichhaltig sind, wurde nicht bewertet. Grundsätzlich bestehe die Möglichkeit, ein Thema zunächst allgemein und öffentlich zu beraten. Dann wenn es Einzelfälle gebieten, kann die Nichtöffentlichkeit hergestellt, also Publikum und Presse aus der Beratung geschickt werden.

Belastung für Kita und Kinder

Viele in Winkels kritisieren den Vorgang als alles mögliche, nur nicht als offen und transparent. Zum Beispiel der Kindergarten. Der ist nach dem Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz sowie nach dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan verpflichtet, mit den Schulen zu kooperieren, um die Kinder gut auf die Einschulung vorzubereiten. "Uns wurde auf Nachfrage bei der Stadt erklärt, dass die Kita nicht zu den Beteiligten gehört. Das hat uns verwundert, da wir per Gesetz zur Kooperation verpflichtet sind und wir die erste Stelle sind, die mit der Änderung arbeiten muss", sagt Leiterin Andrea Böhm. Auch sie habe erst in der Zeitung von den Plänen gelesen.

Die Entscheidung habe für die pädagogische Arbeit enorme Auswirkungen - und die wurden nicht einmal angehört: Kooperationstreffen, Elternabende, Screenings, Schulhausbesichtigungen sowie verschiedene Projekte, bei denen die Vorschulkinder die Schule besuchen, um sich dort vertraut zu machen. All das hat der Kindergarten in Zukunft doppelt zu erledigen: Ein großer Teil Kinder (Altort Winkels, Sinnberg und Kaserne) besucht weiter die Sinnbergschule, während die Kinder vom Wendelinus und unterhalb des Osterbergwegs nach Garitz müssen. Das führt zu einer doppelten Termin-, Personal- und Zeitbelastung, die wiederum zur Betreuung der übrigen Kinder fehlt. Der Mehraufwand könne zudem kritische personelle Engpässe bedingen. Böhm: "Wir wollen kooperieren. Aber die Ressourcen des pädagogischen Personals sind in den Kitas leider nicht unerschöpflich."

Erzieher und Eltern halten die willkürliche Verteilung der Kinder auf zwei Schulen für pädagogisch nicht sinnvoll. "Für Kinder ist es immer schwer, neue Wege zu gehen", sagt Erzieherin Kerstin Hubert. "Durch die Trennung werden sozialer Zusammenhalt und Freundschaften auseinandergerissen." Nach derzeitigem Sachstand hat die Kita im Schuljahr 2021/22 und in den beiden Folgejahren 45 Vorschulkinder, von denen neun nach Garitz müssen. Darunter drei mit Migrationshintergrund. Aus Sicht der Kita hilft die Änderung nicht dabei, die Migrationskinder besser zu verteilen.

Familien werden getrennt

Dafür macht sie berufstätigen Familien das Leben schwer. Julia Seufert und ihren Töchtern Tia (7) und Liz (4) zum Beispiel. Die Familie wohnt am Wendelinus. Während die große Schwester zu Fuß in die Sinnbergschule läuft, würde Liz zum ersten Jahrgang gehören, der einmal um die Stadt herum nach Garitz in die Schule fährt. "Normalerweise wollten wir sie zusammen aus dem Haus schicken", sagt die Mutter. Unsicherheit und Ärger sind groß. Die große Schwester kommt zur Nachmittagsbetreuung in den Winkelser Kindergarten und auch die kleine Liz braucht einen Platz. Wie das organisatorisch laufen soll? "Wissen wir nicht", sagt Seufert.

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