Wildflecken
Bürgerversammlung

Wildflecken: Flüchtlinge kommen wohl doch

Hallenbad, Abwasser und Flüchtlinge - für die Wildfleckener bestand reichlich Gesprächsbedarf beim kommunalen Frühschoppen am Sonntag.
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Die Zukunft des Ratskellers ist weiter ungewiss. Bürgermeister Gerd Kleinhenz schließt eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft wegen des Zustands des Gebäudes aus. Foto: Ulrike Müller
Die Zukunft des Ratskellers ist weiter ungewiss. Bürgermeister Gerd Kleinhenz schließt eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft wegen des Zustands des Gebäudes aus. Foto: Ulrike Müller
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Mit einer Schweigeminute eröffnete Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) die Bürgerversammlung. Rund 60 Wildfleckener füllten das Sportheim, um sich über die aktuellen Projekte im Markt zu informieren. Vieles ist bekannt, insbesondere die Schließung des Hallenbades zum Ende des Jahres wird - so scheint es jedenfalls - von den Bürgern akzeptiert. Nun kämpfen sie um ihre Turnhalle, denn aufgrund der hohen Chloridbelastung des Schwimmbade ist auch die darüber liegende Turnhalle nicht mehr tragbar. Sie soll durch einen Neubau ersetzt werden.

Erste Pläne - so erklärte der Bürgermeister - sehen eine Verkleinerung von aktuell zwölf mal 24 Meter auf dann nur noch zwölf mal 18 Meter vor. Grund sind Vorgaben der Regierung von Unterfranken, die den Bau fördert. Würde die Gemeinde auf der alten Hallengröße bestehen, müsste sie die Mehrkosten von rund 250.000 Euro selbst schultern. "Da müssen wir noch schauen", versprach Kleinhenz, noch einmal bei der Regierung vorzusprechen.

An der Sanierung der Grundschule rüttelt der Markt nicht. Sie soll etwa 5,2 Millionen Euro kosten. Die Gemeinde rechnet mit einem Eigenanteil von 2,3 Millionen Euro. Auch auf dem Gelände des ehemaligen Pumpwerks stehen Veränderungen an. Eigentümer ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Die Verhandlungen beschreibt Kleinhenz als äußerst kompliziert. Er könnte sich dort einen "Pumptrack" - also einen Parcours für Fahrräder und Skater - vorstellen. Ein Konzept dafür soll mit der Beteiligung der Jugend erstellt werden. "Wir können uns nicht zu Tode sparen und irgendwann die Tür zumachen", warb er dafür, trotz aller Sparzwänge auch an die Zukunft zu denken.


Info-Veranstaltung zu Flüchtlingen im Januar

Nachdem die Gemeinde sich lange gegen die Aufnahmen von Flüchtlingen gewehrt hat - das Argument lautete hier stets, Wildflecken habe bei der Integration zum Beispiel der Russlanddeutschen bereits einen großen Beitrag geleistet - bereitete Kleinhenz die Bürger nun doch auf die Ankunft von Asylbewerbern vor. In der Colonel-Huff-Straße plant der Eigentümer die Unterbringung von etwa 50 bis 60 Flüchtlingen. Es gebe Gespräche mit dem Landratsamt, allerdings sei noch kein Vertrag geschlossen worden.

Um die Bevölkerung zu informieren, wird es am 13. Januar um 19 Uhr einen Info-Abend im Sportheim geben. "Ohne ein schlüssiges Konzept werde ich hier nichts dulden", machte Kleinhenz unmissverständlich klar, "es sind Menschen, die aufgenommen werden." Werner Krech regte an, dass der Markt schon jetzt vorbeugt. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Flüchtlinge auch nach Wildflecken kommen." Integration funktioniere viel besser, wenn die Menschen kleinteilig untergebracht sind, zum Beispiel in ohnehin leerstehenden Wohnungen. "Die Gemeinde könnte die Eigentümer anschreiben und nachfragen, ob es eine Bereitschaft zur Aufnahme gibt.


Kläranlage, Ratskeller und Winterdienst

Über die Zukunft der Kläranlage in Wildflecken gab Kleinhenz bekannt, dass die Brückenauer Rhönallianz eine Studie in Auftrag gegeben hat. Damit soll die Möglichkeit der interkommunalen Zusammenarbeit mit einem gemeinsamen Abwasser- und Klärschlammkonzept untersucht werden. Der Markt Wildflecken muss sich nämlich bald entscheiden, ob die in die Jahre gekommene Kläranlage durch einen Neubau ersetzt werden soll, oder ob ein Anschluss an die Anlage von Bad Brückenau (Trübenbrunn) sinnvoller ist.

Was den Ratskeller angeht, so habe ein Sondergutachten im Rahmen des Tourismuskonzepts eindeutig ergeben, dass ein Hotelbetrieb im Ort nicht sinnvoll ist. Beim Umbau des Gebäudes zu einem 3-Sterne-Hotel mit 60 Betten stehe eine Investitionssumme von 4,5 Millionen Euro im Raum. Damit sich das rechnet, müssten die Zimmer mindestens 75 Euro pro Nacht kosten. - ein völlig unrealistisches Szenario. "Das wird hier in Wildflecken nicht möglich sein", stellte Kleinhenz klar. Eine andere Nutzung ist möglich, konkrete Konzepte gebe es aber noch nicht.

Nach der Betriebsauflösung der Firma Richter wurde in Oberbach kein Nachfolger für den Winterdienst gefunden. Kleinhenz beteuerte, trotz Ausschreibung habe sich keine Lösung abgezeichnet, so dass nun der Bauhof Wildflecken und Oberbach bedienen müsse. "Da wird es mit Sicherheit zu Engpässen kommen", blickt der Bürgermeister voraus.

Wie bei fast jeder Bürgerversammlung der Region äußerten mehrere Bürger ihre Unzufriedenheit über die Sauberkeit. "Wie der Verladebahnhof und die Rote Brücke aussehen, das ist eine Sauerei höchsten Grades", schimpfte Klaus Schuhmann in Richtung der BImA. Helmar Rattay gab ihm Recht.


Statements einzelner Bürger:

Kritik musste sich der Bürgermeister von Bodo Wachsmann anhören: "Hier ist grob fahrlässig die Pflicht zur Unterhaltung des Bades vernachlässigt worden", sagte er in Anspielung auf den Investitionsstau im Hallenbad, das ja nun geschlossen wird. Was den Ratskeller angeht, kann sich Wachsmann eine Nutzung für Senioren, beispielsweise als Tagespflege oder für Menschen mit Demenz, vorstellen. Außerdem setzte er sich dafür ein, ein pädagogisches Familienzentrum zu schaffen, um Integration zu fördern.

Mit Nachdruck machten sich die Schwestern Rebecca und Vanessa Szczesniak für eine langfristige Zukunftsperspektive stark. "Von meiner Generation ist nur noch ein Bruchteil da", schilderte Rebecca Szczesniak die Situation. "Es ist eine Schande, wir müssen etwas Neues schaffen", ergänzte Vanessa Szczesniak und schlug vor, den ehemaligen Bahnhof touristisch zu nutzen. Außerdem könnten die gemeindeeigenen Gebäude einen neuen Farbanstrich ganz gut gebrauchen. Dafür würde sie auch selbst den Pinsel in die Hand nehmen.

Wie schon Bürger vor und nach ihm, betonte Thomas Helfrich, dass die jetzige Größe der Turnhalle unbedingt erhalten bleiben müsse. Der Sportunterricht sehe Mannschaftssportarten vor, für die es Platz brauche. Eine Verkleinerung der Halle bedeute einen weiteren Verlust an Lebensqualität. Von den Plänen, das Pumpwerk abzureißen und in einen Freizeitparcours für Jugendliche umzugestalten, hält der ehemalige Gemeinderat nichts. "Hier geben wir sinnlos Geld aus." Der Beifall im Publikum gab ihm Recht.
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