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Bad Kissingen: Ausbauprogramm für marode Straßen

86 Projekte stehen im Infrastruktur-Ausbauprogramm der Stadt. Das Bauamt will die 15 wichtigsten bis 2021 bearbeiten. Welche Kriterien entscheiden?
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Polier Herrmann Wetteskind hat die Arbeiten zur Erneuerung der  Erhardstraße im Griff. Benedikt Borst
Polier Herrmann Wetteskind hat die Arbeiten zur Erneuerung der Erhardstraße im Griff. Benedikt Borst

Für die Dr. Georg-Heim-Straße in Garitz schaut es gut aus, für die Burgstraße in Reiterswiesen auch: Sie stehen auf dem Ausbauprogramm der Stadt weit oben und gehören zu den Verkehrswegen, die inklusive Kanal und Versorgungsleitungen als nächstes erneuert werden. "Straßen und Kanäle sind das größte Infrastrukturvermögen der Stadt", sagt Thomas Hornung, Leiter des städtischen Tiefbaureferats. Dazu gehört ein 130 Kilometer langes Straßen - und ein 160 Kilometer langes Kanalnetz. Bad Kissingen ist außerdem für mehr als 200 Brückenbauwerke zuständig. Zum Vergleich: Der Landkreis hat nicht einmal halb so viele Brücken zu betreuen. Hornung: "Wir haben eine riesen Infrastruktur-Last."

Welche Kriterien entscheiden?

In den vergangenen Jahren hat die Große Kreisstadt nicht immer in dem Maß in seine Infrastruktur investiert, wie es gewünscht oder nötig gewesen wäre. In den Haushaltsdebatten wies die Kämmerei deshalb regelmäßig auf den Investitionsstau hin. Mit dem Ausbauprogramm will das Rathaus systematisch den angestauten Berg an Sanierungen abarbeiten. Die drängendsten natürlich zuerst. "Die Prioritätenliste ist ein großer Erfolg", freut sich der Tiefbauchef. Die Verwaltung könne zuverlässiger planen und den Bürgern besser Auskunft geben, wann sie eine Baustelle vor der Haustüre haben. 86 Projekte hat das Bauamt erfasst, mit dem Stadtrat bewertet und in eine Reihenfolge gebracht. Neun Straßen- und Kanalerneuerungen, zwei Brückensanierungen, zwei neue Erschließungswege für Bauland sowie zwei Maßnahmen an Bachläufen sollen bis 2021 umgesetzt oder so weit wie möglich geplant werden.

Welche Kriterien entscheiden darüber, ob eine Straße gemacht wird oder nicht? Da wäre erstens die technische Zielsetzung. "Da spielt der Straßenzustand eine große Rolle", erklärt Hornung. Schäden werden kontinuierlich dokumentiert und der Zustand benotet. Das gilt nicht nur für die Asphaltdecke, sondern auch für den Zustand der Kanalisation und der Versorgungsleitungen. Ebenfalls berücksichtigt wird, wie stark eine Straße frequentiert ist, ob die Gehwegbreiten ausreichen oder ob eine Sanierung zum Beispiel aus Sicherheitsgründen sinnvoll ist.

Das zweite Kriterium ist der Bearbeitungsstand. Ist die Planung für eine Baumaßnahme bereits recht weit vorangeschritten, gilt sie als wichtiger als eine Maßnahme, bei der die Ingenieure erst bei Null anfangen müssten. Drittes Kriterium sind gesetzliche Vorgaben. "Das ist ein Durchschlagkriterium", sagt er. Erneuerungen, die rechtlich notwendig sind, werden als erste angegangen. "Wenn ein Kanal undicht ist, muss er gemacht werden." Ein Beispiel wäre das Projekt Neue Altstadt, also die Sanierung der Fußgängerzone. Hier ist die Stadt gezwungen, zu handeln. Ein zweites Beispiel ist die Beleuchtung an Zebrastreifen. Auch hier muss die Stadt nachrüsten, um die gesetzlichen Vorgaben überall einzuhalten.

Schlechte Chancen für "In der Au"

Das letzte Kriterium ist ein politisches: Hat eine Straße eine hohe touristische oder wirtschaftliche Bedeutung? Ist sie so zentral gelegen, dass sie barrierefrei ausgebaut oder mit Grünflächen aufgehübscht werden muss? Diese Bewertung hat der Stadtrat vorgenommen.

Aus allen Kriterien errechnet sich, wie dringend eine Straße zu machen ist: Liegt sie auf der Skala im Bereich von mittel bis sehr hoch, wird sie umgesetzt. Ist ihre Dringlichkeit gering oder äußerst gering, dann nicht. "Wenn die große Infrastrukturwelle abgearbeitet ist, haben Maßnahmen von unten die Chance, nach oben zu kommen", merkt Hornung an. Einige politischen Zankäpfel haben in absehbarer Zukunft allerdings kaum Chancen, erneuert zu werden. Das gilt vor allem für Ortsverbindungsstraßen, wie die zwischen Albertshausen und Poppenroth, die Zufahrt Häuslerschlag ins Industriegebiet Albertshausen und die Straße "In der Au" zum Sportplatz in Hausen.

Hornung betont, dass das Ausbauprogramm flexibel ist: Das heißt, dass es jährlich aktualisiert wird, um auf neue Probleme reagieren zu können.

Die wichtigsten Projekte im Ausbauprogramm

Straßen und Kanäle Das Ausbauprogramm der Stadt umfasst 41 gemeinsame Straßen- und Kanalsanierungen. Am dringlichsten bis 2021 sind (in absteigender Reihenfolge): das Projekt neue Altstadt, ein Stauraumkanal an Schlachthofkreuzung, Würzburger- und Kurhausstraße, die Burgstraße, die Dr. Georg-Heim-Straße, die Schloß- und Bahnhofstraße, die Salinenstraße, die Lindenstraße, die Theresien- und Bachstraße sowie die Straße Im Krautgarten.

Stadtteile Fünf der wichtigsten Projekte betreffen die Kernstadt, zwei Garitz und jeweils eines Arnshausen und Reiterswiesen.

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