Zeitlofs

Zeitlofs: Schließt Apotheke zum 30. Juni?

Ralf Brauer sucht auf allen Kanälen nach einem Apotheker, doch keiner will aufs Land kommen. Aber dieses Problem hat Zeitlofs nicht allein. Die Konsequenz ist, dass ländlicher Regionen immer weniger versorgt sind.
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Medikamente hat Rolf Brauer genügend in seiner Apotheke, aber kein Rezept gegen die Landflucht. Wenn er kein Personal findet, dann wird die Rhön-Apotheke wohl Ende Juni schließen. Foto: Leonie Schneider
Medikamente hat Rolf Brauer genügend in seiner Apotheke, aber kein Rezept gegen die Landflucht. Wenn er kein Personal findet, dann wird die Rhön-Apotheke wohl Ende Juni schließen. Foto: Leonie Schneider
Husten oder Bauchschmerzen sind kein Problem für die Zeitlofser. Schließlich gibt es ja die Rhön-Apotheke gleich um die Ecke, die den Ort bereits seit 1850 mit den unterschiedlichsten Medikamenten versorgt. "Wir hören oft von unseren Kunden, wie sehr sie es schätzen, dass noch eine Apotheke da ist", weiß Ute Holletzeck als langjährige Mitarbeiterin. Sie bedauert deshalb umso mehr die unglückliche Zukunft, die der Rhön-Apotheke bevorsteht: Schon bald muss sie voraussichtlich geschlossen werden. Grund dafür ist die bisher erfolglose Suche nach einem Nachfolger für den dort beschäftigten Apotheker, der in Kürze aus dem Berufsleben ausscheiden wird.

Ralf Brauer, der die Rhön-Apotheke seit nun zehn Jahren leitet, ist zwar selbst Apotheker, jedoch verbringt er die meiste Zeit in seiner zweiten Niederlassung, der Löwenapotheke in Sterbfritz. Seine beiden angestellten Apothekerinnen sind beide Mütter und arbeiten halbtags. Jemanden einzustellen ist also unumgänglich. "Erfahrungsgemäß ist es nicht schwierig, Personal zu finden", berichtet Brauer. "Deshalb habe ich mich zunächst auf Mundpropaganda verlassen und habe einfach abgewartet, das hat sonst immer gut geklappt." Doch dieses Mal ist es anders. Niemand meldet sich, niemand scheint Interesse an der frei werdenden Stelle zu haben. Brauer wendet sich an die Apothekerkammer, um ein Stellenangebot aufzugeben und Kontakt mit Arbeit suchenden Apothekern aufzunehmen. Er schreibt E-Mails und telefoniert, durchsucht zusammen mit seinen Mitarbeitern sämtliche Portale im Internet.

Dreiviertel Jahr intensiv gesucht

Doch alle Bemühungen bleiben wider Erwarten ohne Erfolg. Selbst als Ralf Brauer den Arbeitsplatz über das Arbeitsamt deutschlandweit ausschreiben lässt, will die Pechsträhne der Rhön-Apotheke einfach nicht abreißen. Oft ist es die ländliche Lage, die Interessenten abspringen lässt, eine weite Entfernung zum bisherigen Wohnort oder einfach eine andere, in Aussicht stehende Stelle, oft in der Stadt. Auch nach einem dreiviertel Jahr intensiver Suche steht die Niederlassung so noch ohne Apotheker da, sodass eine Schließung mittlerweile unvermeidbar erscheint. "Wir leben in einer Zeit der Landflucht, junge Familien ziehen weg, sodass mit der Einwohnerzahl auch die Angebote im Dorf immer mehr verringert werden. So verschwinden dann langsam Dorfläden und andere Einrichtungen, die ein Stück Lebensqualität ausgemacht haben", erzählt Brauer.

Seine Kollegin Holletzek pflichtet ihm bei: "Gerade die älteren Menschen, die im ländlichen Raum übrig bleiben, brauchen besonders häufig Medikamente, haben jedoch oft keine Fahrmöglichkeit. Für sie ist es praktisch, dass sie unsere Niederlassung zu Fuß erreichen können". Auch der Zeitlofser Bürgermeister Wilhelm Friedrich (CSU) bedauert den Verlust sehr, denn besonders die gute Versorgung mit Arzt und Apotheke sind Teil der Attraktivität des Dorfes. Aus diesem Grund bemüht sich auch Friedrich aktiv um das Auffinden von Personal, indem er sich in der ganzen Umgebung nach Interessenten umhört. Vor Kurzem hat der Bürgermeister sogar eingefädelt, dass auf dem Radiosender Bayern 1 ein Beitrag über die Rhön-Apotheke gesendet wird. Doch auch darauf gibt es bisher keine Reaktionen.

Angestellte wechseln in die Filiale nach Sterbfritz

Zeitlofs ist kein Einzelfall, weiß Ralf Brauer. "Mein Sohn studiert momentan Pharmazie, da hätte ich es natürlich gerne geschafft, die Niederlassung bis zu seinem Abschluss offen zu halten. Er hat mir erzählt, dass am schwarzen Brett der Universität viele kleinere Apotheken im ländlichen Raum händeringend nach Apothekern suchen. Auch sie kämpfen um ihre Existenz. Das merkt man daran, dass schon Berufseinsteiger angesprochen werden, während früher großen Wert auf Erfahrung gelegt wurde, wenn man Stellen wie diese zu vergeben hatte."

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, werden die Türen der Rhön-Apotheke in Zeitlofs ab dem 30. Juni 2015 geschlossen bleiben. Die Angestellten werden dann in die Löwenapotheke in Sterbfritz umziehen. Brauer verspricht, dass sich an der gewohnten Versorgung trotz allem nicht viel ändern wird: "Wir werden weiterhin für die Einwohner von Zeitlofs da sein, täglich die Arztpraxen besuchen und Medikamente dort hin liefern, wo sie gebraucht werden."


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