Bad Kissingen
Kultur

Bad Kissingen: Die Wucht der Farben in Musik umgesetzt

Das Bayerisches Ärzteorchester ist immer ein Garant für erstklassige Klangwelten Bad Kissingen. Zu hören waren die Musiker am Freitag.
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Über 25 Mal war das Bayerische Ärzteorchester seit 1985 im Regentenbau zu Gast.  Foto: Peter Klopf
Über 25 Mal war das Bayerische Ärzteorchester seit 1985 im Regentenbau zu Gast. Foto: Peter Klopf
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Wer im Museum Unterlinden im elsässischen Colmar (Frankreich) den "Isenheimer Altar" zum ersten Male sieht, ist beeindruckt und fasziniert von der Farbenpracht, der Ausdrucksstärke und der Wucht der Gemälde, die Matthias Grünewald zwischen 1512 bis 1516 für den Wandelaltar des Antoniterklosters in Isenheim, nahe von Colmar, geschaffen hat. Der Altar gilt als ein Meisterwerk der deutschen Renaissance.

Der provozierende Komponist Paul Hindemith (1895 - 1963), dessen Werke von den braunen Machthabern des "Dritten Reiches" als "entartete Musik" gebrandmarkt wurden und der in die Schweiz ins Exil flüchten musste, war von dem Altar so inspiriert, dass er 1933/34 eine Oper mit dem Titel "Mathis der Maler" und auch eine Sinfonie mit dem gleichen Titel schrieb. Beide hatten das Leben Matthias Grünewalds in einer Welt in der Nähe der Bauernkriege als Inhalt.

Vor diesem Hintergrund war man gespannt, welche Visionen Hindemith hatte und wie das Bayerische Ärzteorchester (BÄO) unter der musikalischen Leitung von Erich Polz diese Sinfonie im Großen Saal des Regentenbaues umsetzen wird. Unter den vielen Ärzteorchestern in Deutschland ist das BÄO eines der traditionsreicheren, eines der größten und eines der besten und hat sich seit Jahren in Bad Kissingen eine treue Fangemeinde geschaffen.

Im Jahr 1967 von seinem früheren musikalischen Leiter, Richard Steinberg, gegründet, zählt das BÄO zurzeit über 200 Musiker, davon viele Medizinstudenten. Sie erhalten hier die Möglichkeit, ihre musikalische Praxis über das lange Studium hinaus zu erhalten. Einmal im Jahr, heuer bereits zum 51. Mal, sperren über 80 musikbegeisterte Mediziner ihre Praxen zu, um sich in einer intensiven Probenwoche ihrem Steckenpferd widmen zu können und anschließend mit dem Erarbeiteten Konzerte zu geben.

Dieses Konzert wurde erstmals geleitet von dem jungen österreichischen Dirigenten Erich Polz, der von 2012 bis 2017 Chefdirigent der "Wiener Konzertvereinigung" war. Neben der "1. Symphonie", c-Moll, op.68 von Johannes Brahms und dem "Symphonischen Präludium" von Anton Bruckner stand Paul Hindemith anspruchsvolles Meisterwerk "Mathis der Maler" auf den Notenblättern. Der erste Satz wird von in fröhlicher Laune musizierenden Engeln geprägt. Danach folgt die "Grablegung", einhergehend mit der emotional berührenden Trauer bis im 3. Satz, dem Finale, sich alles auf das jubilierende "Halleluja" zuspitzt.

Dabei und bei der anschließenden Sinfonie von Brahms zeigte das Orchester seine außerordentliche Bandbreite sinfonischer Musik auf höchstem Niveau. Mit gut besetzten Registern und wirkungsvollen Solisten zeigten sich die Musiker überaus konzentriert und spielfreudig. Man spürte formlich ihr Engagement und Herzblut sowie die pure Lust für ihre Interpretierungen. Ein kompletter Hornsatz und acht Kontrabässe, neben den anderen Instrumenten, rundeten den voluminösen Klang des Orchesters ab.

Der junge österreichische Dirigent Erich Polz hatte das Orchester voll im Griff und leitete die Musiker agil und mit vollem Körpereinsatz durch die Tücken der gehobenen Konzertliteratur. Die Musiker nahmen dies gerne an und bejubelten ihren souveränen Dirigenten am Ende des Konzertes. Mit anhaltendem Applaus zeigte das Publikum den Musikern und auch ihrem musikalischen Leiter, Erich Polz, seine Begeisterung für einen Abend voller musikalischer Höhepunkte.

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