Wildflecken
Kirche

Wildflecken: Offene Augen für die Wunder

Die Wildfleckener wollten ihre evangelische Pfarrerin fast gar nicht gehen lassen. Über zwei Stunden dauerte der Verabschiedungsgottesdienst für Daniele Roth.
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Viele Menschen drückten Pfarrerin Daniele Roth (rechts) ihre ganz persönliche Wertschätzung aus. Foto: Rolf Pralle
Viele Menschen drückten Pfarrerin Daniele Roth (rechts) ihre ganz persönliche Wertschätzung aus. Foto: Rolf Pralle
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Zahlreiche Gäste hatten zum Teil recht weite Wege auf sich genommen, um der Pastorin bei der beeindruckenden Feier in der Kreuzkirche ihre Wertschätzung zu zeigen. Die Geistliche selbst machte kein Geheimnis daraus, dass sie schon länger einen gewissen Abschiedsschmerz spüre. Acht Jahre hatte Daniele Roth im Oberen Sinngrund gewirkt. Sie bedankte sich bei allen, die ihre Zeit in der Rhön in vielfältiger Art und Weise mitgestaltet haben. Die intensiven Kontakte direkt am Rande des Truppenübungsplatzes würden ihr immer in guter Erinnerung bleiben. Besonders hob sie den ökumenischen Zusammenhalt anhand diverser Beispiele hervor.

In ihrer Predigt machte Daniele Roth deutlich, dass der Realitätssinn oft genug der Hoffnung im Weg stehe. Viele Menschen würden heutzutage leider vor den vielfältigen Wundern, die mit Gottes Hilfe passieren, ihre Augen verschließen.

Ein bewegtes Leben von Brasilien bis in die Rhön

Dekan Till Roth - die Namensgleichheit ist nur zufällig - brachte die besonderen Herausforderungen in der Marktgemeinde zur Sprache, denen sich die 51-Jährige mit ihrer ganzen Kraft gestellt habe. Den Spagat zwischen Beharrlichkeit und Konsequenz auf der einen sowie Freundlichkeit und Sanftmut auf der anderen Seite habe sie ganz hervorragend zum Wohle der ihr anvertrauten Christen gemeistert.

"Bei der ersten Pfarrstelle spricht man auch von der ersten Liebe", sagte der Dekan wörtlich, nachdem er einige Lebensstationen von Daniele Roth hatte Revue passieren lassen. Denn erst relativ spät hatte sie den Beruf einer Pastorin ergriffen. Kindheit in Brasilien, Studium der Medizintechnik, Arbeit als Ingenieurin mit Schwerpunkt Strahlenphysik am Klinikum Bamberg, mit Anfang 30 dann Klosterschwester und Studium der Theologie - diese Eckpunkte zeugen von einem bewegten Leben, das sich durchaus nicht immer auf der Sonnenseite abgespielt hat.

Es sei aber nicht nur Gottes Wort gewesen, das Roth mit Glanz und Licht zu den Menschen gebracht habe. Der Dekan erwähnte in diesem Zusammenhang unter anderem das Engagement bei der Lebensmittelausgabe an Bedürftige, die Pfarramtsführung und den Einsatz bei der Kirchenrenovierung. Dazu kam das segensreiche Wirken als Krankenhaus- und Kurseelsorgerin in Bad Brückenau.

Zahlreiche Worte der Wertschätzung

Lang war die Liste derjenigen Weggefährten, die nach dem Abendmahl ein Grußwort sprachen. Selbstbewusst und offen sei Daniele Roth von Anfang an aufgetreten, blickte die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Christine Gehrlein, zurück. Die Pfarrerin, die ab Oktober in Deggendorf tätig sein wird, habe mehr als einmal den Mut bewiesen, auch gegen den Strom zu schwimmen. "Sie haben hier Spuren gelegt", war sich Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) sicher. Er hob die wertvolle Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern im Religionsunterricht hervor. Ihre Verbundenheit zur Bevölkerung habe die Pfarrerin mit dem Besuch zahlreicher Veranstaltungen von Vereinen und Organisationen regelmäßig neu belebt. Auch sein Amtskollege Roland Römmelt (CSU) wusste nur Gutes zu berichten. "Wir werden Sie vermissen", sagte der Riedenberger Rathauschef.

Neben etlichen weiteren Grußworten gab es für die Pfarrerin eine Fülle einfallsreicher und symbolträchtiger Geschenke, die sie stets an ihre acht Jahre im Oberen Sinngrund erinnern sollen. Vor der Kreuzkirche wartete derweil schon der Musikzug Wildflecken, um zum Abschied einige Melodien zu spielen. Und die Gottesdienstbesucher nahmen gern ein letztes Mal die Gelegenheit wahr, Daniele Roth die Hand zu schütteln und der Geistlichen ihren ganz persönlichen Dank auszusprechen.

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