Bad Brückenau

Bad Brückenauer Stadtrat lehnt das generationenfreundliche Bündnis ab

Bad Brückenau tritt dem Bündnis "Generationenfreundlicher Landkreis" nicht bei. Damit verweigert die Stadt als erste der 26 Kommunen dem Landkreis ihre Zustimmung.
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Es war eine Stadtratssitzung, von der nicht viel zu erwarten war. Eigentlich. Eine kleine Änderung der Feuerwehr-Satzung stand auf der Tagesordnung, genauso wie die Vergabe einiger Bauarbeiten und der Beitritt zum Bündnis "Generationen f reundlicher Landkreis". Nichts Großes also, trotzdem sorgte der Generationenfreundliche Landkreis für einen Paukenschlag. Denn die Stadt Bad Brückenau tritt dem Bündnis nicht bei.

"Wir bauen im Landkreis mehrfach Strukturen auf, die alle dasselbe wollen, aber auch alle Geld kosten", brachte Stadtrat Karlheinz Schmitt (CSU) seine Kritik auf den Punkt. Die Rhönallianz entwickelt zur Zeit das "Integrierte ländliche Entwicklungskonzept" (ILEK), auch das Netzwerk Bürgerengagement (Bericht Seite 17) geht in eine ähnliche Richtung. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) machte deutlich, dass der Stadt keine unmittelbaren Zusatzkosten durch den Beitritt zum Bündnis entstehen.

"Aber letztlich werden wir über die Kreisumlage natürlich indirekt daran beteiligt", relativierte Meyerdierks ihre Aussage gleich selbst. Auch andere Stadträte wie Birgit Poeck-Kleinhenz (PWG) und Adelheid Zimmermann (FDP) zweifelten am Sinn des Bündnisses. Am Ende fiel die Abstimmung äußerst knapp aus: Sieben Stadträte waren für den Beitritt, acht dagegen.

Bündnis hat Symbolcharakter


Dabei dürfte keiner der Stadträte ernsthaft mit der Grundidee des Bündnisses Probleme haben. "Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir für alle Generationen etwas zu bieten haben", erklärt Stefan Seufert, Pressesprecher des Landratsamtes, den Kern des Bündnisses. Es gehe darum, die bestehenden Angebote besser zu vernetzen und auf allen Ebenen für den demografischen Wandel zu sensibilisieren. "Aber das machen wir doch längst schon", sagt Schmitt und verweist auf den hervorragend arbeitenden Seniorenbeirat und den Verein Pro Jugend, dem die Stadt erst kürzlich beigetreten ist.

"Dieses Bündnis hat Signalwirkung nach außen: Wir sind generationenfreundlich und demografiefest", betont Nadine Bock die Bedeutung der Vereinbarung. Bock ist Abteilungsleiterin für kommunale und soziale Angelegenheiten am Landratsamt Bad Kissingen und zuständig für den "Generationen f reundlichen Landkreis". Das Bündnis sei eine "Selbstverpflichtung mit Signalwirkung", sagt Bock. Anton Kiefer, Geschäftsleiter der Stadtverwaltung, nennt das Papier lieber "moralischen Appell" und "Absichtserklärung".

Die Bürgermeisterin ist verwundert


Die Bürgermeisterin hätte es sich freilich anders gewünscht: "Ich war über die Entscheidung der Stadträte verwundert." Meyerdierks hat im Arbeitskreis, der das Bündnis vorbereitete, selbst mitgearbeitet. Eines gesteht Meyerdierks den Stadträten aber zu: "Ich kann ihre Gründe nachvollziehen, wobei ich es lobenswert finde, dass der Landkreis alles tut, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken."

Konsequenzen hat die Entscheidung des Stadtrates nicht. "Wir hätten gerne alle Städte und Gemeinden im Boot", bedauert Nadine Bock, "aber jeder Stadtrat ist frei." Bisher haben 19 Kommunen dem Bündnis zugestimmt. "Von sechs Gemeinden habe ich allerdings noch keine Rückmeldung", sagt Melanie Schäfer vom Landratsamt Bad Kissingen, bei der die Zustimmungen liegen. Und jetzt eben auch eine Absage.
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