Bad Kissingen
Kneipen

Bad Kissingen: Freie Plätze hinterm Tresen

Nach 15 Jahren ist Schluss: Die Familie Güldener sucht einen neuen Wirt für die König-Pilsener-Stube. Auch das La Canchanchara soll verkauft werden.
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Ingrid Güldener ist als Wirtin der König-Pilsener-Stube seit 15 Jahre nah an den Gästen dran. Foto: Benedikt Borst
Ingrid Güldener ist als Wirtin der König-Pilsener-Stube seit 15 Jahre nah an den Gästen dran. Foto: Benedikt Borst
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Wer die König-Pilsener-Stube in der Theresienstraße betritt, der kommt in die gute Stube von Ingrid und Jens Güldener.Und wie in jeder guten Stube, muss er sich an das halten, was die Hausherren sagen. "Das hier ist unsere Handschrift, unser Wohnzimmer, hier gelten unsere Regeln", sagt die Wirtin. Mütze runter, ist so eine. "Ich will das Gesicht sehen und den Leuten in die Augen schauen können." Seit 1951 gibt es die König-Pilsener-Stube. Schon immer war es ein uriges, kleines Lokal mit wenigen Tischen, dafür aber einer langen Theke. Die Güldeners haben es vor 15 Jahren übernommen und daraus nach und nach eine typische Fußballkneipe gemacht, in der die Fans bei den Liveübertragungen der Bundesliga mitfiebern.

Jens Güldener stammt aus Hamburg und ist ein großer Anhänger des FC St. Pauli. An der Eingangstür weist das Vereinslogo - nicht dezent, dafür aber sympathisch - darauf hin. Drinnen ist aber Platz für alle Vereine: Die komplette Decke des Gastraums ist mit Fanschals deutscher Fußballmannschaften dekoriert, von Bayer Leverkusen bis RB Leipzig. Viele Schals haben Gäste dagelassen. "Wenn jemand sieht, dass sein Verein fehlt, dann bringt er uns etwas mit", erzählt Ingrid Güldener.

Weltoffen soll es in dem Lokal zugehen. Deshalb darf an dem Tresen auch über alles diskutiert werden - angefangen bei Fußball über Privates bis zur Politik. Einzige Bedingung: "Es darf nie persönlich werden", betont sie. Wer ausfallend wird, fliegt. Noch so eine Regel.


Rente mit 70

Die Güldeners sehen sich als Seelsorger, Zuhörer und Ratgeber. Sie sind nah dran an ihren Gästen. Sie wissen was die Kissinger bewegt, genauso wie die Leute, die in der Stadt Reha oder Urlaub machen. Trotzdem soll damit demnächst Schluss sein. Das Ehepaar will sich zur Ruhe setzen und sucht nach einem Nachfolger. Ein Aushang im Fenster der Kneipe macht darauf aufmerksam. Ingrid Güldener: "Die Arbeit hier macht Spaß. Aber wenn andere sagen, schönes Wochenende, fangen wir erst an." Sie ist 70 Jahre alt, ihr Mann 68. Da sei es langsam an der Zeit, sich mehr auf das Privatleben zu konzentrieren.

Ebenfalls auf Nachfolgersuche sind die Inhaber des La Canchanchara in der Hartmannstraße. Das kubanische Restaurant mit Cocktailbar wird aktuell von einem Kissinger Makler zum Verkauf angeboten. Laut einer Annonce im Internet ist die 1899 errichtete Immobilie mit 425 Quadratmetern Fläche für 600 000 Euro zu haben. Das Lokal erstreckt sich auf zwei Ebenen und bietet laut Inserat Platz für rund 100 Sitzgelegenheiten. Hinzu kommen noch 50 Plätze im Hof. Die Eigentümer des La Canchanchara waren nicht für eine Anfrage dieser Redaktion zu erreichen.

Neu eröffnet haben dagegen Chris Manafas und Lisa Brunner das Funky Burger in der Weingasse. Manafas arbeitete zuletzt in der Oberpfalz und hat dort bereits ein Burger-Restaurant betrieben. Bad Kissingen habe er bei privaten Besuchen kennengelernt. Er entschied sich, an der Saale ein neues Lokal aufzubauen. "Wir haben hier einen Standort gesucht. Zu dem Laden sind wir schon letztes Jahr gekommen", erzählt er. Die Immobilie stand einige Zeit leer, zuvor wurde es als Pub unter dem Namen U-Boot genutzt.

Ausschlaggebend für die Entscheidung von Manafas war die gute Lage in der Innenstadt und dass es in Bad Kissingen kein vergleichbares gastronomisches Angebot gibt. "Wir wollten diese Lücke füllen." 20 verschiedene Burger stehen auf der Karte, wobei vom Brot bis zur Soße alles selbst hergestellt werde.


13 Jahre im Rosengarten

Zurück in der Theresienstraße: Die Güldeners waren nahezu 30 Jahre Teil der Kissinger Gastronomie. Bevor sie 2003 zur König-Pilsener-Stube kamen, hatten sie 13 Jahre lang das Rosengarten-Café geführt. Für das Café haben sie damals übrigens einen Nachfolger gefunden, und hoffen jetzt, dass es ähnlich erfolgreich läuft. "Uns ist wichtig, dass die Kneipe fortgeführt wird. Es braucht nicht noch mehr Leerstände in der Stadt", sagt sie. Vertraglich stehe das Paar nicht unter Druck. Sie könnten sich Zeit lassen, alles zu regeln. Vielleicht hat die Kneipe schon in wenigen Wochen einen neuen Besitzer, vielleicht auch erst in einem Jahr. Bis dahin wird Ingrid Güldener weiter die Nachmittagsschicht übernehmen und ihr Mann das Abendgeschäft. Geputzt und aufgeräumt wird dann nachts wieder gemeinsam. "Es ist noch kein Tag vergangen, an dem wir raus sind, ohne das gespült würde", sagt sie. Noch so eine Regel für die gute Stube.
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